Immobilienboom

Immobilienboom in Halle (Saale): Makler und Investoren lieben die Stadt

Halle (Saale) - Interessenten stehen Schlange bei Altbauten und Neubauten. Aber ist das alles nur eine Blase?

Von Silvia Zöller 09.11.2017, 13:00

Sieht Halle bald wie Chicago aus? Wird die Saalestadt in zehn oder 20 Jahren eine City, deren Silhouette am Riebeckplatz von Wolkenkratzern geprägt ist? Momentan rennen Investoren der Stadt die Türen ein, Immobilienmakler haben alle Hände voll zu tun, war am Dienstag beim  Halleschen Immobiliengespräch im Dorint-Hotel zu erfahren. Über 100 Branchen-Experten aus der Region kamen zusammen.

Kommen Wolkenkratzer an den Riebeckplatz in Halle (Saale)?

„Es gehen uns die Flächen aus, wir haben mehr Nachfrage als Angebot“, sagte auch Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) in seinem Eingangsvortrag. In der neuen „Schwarmstadt“, wie er aus einem Spiegel-Artikel über Halle zitierte, müssen daher weitere Flächen entwickelt werden - neben den 36.000 Quadratmetern, die noch am Riebeckplatz auf eine Bebauung warten. In einer Animation waren sie dann zu sehen: die Skyscapers, die vielleicht in einigen Jahren das Eingangstor der Stadt neben dem Bahnhof bestimmen könnten.

Immobilienboom in Halle (Saale): Große Nachfrage in der Innenstadt, Kröllwitz und Gesundbrunnenviertel

Erfreuliches aus Branche konnte auch Ralf Oberänder, Geschäftsführer der Engels und Völker Immobilien, vermelden: die Innenstadt mit der Altstadt, Kröllwitz bis hin zum Gesundbrunnenviertel boomen. „Wenn wir hier ein Haus anbieten, gibt es zehn bis zwanzig Interessenten.“ Sich das Ganze bis nächste Woche zu überlegen, laufe im Moment nicht - dann ist der Verkauf mit einem schnellentschlossenen Käufer längst über die Bühne gegangen.

In Zeiten, wo der Immobilienmarkt in Leipzig, Dresden oder Chemnitz leer gefegt ist, sei nun auch die Platte in Neustadt oder der Silberhöhe für Investoren aus ganz Deutschland interessant: „Mit deutlich höheren Preisen als vor Jahren“, so Oberänder.

Immobilenboom in Halle (Saale): Was macht die Stadt für Investoren so interessant?

Halle sei deswegen so interessant, weil hier die Preise nicht die Sprünge in die Höhe machen wie etwa in Leipzig. Gerade deswegen steigen die Umsatzzahlen - aber auch die Immobilienpreise, was vor allem die Verkäufer freut.

Was Halle von den Erfahrungen aus Leipzig lernen kann, verriet Jörg Zochert, der mit seiner Leipziger Immobilienentwicklungsfirma KSW demnächst auch in der Saalestadt aktiv wird. „Lassen sie der Alternativszene Möglichkeiten zur Eigentumsbildung. Wer in einem Baumarkt steht, wirft keine Molotow-Cocktails“, mahnte er.

Etwa über langfristige Pachtverträge - sowie es Zochert selbst auch schon in Leipzig praktiziert hat mit einem Gebäude, das erst in einigen Jahren saniert werden sollte. Für relativ wahrscheinlich hält er die Utopie, dass künftig in Halle mangels Baugrundstücken in die Höhe gebaut wird: „Halle muss grün bleiben.“

Immobilienboom in Halle (Saale): Wie lange können die „fetten“ Jahre noch andauern?

Wie Öl muss es OB Wiegand herunter gelaufen sein, was Investor Peter Pfeffer (MCM Immobilienkonzepte Magdeburg) betonte: „Die Ämter in Halle haben uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden, Investoren werden tatsächlich wie versprochen bevorzugt behandelt.“ Pfeffer wird mit seinem Unternehmen die ehemalige Freyberg-Brauerei als Wohnhaus umbauen - sobald eine Baugenehmigung vorliegt.

Aber auch wenn die Stadt sich intensiv auch mit dem Ausbau von Kitas und Schulen darum bemüht, dass der Zuzug nach Halle weiter anhält und günstiger Wohnraum durch die städtischen Wohnungsgesellschaften gewährleistet ist - wird das Ganze nicht in einer Immobilienblase enden, fragte der Moderator des Abends, Michael Schädlich vom Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung (isw).

Jörg Zochert sagt klar nein: „Wir sind nicht in München oder Tokio, sondern in einer Mittelstadt. Wenn die Zinsen steigen, werden auch die Immobilienpreis wieder fallen.“ Nach seinen Schätzungen könnten die fetten Jahre am Immobilienmarkt in Halle noch drei bis fünf Jahre anhalten. (mz)