Jagd nach Sündern

Jagd nach Sündern: Raser und Falschparker haben Halle Millioneneinnahmen beschert

Halle (Saale) - Raser und Falschparker haben der Stadt Halle im vergangenen Jahr wieder Millioneneinnahmen beschert. Ein zentrales Problem bleibt jedoch ungelöst.

Von Dirk Skrzypczak 07.04.2019, 06:00

Die Verkehrsüberwachung in Halle dient nicht nur der Ordnung und Sicherheit. Sie ist für die Stadt auch eine wichtige Einnahmequelle. 2,1 Millionen Euro kassierte die Stadt im vergangenen Jahr von Parksündern. Die acht Blitzer - davon stehen sieben an festen Standorten, einer ist mobil - spülten 2018 zudem 1,035 Millionen Euro auf das städtische Konto.

Kein Wunder, dass die Stadt daran interessiert ist, dass die Überwachungstechnik funktioniert. Demnächst soll ein neuer mobiler Blitzer seinen betagten Vorgänger ersetzen, der nach zwölf Jahren nun in den Ruhestand geschickt wird. 243.400 Euro kostet sein moderner Nachfolger.

Stadt Halle: „Wir denken über mobile Anlagen für die Kreuzungen nach“

Das Messgerät kann eine Menge, quasi durch alle Seitenscheiben des Basisfahrzeugs blitzen, nur eins kann es nicht: Rotlichtverstöße an Ampeln feststellen. „Wir denken über mobile Anlagen für die Kreuzungen nach und werden den Kauf der Technik in der mittelfristigen Finanzplanung berücksichtigen“, hatte Tobias Teschner, Leiter im Fachbereich Sicherheit, im März 2017 gegenüber der MZ erklärt.

Zwei Jahre später ist Teschner noch immer auf der Suche nach einer passenden Lösung. Mobile Systeme gebe es noch nicht auf dem Markt. Wenn, dann müsste die Stadt auf feste Ampelblitzer zurückgreifen, so wie es sie in der Merseburger Straße an der Kreuzung Raffineriestraße gab. Allerdings sind die „Starenkästen“ seit Jahren abgeschaltet. Und der Kauf von weiteren stationären Anlagen sei derzeit nicht vorgesehen, heißt es aus dem Ratshof.

Unfallexperte: „Die Rotlichtverstöße durch Fahrzeuge sind gefühlt in den vergangenen Jahren angestiegen“

„Die Rotlichtverstöße durch Fahrzeuge sind gefühlt in den vergangenen Jahren angestiegen“, sagt Thoralf Bade, Unfallexperte im Polizeirevier in Halle. Dass zahlreiche Verkehrsteilnehmer an Kreuzungen rote Ampeln ignorieren und kaum noch einer bei Gelb hält, ist der Polizei nicht verborgen geblieben. „Dennoch bewegen sich die Unfallzahlen rückläufig gegen diesen Trend“, sagt Bade. Waren 2015 noch 99 Karambolagen an Kreuzungen in Halle auf Rotlichtverstöße zurückzuführen, sind es im vergangenen Jahr 65 Unfälle gewesen.

Schwerpunkte waren in der Vergangenheit der Bereich Riebeckplatz/Franckestraße oder der Knoten An der Magistrale/Hallorenstraße. Dort, wo Kreuzungen gut einsehbar sind, sinke bei Autofahrern die Hemmschwelle, doch noch bei Rot über die Ampel zu brettern. Stationäre Blitzer schaffen natürlich Abhilfe. Effektiver sei aber eine mobile Überwachung, findet auch Bade.

Verkehrsunfälle in Halle: Schwerpunkt Europachaussee

Die Polizei unterstützt die Stadt vor allem auf der Jagd nach Rasern. Von den 7.409 Verkehrsunfällen im vergangenen Jahr waren 221 auf eine zu hohe Geschwindigkeit zurückzuführen. Die Europachaussee war 2018 in dieser Statistik übrigens der Spitzenreiter. „In vielen Fällen spielte dabei die nasse Fahrbahn in den Kurvenbereichen eine Rolle, ebenso in den Abfahrten zur Leipziger Chaussee und der Irmscher-Straße“, sagt Bade. Das Revier habe daher seine Kontrollen in diesen Bereichen verstärkt. Mit Erfolg, wie Bade berichtet. An der Abfahrt zur B6 seien die Unfallzahlen deutlich gesunken.

„Gut ausgebaute Straßen verführen Autofahrer dazu, aufs Gas zu treten“, sagt der Verkehrsexperte. Auf der Europachaussee gilt zumeist Tempo 70. Seit Dezember 2018 und der Freigabe des letzten Teilstücks von Büschdorf bis zur B100 habe der Verkehr auf der Osttangente spürbar zugenommen. Zu einer Häufung von Unfällen, die auf ein zu hohes Tempo zurückzuführen sind, kam es im vergangenen Jahr zudem in der Delitzscher Straße (zwölf Karambolagen) sowie auf der Magistrale und in der Merseburger Straße (je acht). (mz)