Jungautor Dirk Fehse

Jungautor Dirk Fehse aus Halle: Der Schalk, der promoviert

Josephine Klüver - Am Nachbartisch sitzen drei Frauen mit großen Sonnenbrillen und lassen sich über Beziehungsprobleme aus. Dirk Fehse hat den Kopf leicht schräg gelegt und rührt mit verschmitztem Lächeln seinen Milchkaffee um. Seine Aufmerksamkeit wandert immer wieder zu dem Frauengespräch wenige Meter neben ihm. „Genau das ist der Grund, warum ich schreibe“, sagt er schmunzelnd und nickt in Richtung der Frauen, „um wegen des Alltagsgeschehens nicht verrückt zu ...

Am Nachbartisch sitzen drei Frauen mit großen Sonnenbrillen und lassen sich über Beziehungsprobleme aus. Dirk Fehse hat den Kopf leicht schräg gelegt und rührt mit verschmitztem Lächeln seinen Milchkaffee um. Seine Aufmerksamkeit wandert immer wieder zu dem Frauengespräch wenige Meter neben ihm. „Genau das ist der Grund, warum ich schreibe“, sagt er schmunzelnd und nickt in Richtung der Frauen, „um wegen des Alltagsgeschehens nicht verrückt zu werden.“

Der 34-Jährige gibt an, „eigentlich schon immer“ dem Schreiben verfallen zu sein. Doch seit 2013 intensivierte sich seine Liebe zur Literatur: „Ab da konnte ich geschriebene Texte später erneut ansehen, ohne mich extrem dafür zu schämen.“ In einem Gespräch hat Dirk Fehse immer einen lockeren Spruch auf der Lippe, alles, was er sagt, enthält eine angenehme Portion Selbstironie. „Einem Menschen mit Humor kommt das Leben komisch vor.“, zitiert er Peter Hacks.

In Chemie promovieren und nebenbei die Welt entdecken

Einen komischen, geradezu verwunderlichen Kontrast zu dem Schreiberdasein bildet seine Promotion im Fach Chemie. Etwas verlegen berichtet er von seinem ursprünglichen Wunsch, Psychologie zu studieren. Seit 2001 wohnt Fehse in der Saalestadt. Mit Salzwedel, seiner eigentlich Heimatstadt, hat er heute nicht mehr viel am Hut. „Als ich die Welt außerhalb von Omas Garten entdeckte, wollte ich nur noch weg“, gesteht er mit einem putzigen Sarkasmus in der Stimme.

Statt sich Abenteuer auszudenken, sind es die alltäglichen Momente, die ihn faszinieren und seine Fantasie anregen. In Kurzgeschichten und Gedichten (siehe Lesebeispiel) versucht Fehse zwischenmenschliche Nuancen abzubilden. Inspiration liefern ihm nicht nur aufgeschnappte Gesprächsfetzen, sondern auch nahe Verwandte müssen für seine Texte herhalten. Da sind zum Beispiel seine „beratungsresistenten Eltern“, die seinen Rat zum Tomatenanbau ignorieren, die kolumbianische Mitbewohnerin mit einem offenherzigen Beziehungsleben oder seine Oma und deren „Rentnersmalltalk“.

Auch ernste Töne im Repertoire

Mit der Autorin Katrin Rux tritt er seit 2014 mit Namen „Die unbekannten Poeten“ bei verschiedenen Veranstaltungen auf. Gemeinsam stellen sie sich literarischen Herausforderungen - „eine gemeinschaftliche Projektarbeit“ fasst Fehse die Kooperation zusammen. Zuletzt lasen sie mit Fabian Steidl als Gastautor eine Woche lang Gutenachtgeschichten am Herr-Fleischer-Kiosk. Dort las Fehse auch ernstere Geschichten, denn auch die gehören zu seinem Repertoire. (mz)

Weitere Informationen unter: www.die-unbekannten-poeten.de