Hallesche Kunst auf vier Kontinenten

Hallesche Kunst auf vier Kontinenten: Pop-Art Maler Moritz Götze geht auf Welttournee

Halle (Saale) - Er war schon überall und scheint auch aktuell wieder mal überall zu sein. Das allein wäre staunenswert bei diesem Moritz Götze. Doch der Unterschied zwischen dem halleschen Pop-Art-Star und anderen Kreativ-Umtriebigen besteht darin, dass Götze immer dort ist, wo’s drauf ankommt. Und das war letzte Woche die Leipziger Buchmesse, wo Götze eine andere Facette seines unglaublich breiten Schaffens entfalten konnte - die als Verleger. Doch wie es der Zufall wollte - und bei diesem Künstler immer will - hat das eine mit dem anderen viel zu ...

Von Detlef Färber

Er war schon überall und scheint auch aktuell wieder mal überall zu sein. Das allein wäre staunenswert bei diesem Moritz Götze. Doch der Unterschied zwischen dem halleschen Pop-Art-Star und anderen Kreativ-Umtriebigen besteht darin, dass Götze immer dort ist, wo’s drauf ankommt. Und das war letzte Woche die Leipziger Buchmesse, wo Götze eine andere Facette seines unglaublich breiten Schaffens entfalten konnte - die als Verleger. Doch wie es der Zufall wollte - und bei diesem Künstler immer will - hat das eine mit dem anderen viel zu tun.

Und so standen im Buchmesse-Regal des halleschen Hasenverlags gleich zwei Bildbände, die Bezug zu Moritz Götzes Werk haben. Einer indirekt und einer direkt - nämlich das Buch zur „Grand Tour“, jener Ausstellungstournee (siehe „Vier Kontinente“), mit der Götze gerade unter anderem seine schon drei Jahrzehnte währende kreative Zusammenarbeit mit dem Malerkollegen Rüdiger Giebler dokumentiert: Und zudem seine geistige und künstlerische Verwurzelung in Halle und Mitteldeutschland, die zugleich ein Quell steter Inspiration ist - was sich bei seinem Kollegen übrigens ähnlich verhält.

Nur Afrika fehlt. Sonst gibt es Ziele auf allen Kontinenten für die „Grand Tour“ genannte Welttournee von Moritz Götze und Rüdiger Giebler, die auf insgesamt 32 Stationen ihre gemeinsame Ausstellung „Made in Kaisersaschern“ präsentieren. Neben etlichen deutschen Ausstellungsorten - unter anderem Düsseldorf, Berlin und Saarbrücken, aber auch Ahrenshoop oder Witten - wird die Schau auch in London, Teneriffa, New York, Seattle, Melbourne, Bangalore und sogar in Kasachstan gezeigt. Start dieser Welttournee, die sich wohl über fast vier Jahre hinziehen wird, war in Brüssel. Derzeit ist sie in Halles Partnerstadt Karlsruhe zu sehen.

Der Titel „Made in Kaisersaschern“ nimmt auf einen Ortsnamen in Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“ (geschrieben 1943-47) Bezug. Darin klingt eine durch zwei Weltkriege bedingte Untergangsahnung und -erfahrung an. Laut Beschreibung in dem Buch liegt diese Kleinstadt südlich von Halle - was die beiden Maler und begeisterten Hallenser wohl inspiriert hat, sich mit ihrer Kunst quasi ebenfalls in Kaisersaschern zu verorten.

Die Künstler Rüdiger Giebler (58) und Moritz Götze (51) sind beide in Halle geboren und leben und arbeiten zum größten Teil in der Stadt. Giebler - einst auch Galerist - ist Absolvent der Kunsthochschule Burg Giebichenstein; Götze - Spross einer Künstlerfamilie - ist Autodidakt, gilt aber als Halles erfolgreichster Künstler.

Giebler, der als der Philosoph unter Halles Malern gilt, ist ebenso wie Götze ein Sammler, ein Geschichts-Enthusiast und ein wandernder, ein radelnder und paddelnder Erkunder seiner Heimat, die für ihn selbstredend auch exemplarisch für die große Welt steht. Für jene Welt, die sie verstehen und erreichen möchten, wie ihnen Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) attestiert: „Die beiden Künstler wollen ihre Sicht auf die mitteldeutsche Geschichte in die ganze Welt tragen.“

Halles Pop-Art geht mit Götze und Giebler also auf große Fahrt! Fast vier Jahre soll sie dauern - und nach den aktuell laufenden Präsentationen in Brüssel und Karlsruhe auf der Basis eines übergreifenden Ausstellungskonzepts jeweils mit anderen Werken und variierenden Umfängen die Ausstellungsorte bespielen. Nächste Station ist Saarbrücken, wo am 15. April Vernissage gefeiert wird.

Unerlässlich zum Verständnis der auf den ersten Blick so unterschiedlichen, aber doch auch verwandten Bildwelten von Götze und Giebler ist ein nun just zur gleichen Zeit erscheinendes Buch des Hasenverlags. Es heißt „Zeit der großen Freiheit“ und beschreibt anhand von Fotografien des Hallensers Markus Werner jene Zeit in Halle (1989-97) und ringsum, als Götze und Giebler zu den Künstlern heranreiften, die sie heute sind. Und als sich die Stadt langsam aus den Trümmern des Sozialismus herausschälte und die Hallenser ihre neue Freiheit zu genießen und zu nutzen begannen: Wie, das erzählen in Texten die Schriftsteller Judith Hermann und Peter Wawerzinek, „Keimzeit“-Musiker Flake, der Journalist Jan Wätzold, Rüdiger Giebler und andere.

„Made in Kaisersaschern“ heißt mit Blick auf ältere Geschichte und Mitteldeutschland die Götze/Giebler-Schau. Die Asche, die die roten Kaiser hinterlassen haben, zeigt dagegen der Foto-Band. Aber wahrscheinlich hat ja auch hier alles mit allem zu tun. Zum Bildband „Zeit der großen Freiheit“ gibt es im September eine Ausstellung im halleschen Kunstforum der Sparkassenstiftung. (mz)