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Kampf um Kaserne Trotha

Kampf um Kaserne Trotha : Eigentümer verschickt Unterlassungserklärungen

Halle (Saale) - Die Diskussionen um den Ausbau eskalieren: Weil Gerüchte verbreitet würden, hat der Eigentümer Unterlassungserklärungen verschickt.

Von Maximilian Mühlens 16.08.2018, 04:00

Ein großer Lageplan der Kaserne in Halle-Trotha hängt an der Bürowand von Sven Köcke, Sprecher der Unternehmensgruppe und Handlungsbevollmächtigter beim Logistikunternehmen Finsterwalder. Die Industriepark Halle Trotha GmbH, vertreten durch den Vorhabenträger Finsterwalder, will die Kaserne zu einem Gewerbegebiet ausbauen.

Köcke kümmert sich dabei um die Planungen, trifft aber auf großen Widerstand aus dem Saalekreisort Sennewitz (Gemeinde Petersberg). Große Teile der Kaserne liegen im Gebiet des Ortes. Dort befürchtet man den Zuzug von Flüchtlingen und eine Zerstörung der Landschaft. „Es werden keine Flüchtlinge angesiedelt“, versichert Köcke im MZ-Gespräch. Das Innenministerium habe derzeit keinerlei Absichten dazu - was Köcke auch schriftlich bestätigt wurde.

Kaserne Halle-Trotha: „Es ist sehr viel Aufklärungsarbeit in Sennewitz nötig“

„Es ist sehr viel Aufklärungsarbeit in Sennewitz nötig“, sagt Sven Köcke. Im Ort würden sehr viele „Unwahrheiten“ verbreitet. Dabei nennt er vor allem Bernd Godziszewski, CDU-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat von Petersberg. Godziszweski wohnt in direkter Nachbarschaft zur Kaserne. Gegenüber der MZ erklärte der Lokalpolitiker, dass es ihm vor allem um das Gemeinwohl gehe. „Es ist schon faszinierend, wie man sein ganzes Dorf falsch informieren kann“, beschwert sich Köcke.

Er zweifelt auch die Unterschriftenaktion an. Seinen Angaben zufolge wurden die Anwohner gefragt, ob sie gegen Flüchtlinge im Ort seien, daraufhin hätten sehr viele unterschrieben (mehr als 71,5 Prozent der Wahlberechtigten in Sennewitz). „Es wurde bewusst Stimmung gemacht“, vermutet Sven Köcke. Daher hat eine Anwaltskanzlei im Auftrag des Industrieparks Halle Trotha Unterlassungserklärungen an Bernd Godziszewski und dessen Sohn Jan verschickt.

Gemeinderatsmitglied: „Einen solchen Maulkorb zu bekommen, ist schon verrückt“

Letzterer ist Mitglied im Ortschaftsrat. Nach MZ-Informationen haben auch der CDU-Landtagsabgeordnete und Gemeinderatsmitglied Frank Bommersbach und Axel Schröder, Gründer einer Bürgerinitiative gegen den Kasernen-Ausbau und Initiator der Unterschriftensammlung, einen entsprechenden Brief erhalten.

Bernd Godziszewski weist die Vorwürfe entschieden zurück. Er habe weder Unterschriften gesammelt, noch Unwahrheiten behauptet. „Einen solchen Maulkorb zu bekommen, ist schon verrückt“, so das Gemeinderatsmitglied. Er wolle sich in der Angelegenheit „neutral“ verhalten. Derweil versuchte der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Petersberg, Hans-Joachim Meier, die Wogen zu glätten.

Initiativengründer erhielt auch eine Unterlassungserklärung

„Bei einem Treffen, unter anderem mit Herrn Köcke, habe ich das Schreiben der Bürgerinitiative - adressiert an Bürgermeister Ulrich Leipnitz - zur Unterschriftenaktion gezeigt“, erklärt Meier. Der Kontakt sollte „für den Dialog, nicht aber für Konfrontation“ genutzt werden. Allerdings erhielt der Initiativengründer daraufhin auch eine Unterlassungserklärung.

„Das ist entgegen der Absprache geschehen“, sagt Hans-Joachim Meier. Daher habe er auch die Bürgerversammlung, die letzten Donnerstag stattfinden sollte, kurzfristig abgesagt. „Die hätte die Stimmung nur weiterhin aufgeheizt“, so Meier.

Kaserne Trotha: Derzeit kann noch nicht gesagt werden, wer auf das Areal zieht

Dabei sei für Köcke die Versammlung sehr wichtig gewesen. „Wir wollten die Anwohner über unser Projekt umfassend informieren und unter anderem erklären, was genau ein Bebauungsplan ist“, erklärt Köcke. Er wollte auch über die Schwierigkeiten des Geländes aufklären, da dieses sowohl in Halle als auch im Saalekreis liegt. Geplant sei, dass Gewerbe angesiedelt wird.

Derzeit könne noch nicht gesagt werden, wer auf das Areal ziehe. „Erst muss es Interessenten geben und die müssen ihre Wünsche äußern. Erst dann bauen wir die Gebäude“, so Köcke. Nicht zu vergessen seien die hohen Gewerbeeinnahmen für die Gemeinde durch das Projekt. Der Ortschaftsrat von Sennewitz hat am Montag indes gegen die Pläne gestimmt, der Gemeinderat stimmt am Mittwoch ab. (mz)