Handel

Handel: Halles größter Juwelier insolvent

Halle (Saale)/MZ. - Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Halles größter Juwelier und Uhrenhändler Dirk Beyse hat Insolvenz anmelden müssen. Das bestätigte am Dienstag der hallesche Insolvenzverwalter Ulrich Luppe. Das Verfahren ist bereits am Amtsgericht eröffnet ...

Von MICHAEL DEUTSCH 19.10.2010, 19:44

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Halles größter Juwelier und Uhrenhändler Dirk Beyse hat Insolvenz anmelden müssen. Das bestätigte am Dienstag der hallesche Insolvenzverwalter Ulrich Luppe. Das Verfahren ist bereits am Amtsgericht eröffnet worden.

Die drohende Zahlungsunfähigkeit kam für den Juwelier durchaus überraschend. Wie der 43-Jährige der MZ sagte, gebe es dafür hauptsächlich drei Ursachen: Erstens sei in den letzten Monaten der Umsatz eingebrochen. Zweitens seien die Ladenmieten, die er in den Einkaufszentren zahlen müsse, zu hoch. Drittens hätten sich mehrere Banken nicht sehr kooperativ verhalten, wenn es um die Vergabe neuer Kredite geht, so Beyse.

Insgesamt sechs Filialen - vier in Halle, je eine in Leipzig und Bernburg - sind von der Insolvenz betroffen. Beyse hat die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben. "Ich setzte jetzt auf die Erfahrung des Insolvenzverwalters", sagt der Zwei-Meter-Mann, der sich 1989 selbstständig machte und sein erstes Geschäft am Moritzzwinger eröffnete. Beyse sponserte in der Folgezeit zahlreiche Projekte und sorgt bis heute mit seiner Umtauschaktion von D-Mark in Euro für Aufsehen. 2006 versuchte er sogar den Einstieg in die Politik. Zur Überraschung vieler Hallenser präsentierte er sich als Kandidat zur Oberbürgermeisterwahl und erhielt 3,6 Prozent der Stimmen.

Genau mit diesem Selbstbewusstsein soll jetzt auch weitergearbeitet werden. "Wir schließen nicht, sondern lassen alle Filialen weiterlaufen", kündigte Luppe an. Zwölf Mitarbeiter und auch die vier Auszubildenden - hiervon zwei Neueinstellungen des Verwalters - werden weiter beschäftigt. Der Insolvenzverwalter zeigte sich zudem optimistisch. Voraussetzung für den Erfolg sei es, dass sich Beyses Kunden nicht zurückziehen, sondern ihm treu blieben. Gerade das nahende Weihnachtsgeschäft ist wichtig für die Bilanz.

Erst durch die Insolvenz bestehe jetzt die Chance für eine Reorganisation des Unternehmens - "und das ist auf alle Fälle fortführungswürdig", betonte der Rechtsanwalt. Bevor er jedoch das Juweliergeschäft wieder auf gesunde Füße stellen kann, sei es jetzt dringend geboten, die Kosten zu senken und vor allem die Akzeptanz beim Kunden zu erhalten.

Sofern dies gelinge, werde er auch der Gläubigerversammlung am 16. Dezember die Fortführung des Unternehmens empfehlen, sagte Luppe.