Kinder der Sehnsucht sind heimgekehrt

Halle/MZ. - Nun sind sie heimgekehrt, die beiden Kinder der Sehnsucht, über deren Verhältnis sich bei der Eröffnung der Beberniß-Ausstellung im Uni-Museum so trefflich spekulieren ließ. Kostprobe: Er, der Bronze-Student, ist eine Art Romeo in Agitatorenpose (Entstehungsjahr 1987), der lehrerhaft gestikulierend vor ihr das Rad schlägt. Sie, die Bronze-Studentin, blickt ihn mit klugen Augen ziemlich skeptisch an. Offenbar hält sie ihn für naiv, weil er wohl noch glaubt und emsig nachplappert, was man ihm allenthalben weismacht. Doch Vater Beberniß hat seinen Bronze-Jüngling auch zu einem schönen Mann gemacht und die ernst blickende Kunst-Grazie ist auch eine echte, sinnenfrohe Hallenserin, wie Curt Goetz sie beschrieben hat. Kurzum: Die Sommernacht ist lau und so wird das Studentenpaar wohl schnell zu Mann und ...

Von Detlef Färber 01.06.2007, 18:29

Nun sind sie heimgekehrt, die beiden Kinder der Sehnsucht, über deren Verhältnis sich bei der Eröffnung der Beberniß-Ausstellung im Uni-Museum so trefflich spekulieren ließ. Kostprobe: Er, der Bronze-Student, ist eine Art Romeo in Agitatorenpose (Entstehungsjahr 1987), der lehrerhaft gestikulierend vor ihr das Rad schlägt. Sie, die Bronze-Studentin, blickt ihn mit klugen Augen ziemlich skeptisch an. Offenbar hält sie ihn für naiv, weil er wohl noch glaubt und emsig nachplappert, was man ihm allenthalben weismacht. Doch Vater Beberniß hat seinen Bronze-Jüngling auch zu einem schönen Mann gemacht und die ernst blickende Kunst-Grazie ist auch eine echte, sinnenfrohe Hallenserin, wie Curt Goetz sie beschrieben hat. Kurzum: Die Sommernacht ist lau und so wird das Studentenpaar wohl schnell zu Mann und Frau.

Was aber mag dann aus beiden geworden sein in den besagten zwei Jahrzehnten. Sie - so ahnt, wer in ihren wunderbar klaren Gesichtszügen liest - dürfte nach der Wende und nach einer bitteren Scheidung in den Westen gegangen sein, wo sie trotz Kind und fehlendem Krippenplatz ein bisschen Karriere machen konnte, während er irgendwo im Osten bei drei Umschulungen reifen musste . Oder war alles doch ganz anders?

Wie auch immer, nun ist das Studentische Paar wieder vereint an seiner Heimat-Uni. Ein dauerhafter Platz für das Kunstwerk wird gerade gesucht. Zur Diskussion stehen soll - wie man hört - der Eingangsbereich vor der Landesbibliothek, wo das Bronze-Paar vorbeieilende Studenten gleichermaßen an die zeitlosen Lüste und Leidenschaften des Lernens und des Liebens erinnern könnte. Wäre das nicht ein toller Job für die beiden?

Auch für den inzwischen 87-jährigen Beberniß war die Vernissage eine Art Heimkehr. Denn während er außerhalb Halles weiterhin geschätzt wird und unvermindert gefragt ist, hatte er seit der Wende bislang keine einzige Einzelausstellung in seiner Vaterstadt - dafür aber nichts als Verdruss wegen einer seiner wenigen abstrakten Arbeiten, der "Fäuste" am ehemaligen Thälmann-Platz, die schließlich abgerissen wurden.

Doch was man in der Ausstellung sehen kann, ist - wie Kunsthistoriker Hans-Georg Sehrt sagt - "der eigentliche Heinz Beberniß": klassisch, realistisch, hintergründig - kurz: Plastik mit Witz und Aura.

Ausstellung dienstags bis freitags, 11-18 Uhr, sonntags, 14-18 Uhr. Der Eintritt ist frei.