Halle

Halle: Kunst in der Bahnhofslounge

Halle (Saale)/MZ. - Der sture Blick geradeaus ermöglicht zwar die Konzentration auf das Wesentliche, doch oft lohnt es sich, die Augen auch schweifen zu lassen - auf den Boden oder aber in luftige Höhen.

Von FRAUKE HOLZ

Der sture Blick geradeaus ermöglicht zwar die Konzentration auf das Wesentliche, doch oft lohnt es sich, die Augen auch schweifen zu lassen - auf den Boden oder aber in luftige Höhen.

Wer derzeit im halleschen Hauptbahnhof unterwegs ist, sollte einmal den Blick heben, denn nur dann sieht er drei Luftwesen nahezu schwerelos durch die große Jugendstilhalle schweben. Es scheint gerade so, als würden sich die Drei auf eines der Rundbogenfenster der Bahnhofslounge zu bewegen und den Betrachter optisch in die obere Etage leiten, wo der Künstler Siegfried Kober weitere seiner Skulpturen aus Draht und Holz aufgestellt hat.

Oberhalb der drei Figuren in der Bahnhofshalle fällt der Blick durch die Fensterscheibe auf einen großen hölzernen Kopf und die sogenannten "dancing balls" (dt. tanzende Kugeln) - ein aus beinahe hundert Kugelleuchten bestehendes Lichtinstrument, das Bernward Derksen, der Architekt der Bahnhofslounge, installiert hat. Er war es auch, der Siegfried Kober fragte, ob er seine Kunst in Halle ausstellen wolle. Der 61-Jährige sagte zu. "Es reizt mich, mit solchen Räumen umzugehen", so der Bildhauer. Zudem sei der Bahnhof aufgrund der verschiedenen optischen Reize eine besondere Herausforderung für ihn gewesen. "Die Kunst wird erst auf den zweiten oder dritten Blick wirklich sichtbar", so Kober.

Zwei seiner filigranen, aus Draht geformten Damen begleiten den Besucher hinauf auf die Galerie-Ebene zu den anderen Draht- und Holzskulpturen. Die in luftiger Höhe neben der Treppe schwebenden dreieinhalb Meter großen Figuren erinnern an Tänzerinnen oder Akrobatinnen. Sie sind von durchsichtiger Leichtigkeit und wirken dadurch wie gezeichnet. Und das ist es, was Kobers Werke eint: Es sind allesamt Zeichnungen im dreidimensionalen Raum. Auch die überlebensgroßen kräftigen und schlanken Figuren aus Holz, die auf der Galerie Platz gefunden haben.

Die Drahtskulpturen zeichnen sich durch Filigranität, Leichtigkeit und Transparenz aus. Dies erreicht der Künstler durch den Einsatz zusammengeschweißter, gerade einmal drei Millimeter dünner Eisendrähte. Im starken Gegensatz dazu stehen die harten Konturen der Holzarbeiten. Beim Behauen der Eichenstämme ging Kober geradezu martialisch zu Werke, nämlich mit der Kreissäge. Aus vielen Linien und Einschnitten entstanden auf diese Weise die verschiedenartigen Körper, die abstrahierte Gesichter voller Spannung zeigen.

Flüchtig hingeschaut erscheinen Kobers Werke demnach als völlig chaotisch, erst bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass sie alle einer gewissen Ordnung folgen. Es ist eben keine Kunst auf den ersten und zweiten Blick.

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Februar in der Bahnhofslounge zu sehen. Der Eintritt ist frei.