„Ich war mein eigener Kapitän“

„Ich war mein eigener Kapitän“: Ex-Tramfahrerin aus Halle spendet Geld an Kinderhospiz

Halle (Saale) - „Ich bin Straßenbahnfahrerin mit Leib und Seele.“ Diesen Satz hat die damals 38-jährige Gabriele Kornmeier im Februar 1986 zu einer Reporterin aus Halle gesagt. Dort wurde sie von der „Freiheit“, aus der nach der Wende die MZ hervorging, anlässlich ihres 20-jährigen Dienstjubiläums als Straßenbahnfahrerin bei den halleschen Verkehrsbetrieben vorgestellt. Heute ist Gabriele Kornmeier 72 Jahre alt, wohnt inzwischen in Freiburg im Breisgau und fühlt sich immer noch mit ihrer Heimatstadt Halle eng verbunden. Jetzt möchte sie etwas zurückgeben und spendet 1.500 Euro an das Ambulante Kinder- und ...

Von Franz Ruch

„Ich bin Straßenbahnfahrerin mit Leib und Seele.“ Diesen Satz hat die damals 38-jährige Gabriele Kornmeier im Februar 1986 zu einer Reporterin aus Halle gesagt. Dort wurde sie von der „Freiheit“, aus der nach der Wende die MZ hervorging, anlässlich ihres 20-jährigen Dienstjubiläums als Straßenbahnfahrerin bei den halleschen Verkehrsbetrieben vorgestellt. Heute ist Gabriele Kornmeier 72 Jahre alt, wohnt inzwischen in Freiburg im Breisgau und fühlt sich immer noch mit ihrer Heimatstadt Halle eng verbunden. Jetzt möchte sie etwas zurückgeben und spendet 1.500 Euro an das Ambulante Kinder- und Jugendhospiz.

Winter waren besonders anstrengend für Tramfahrerin aus Halle

Wenn sie ihre Arbeit ordentlich gemacht hat, sei sie frei gewesen. Niemand habe ihr gesagt, was sie tun oder lassen soll. „Da war ich selbstständig. Ich war mein eigener Kapitän“, sagt Gabriele Kornmeier auf die Frage, was ihr an der Zeit hinter den Pulten der halleschen Straßenbahnen am besten gefallen hat. Dabei sei sie zu ihrer Anfangszeit noch schüchtern gewesen. Wenn sich jemand von den Fahrgästen beschwert hat, weil sich die Tram verspätet, habe sie angefangen zu weinen. „Meine Kollegen haben mir dann gesagt, das ich ein dickes Fell brauche.“

Das „dicke Fell“ hat sich Gabriele Kornmeier mit der Zeit zugelegt. Auch in anderer Hinsicht wäre ein Fell gut gewesen, denn es seien vor allem die kälteren Monate gewesen, die besonders anstrengend waren. „Am wenigsten gefallen hat mir jeder Winter“, sagt sie. In den alten Trambahnen habe es noch keine Heizung gegeben, weswegen die junge Fahrerin improvisieren musste: „Ich hatte drei Hosen an: Eine Unterhose vom Vater, eine Strumpfhose und darüber noch eine Weghose“, erzählt sie.

„Wenn Christine und ich Reserve hatten, haben wir Chaos verbreitet“

Dazu gab es einen Mantel mit Fellweste, Gummistiefel und Kopftuch. „Ich sah super aus. Wenn ich umgefallen wäre, hätte ich einen Kran gebraucht.“ Später habe es dann Fußheizungen gegeben, erzählt Gabriele Kornmeier. Die hätten zuweilen aber auch ihr Ziel verfehlt: „Die waren so heftig, dass Ihnen die Schuhsohlen weggeschmolzen sind und oben, ist nichts angekommen.“

Neben den harten Wintern sei es vor allem der Schichtdienst gewesen, der der Mutter von zwei Kindern zwar nicht viel Zeit für Freizeit ließ, aber auch die schönsten Stunden bescherte. Denn in dieser Zeit lernte sie ihre Kollegin und immer noch beste Freundin, Christin Enterlein, kennen. In der Kaffeestube des Betriebs hätten beide die Kollegen auf Trab gehalten: „Wenn Christine und ich Reserve hatten, haben wir Chaos verbreitet“, sagt Gabriele Kornmeier und lacht. Beide hätten solange Schabernack getrieben, bis eine von beiden wieder zurück auf die Strecke musste.

Heimatverbundenheit: Ehemalige Tramfahrerin spendet an Kinderhospiz in Halle

Ihre beste Freundin war es auch, die Gabriele Kornmeier auf die Idee brachte, Geld für ein Projekt in der Saalestadt zu spenden. Das erste Mal habe sie vom Hospiz im Regionalfernsehen gehört, sagt sie. „Da war ich so berührt, dass ich auch mal etwas Gutes tun wollte“, sagt Gabriele Kornmeier. Dass das Geld für die Hospizarbeit nach Halle geht, ist für die Rentnerin selbstverständlich. „Ich bin immer noch stark heimatverbunden“, sagt sie.

Angefangen am Nockenfahrschalter im alten Siemenswagen bis zuletzt in den markanten rot-weißen Tatra-Wagen, ihre Fahrten durch Halle sind das, was Gabriele Kornmeier immer noch am meisten mit ihrer Heimat verbindet. „Der Marktplatz, ist das größte“, sagt sie. Auch die Kröllwitzer Brücke und die Fahrten durch die Heide hätten großen Spaß gemacht. „Aber eigentlich, waren mir alle Strecken lieb.“ (mz)