Klage gegen Manfred Kübler

Klage gegen Manfred Kübler: Volksbank Halle nimmt früheren Ex-Chef in Regress

Halle (Saale) - Die Volksbank nimmt ihren früheren Vorstandsvorsitzenden in Regress. Warum das Kreditinstitut auch gegen ehemalige Aufsichtsräte vorgeht.

27.06.2017, 07:37

Die Volksbank Halle geht massiv gegen ihren früheren Chef, Manfred Kübler, sowie gegen ehemalige Aufsichtsräte vor. Die Bank klagt von Kübler einen Millionenbetrag ein.

Der langjährige Vorstandsvorsitzende der Bank war vor zwei Jahren entlassen worden. Ihm wird vorgeworfen, Spesen- und Reiseabrechnungen gefälscht zu haben. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt deswegen, Ergebnisse liegen aber offenbar noch nicht vor.

Laut Volksbank habe Kübler wegen eines früheren Gerichtsurteils gar nicht als Bankchef arbeiten dürfen. Und: Er hatte einen Kredit im eigenen Hause genehmigt bekommen, das Geld will die Volksbank jetzt zurück. „Es geht insgesamt um eine siebenstellige Summe“, sagte Vorstandsmitglied Sascha Gläßer.

Die Klage gegen Kübler wird demnächst eingereicht. Der 64-Jährige selbst wiederum war vor wenigen Wochen mit einer Klage gegen die Bank gescheitert: Kübler sieht seine Kündigung als unrechtmäßig an und hatte hohe Nachzahlungen gefordert. Das sah das Landgericht Halle aber anders. Nun hat Kübler Berufung eingelegt, sieht sich also weiter im Recht.

Volksbank Halle will rund sechs Millionen Euro in Um- und Ausbau von Filialen stecken

Auch gegen drei frühere Aufsichtsräte zieht die Bank vor Gericht. Sie sollen im Gesamt-Aufsichtsrat weitreichende Vollmachten besessen haben und Kübler unter anderem Gehalts- und Kreditzusagen gemacht haben. Zudem sollen sie vor knapp zehn Jahren einem Vorstand eine Abfindung gezahlt haben, obwohl das nicht gerechtfertigt gewesen sei.

Mit den Klagewelle hat die Volksbank die interne Aufarbeitung des Skandals um ihren ehemaligen Vorstandschef weitgehend abgeschlossen. Kübler galt über Jahre in Halle als schillernde Persönlichkeit, hatte den Volksbank-Ball ausgerichtet und war öffentlich als Sponsor aufgetreten. Die Vorwürfe gegen ihn hatten das Kreditinstitut über Monate beschäftigt.

Die Affäre um den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Manfred Kübler läuft seit knapp einem Jahr. Der 62-jährige Baden-Württemberger hatte die Bank mehr als 20 Jahre lang geführt.

Auf einer außerordentlichen Vertreterversammlung sollen fünf Aufsichtsräte abgewählt werden. Sie hatten zuvor die Vorwürfe gegen Kübler intern angeprangert. Die Abwahl scheitert.

In einem internen Prüfbericht des Genossenschaftsverbandes werden neue Vorwürfe laut. Der Aufsichtsrat beurlaubt daraufhin die beiden Vorstände Manfred Kübler und Egbert Alter. Letzterer wird kurze Zeit später wieder eingesetzt.

Manfred Kübler wird auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung fristlos gekündigt.

Lucas Flöther wird neuer Aufsichtsratsvorsitzender.

Spürbare finanzielle Auswirkungen oder ein nennenswerter Image-Verlust habe es aber nicht gegeben, so Vorstand Jan Röder, der gemeinsam mit Gläßer die Führung der Bank übernommen hatte. Beide waren zuvor Chefs der Zeitzer Volksbank gewesen, die mit Halle fusioniert war. Seitdem war die Bank intern umstrukturiert worden, auch der Aufsichtsrat wurde mittlerweile vollständig ausgetauscht.

Im letzten Jahr konnte die Volksbank ihre Bilanzsumme um sieben Prozent auf fast 400 Millionen Euro steigern - ein Höchstwert. In den kommenden anderthalb Jahren sollen rund sechs Millionen Euro in den Um- und Ausbau von Filialen gesteckt werden, unter anderem in Löbejün und Landsberg. Für Halle soll es bis Ende des Jahres ein spezielles Filial-Konzept geben. In Sachsen-Anhalts größter Stadt liegt der Marktanteil der so genannten Genossenschaftsbank bei etwa fünf Prozent.

Auch Volksbank will und muss Kreditgeschäft weiter ausbauen

Allerdings hat die Bank auch Niederlassungen in ihrem Gebiet geschlossen, das Halle, Teile des Saalekreises, des Burgenlandkreises sowie des Mansfelder Landes umfasst. Derzeit gibt es 25 Filialen. Weiteren Schließungen seien möglich, so Gläßer.

Um vor allem ältere Kunden bei der Stange zu halten, bietet die Volksbank seit Mai Bargeldlieferungen an. Bis 500 Euro kann man telefonisch bestellen, das Geld wird vom Postboten in einem Umschlag direkt an den Empfänger zugestellt. Laut Volksbank gibt es ein derartiges Angebot in der Region bislang nicht.

Negativzinsen auf hohe Bankeinlagen, wie sie andere Kreditinstitute bereits eingeführt haben, soll es derzeit nicht geben. Allerdings schließe man einen solchen Schritt auch nicht aus, so Jan Röder. Viele Banken in Deutschland kämpfen seit Monaten mit den niedrigen Zinsen. Geld verdienen lässt sich oftmals nur noch mit dem Kreditgeschäft, das auch die Volksbank weiter ausbauen möchte.

Mit einem Teil ihres Gewinns fördert die hallesche Volksbank Vereine, ehrenamtliche Projekte oder die Kultur. Mit mehr als 360.000 Euro unterstütze man das Gemeinwohl. (mz)