„Bereich Kita stärken“

Hallesche Jugendwerkstatt bekommt Neubau zum Jubiläum

Vor 30 Jahren wurde die Einrichtung gegründet. Heute gehören 30 Projekte dazu. Vor allem der Kita-Bereich soll ausgebaut werden.

Von Silvia Zöller
Kinder  der Kita Frohsinn spielen auf dem Klettergerüst. 2022 ziehen sie um.
Kinder der Kita Frohsinn spielen auf dem Klettergerüst. 2022 ziehen sie um. (Foto: Silvio Kison)

Halle (Saale) - Zum Geburtstag gibt es Geschenke: Die Hallesche Jugendwerkstatt feiert an diesem Donnerstag ihr 30-jähriges Bestehen am Volkspark. Das Geschenk an sich selbst jedoch kommt erst im nächsten Jahr: Dann soll die alte Kita „Frohsinn“ am Handwerkerhof abgerissen werden und an gleicher Stelle ein Neubau- mit Anbau entstehen. Während der Bauphase werden die Kinder in der neuen Kita betreut, die die Hallesche Jugendwerkstatt am HEP-Markt baut - sie soll Anfang 2022 eröffnen.

„Wir wollen den Bereich Kita stärken“, sagt Geschäftsführer Klaus Roth. In beiden Einrichtungen zusammen werden dann 120 weitere Kita-Plätze entstehen. So wie auch in diesem Bereich hat die Jugendwerkstatt in den vergangenen 30 Jahren ihre Arbeit immer mehr ausgeweitet und neue Bereiche hinzugenommen. „Aus den Anfängen mit einem festangestellten Mitarbeiter und zwölf ABM-Kräften ist eine Gesellschaft mit 370 Angestellten geworden“, ist Anna Manser stolz. Sie ist seit Januar 2020 gemeinsam mit Roth Geschäftsführerin.

„Wir schauen, dass es immer wieder Möglichkeiten gibt, die Schwächsten zu integrieren“

In 30 Projekten und Einrichtungen werden alleine über 1.000 Kinder und Jugendliche betreut, dazu kommen psychisch Kranke, Arbeitslose, Migranten und Familien, die Hilfen brauchen. „Wir schauen, dass es immer wieder Möglichkeiten gibt, die Schwächsten zu integrieren“, sagt Anna Manser. Beratungsstellen, die In-Obhut-Nahme für Kleinstkinder, Wohngruppen, Kitas und Horte, das „Schirm-Projekt“ für junge Menschen, die Hilfe brauchen - sie alle sind unter dem Dach der Jugendwerkstatt zusammengefasst. Auch vor der Digitalisierung macht die gemeinnützige Gesellschaft nicht Halt: „Ein aktueller Schwerpunkt ist die Testphase eines webbasierten Programms, das auch App-tauglich ist. Via Handy laufen so alle Informationen zwischen Kita und Eltern - und zwar mehrsprachig“, erläutert Roth. So könne beispielsweise eine arabisch sprechende Mutter der Kita mitteilen, dass ihr Kind krank ist. Bei der Kita geht die Nachricht dann auf Deutsch ein.

Als sich die Jugendwerkstatt 1991 gründete, ging es zunächst jedoch um eine andere Aufgabe: jungen Menschen eine Alternative zur Berufsausbildung zu bieten. „Damals brachen viele Ausbildungsstellen weg wegen der Schließung von Betrieben“, kennt Roth die Geschichte der Jugendwerkstatt. Mehrere damalige Beigeordnete der Stadt, darunter Guido Till als Sozialdezernent und Norbert Labuschke, damals Beigeordneter für Wirtschaft, hatten neben der Halleschen Jugendwerkstatt mehrere weitere Jugendwerkstätten in der Saalestadt gegründet. Dazu habe es sogar einen Stadtratsbeschluss gegeben, so Roth.

„Alle Bootsplätze sind vermietet“

Weg von der reinen Beschäftigung junger Menschen kamen im Laufe der Jahre weitere Aufgaben dazu: 2001 etwa das „Schirm“-Projekt, das damals die einzige Anlaufstelle ihrer Art für Straßenkinder war. Dann auch Kitas und Horte sowie nach 2010 sogar der Stadthafen. Hintergrund ist hier, dass in einem Projekt der Jugendwerkstatt ein alter Kaffenkahn aus- und umgebaut wurde. Dieser liegt im Stadthafen zu Anker, ebenso Paddelboote, die die Einrichtungen der Jugendwerkstatt auch für Ausflüge nutzen. „Und alle Bootsplätze sind vermietet“, berichtet Roth von dem ungewöhnlichen Arbeitsbereich.

In 30 Jahren scheiterten aber auch Projekte, so ist die Begegnungsstätte „Silva“ auf der Silberhöhe heute nicht mehr unter dem Dach der Jugendwerkstatt. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen brachen weg, es konnte nicht kostendeckend gearbeitet werden. Der Streit um die Singschule und den Kinderchor der Stadt brachte die Jugendwerkstatt zudem in die Schlagzeilen. 2008 übernahm die Jugendwerkstatt die Einrichtung und bildet heute über 100 Kinder musikalisch aus. (mz)