„Wir haben sehr viele Menschen geimpft“

Impfzentrum in Halle macht dicht - Was bedeutet das?

Ab Ende September können Bürger sich nicht mehr in der Turnhalle in der Heinrich-Pera-Straße impfen lassen. Was das für das Impfgeschehen in Halle bedeutet.

Von Denny Kleindienst
Der Pfeil verschwindet, das Impfzentrum in Halle schließt seine Türen. Doch abgebaut wird es noch nicht.
Der Pfeil verschwindet, das Impfzentrum in Halle schließt seine Türen. Doch abgebaut wird es noch nicht. (Foto: Silvio Kison )

Halle (Saale)/MZ - Insgesamt 14 Impfzentren gibt es in Sachsen-Anhalt, in jedem der elf Landkreise und in jeder der drei kreisfreien Städte eins. Die Kosten teilen sich Bund und Land. Ab Oktober wird es sie nicht mehr geben.

„Die Schließung der Impfzentren war von Beginn an zum 30. September vorgesehen“, teilt das Sozialministerium in Magdeburg mit. Damit würden „Strukturen verschlankt“, heißt es weiter. Corona-Schutzimpfungen sollen von da an über die niedergelassenen Ärzte vorgenommen werden, als Ergänzung sind weiterhin mobile Teams im Einsatz. Die Schließung der Impfzentren fällt nun in eine Zeit, in der die Impfkampagne lahmt. Ungeimpfte sollen überzeugt werden, zugleich wird das Impfangebot eingeschränkt.

Die Stadt Halle teilt indes die Argumentation der Landesregierung, angesichts der gesunkenen Nachfrage die Impfzentren nicht über den September hinaus zu betreiben. Trotzdem soll die Turnhalle in der Heinrich-Pera-Straße nicht gleich wieder geräumt werden. „Die Stadt wird die Infrastruktur des Impfzentrums bis mindestens 31. Dezember 2021 aufrechterhalten“, heißt es aus dem Ratshof. So soll sichergestellt werden, dass das Impfzentrum sofort wieder den Betrieb aufnehmen kann, falls die Pandemiesituation es erfordert. Die Stadt verweist ebenfalls auf weiterhin bestehende mobile Impfangebote und die Hausarztpraxen.

„Dass der Aufwand sich erhöht, glaube ich nicht.“

Seit Anfang Januar können sich Einwohner im halleschen Impfzentrum gegen das Coronavirus impfen lassen. Waren Termine anfangs nur mit Glück zu bekommen, braucht es inzwischen gar keine mehr. Vier Monate später, Anfang April, haben auch die Hausärzte mit dem Impfen begonnen. In Halle wurden bisher laut Angaben der Stadt insgesamt 305.157 Impfungen gegen das Coronavirus durchgeführt. Davon entfallen 184.704 auf das städtische Impfzentrum, seine Zweigstellen sowie die mobilen Teams und 120.453 auf die Arztpraxen. Nach wie vor gilt: An manchen Tagen wird in den Praxen mehr geimpft, an anderen in den städtischen Zentren. Was auch auffällt: Die Arztpraxen in Halle haben mehr Zweitimpfungen (62.287) als Erstimpfungen (58.166) durchgeführt.

Marco Höckendorf hält es durchaus für möglich, dass in seiner Paulus-Apotheke die Bestellungen wieder zunehmen. Er beliefert mehrere Hausärzte in Halle mit Impfstoff für die Corona-Impfungen. Anders als noch im Frühjahr kann er inzwischen die bestellten Mengen liefern. Sollten die Ärzte nun wieder mehr brauchen, mache das für ihn keinen großen Unterschied. „Dass der Aufwand sich erhöht, glaube ich nicht.“ Mit Blick auf die bei ihm bestellten Impfstoffmengen der vergangenen Wochen sagt der Apotheker: „Die Nachfrage schwankt.“

„Wir haben sehr viele Menschen geimpft“

Dem halleschen Allgemeinmediziner Rasmus M. Sennewald bereitet die Schließung des Impfzentrums keine Sorgen. Er sagt: „Alle, die wirklich eine Impfung wollten, sind geimpft.“ Sennewalds Praxis war von Anfang an dabei. „Wir haben sehr viele Menschen geimpft“, sagt er. Mittlerweile bestehe die Herausforderung darin, die sechs Leute zusammenzubekommen, die mit einer Ampulle Impfstoff geimpft werden können. Die Nachfrage sei „massiv eingebrochen“ und in seiner Praxis würden „nur noch sehr wenige Erstimpfungen“ durchgeführt. Dafür gehe es laut Sennewald nun mit den Auffrischungsimpfungen los. „Das läuft schon an.“ Die 80-Jährigen, die bereits im Februar durchgeimpft waren, seien jetzt dran. Zudem würden nun auch die Grippeschutzimpfungen starten. Zwischen Corona- und Grippeimpfung müsse aber ein Abstand von zwei Wochen liegen. „Ein großer Planungsaufwand“ sei das. Der Arzt ist aber zuversichtlich: „Wir werden das hinkriegen.“

Auch die Allgemeinmedizinerin Haik-Silke Zeisler sagt zu den Corona-Impfungen in ihrer Praxis: „Im Moment ist das sicherlich händelbar.“