Kommentar

Kommentar: Chance vertan

Das Rathaus hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, was die Hilfe für den Kiez-Döner nach dem Anschlag angeht. Dabei hätte es eine echte Chance gegeben. In den Tagen im Oktober, als die Stadt spürbar zusammengerückt ist, hat die Bevölkerung ihre Solidarität und Hilfsbereitschaft ...

Das Rathaus hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, was die Hilfe für den Kiez-Döner nach dem Anschlag angeht. Dabei hätte es eine echte Chance gegeben. In den Tagen im Oktober, als die Stadt spürbar zusammengerückt ist, hat die Bevölkerung ihre Solidarität und Hilfsbereitschaft gezeigt.

Auch der Oberbürgermeister besuchte mehrfach die Tatorte und versicherte seine Unterstützung. Doch finanzielle oder materielle Hilfe wurden dem Ladenbetreiber bisher nicht gewährt. Die Spendensammlung, an deren Organisation sich die Stadtverwaltung beteiligt hat, stammen direkt aus der Bevölkerung.

Was wäre es für ein Zeichen gewesen, wenn die Stadt den Ort, der stellvertretend für alle muslimischen Menschen in Halle angegriffen wurde, zu einem Leuchtturm der Toleranz ausgebaut hätte? Man hätte ein Museum, eine Begegnungsstätte oder einen völlig neuen Laden aufbauen können und Vorbild für ganz Deutschland werden können.

Zugegeben - das ist ein großer Traum. Aber wenigstens hätte sich die Stadt an den Kosten für die Renovierungsarbeiten beteiligen können. Für Ausgaben im niedrigen Tausenderbereich braucht der Oberbürgermeister nicht einmal eine Mehrheit im Stadtrat. Obwohl er die sicherlich bekommen hätte. Von daher gilt die Kritik nicht nur dem OB, sondern auch den anderen Politikern, die nach dem Anschlag viel versprochen haben.

››jonas.nayda@dumont.de