Investor wird verprellt

Investor wird verprellt: Warum er nun die Entwicklung des Schlachthofs in Frage stellt?

Halle (Saale) - Die Stadträte stellen sich gegen den Umzug von Kik in Ammendorf. Der Grundstückseigentümer stellt nun auch die Entwicklung des Schlachthofs in Frage.

Von Tanja Goldbecher 19.10.2019, 05:00

Sollte sich der Stadtrat gegen den Umzug des Textildiscounters Kik in Ammendorf entscheiden, könnte das Konsequenzen nach sich ziehen. Dem Thüringer Investor Karl-Heinz Zehentner gehört nicht nur das Grundstück in der Merseburger Straße, wo sich Kik künftig ansiedeln will. Er ist auch der Eigentümer des alten Schlachthofs in der Freiimfelder Straße. Eigentlich sollten die Ausbaupläne für das Areal im kommenden Jahr konkretisiert werden. Doch nun wackelt das Projekt.

„Wenn der Stadtrat solche unsachlichen Entscheidungen wie beim geplanten Kik-Umzug fällt, frage ich mich, ob sich noch weitere Investition in Halle lohnen“, sagt Zehentner. Kik will auf die andere Seite der Merseburger Straße ziehen und sich damit vergrößern. Der Planungsausschuss hat sich gegen den Standortwechsel ausgesprochen. Mehrere Fraktionen befürchten, dass dem Innenstadthandel dadurch Kaufkraft weggenommen wird. Eine endgültige Entscheidung fällt der Stadtrat allerdings erst in der nächsten Sitzung Ende Oktober.

„Wiederansiedlung eines neuen Textilmarktes unwahrscheinlich“

„Die Stadträte erkennen die Fakten einfach nicht an“, sagt Zehentner. Im Ausschuss hat er ein Gutachten vorgelegt, das belegt, dass durch den Umzug keine Gefahr für die Innenstadthändler entsteht. Für die beiden kleinen Textilläden in Ammendorf wurden Umsatzsatzverluste von weniger als zehn Prozent berechnet. Linke, Grüne und SPD argumentieren jedoch, dass sich auf dem aktuellen Kik-Standort nach dem Umzug ein weiterer Textilanbieter ansiedeln und der Innenstadt Konkurrenz machen könnte.

Das Gutachten widerspricht dieser Befürchtung: „Auf Grund der Geschäftsgröße des Kik-Bestandsmarktes ist eine Wiederansiedlung eines neuen Textilmarktes unwahrscheinlich“, heißt es in der Analyse. Außerdem habe Aldi sein Interesse bekundet, sich auf der Fläche zu erweitern. „Somit wäre bei dieser Fallkonstellation mit einer deutlichen Aufwertung dieses zentralen Versorgungsbereiches zu rechnen“, lautet das Fazit des Gutachters.

„Für uns wird in dem Gutachten mit zu vielen Wahrscheinlichkeiten argumentiert“

Die Analyse überzeugt jedoch nicht alle Stadträte. „Für uns wird in dem Gutachten mit zu vielen Wahrscheinlichkeiten argumentiert. Wir wollen unsere Entscheidung an Fakten festmachen“, sagt FDP-Stadtrat Torsten Schaper. Ihm liege kein Schreiben von Aldi vor, das deren Absicht untermauere.

„Die Aussage, dass sich in dem Gebiet wahrscheinlich kein weiterer Textilmarkt niederlassen wird, reicht nicht aus“, fügt er hinzu. Seine Fraktion habe Gespräche mit der City-Gemeinschaft geführt, die sich für die Interessen der Innenstadthändler einsetzt. Der Vorsitzende habe große Bedenken gegenüber einer Kik-Vergrößerung geäußert.

„Der neue Globus-Markt ist eine Ausnahme“

Diese Position verärgert Investoren wie Zehentner. Schließlich hat der Stadtrat auch zugestimmt, dass sich ein neuer Globus-Markt in der Dieselstraße ansiedelt – dafür wurde sogar das Einzelhandels- und Zentrenkonzept geändert. Einen neuen Rewe-Markt in Heide-Süd lehnten die Stadträte wiederum ab. „Der neue Globus-Markt ist eine Ausnahme“, sagt Stadträtin Anja Krimmling-Schoeffler (Linke). Das Warenhaus sei eine Bereicherung für Halle und werte ein verfallenes Grundstück auf.

Gegen Rewe in Heide-Süd spreche nach wie vor, dass es am Hubertusplatz bereits ein Nahversorgungszentrum mit einem Supermarkt gibt. „Wenn wir immer wieder Ausnahmen genehmigen, brauchen wir das Einzelhandelskonzept irgendwann nicht mehr“, sagt Krimmling-Schoeffler. Dann laufe das Stadtzentrum aber auch Gefahr, auszubluten. (mz)