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Halle: Bürgerinitiativen kämpfen gegen Fluglärm und Neubauten

Halle (Saale)/MZ. - Halles neuer Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) hat angekündigt, derartiges bürgerschaftliches Engagement zu unterstützen. Die MZ hat mit Vertretern der aktivsten Bürgerinitiativen ...

Von MICHAEL FALGOWSKI
In Halle nehmen immer mehr Bürger die Probleme selbst in die Hand. (ARCHIVFOTO: DPA) ZB

Halles neuer Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) hat angekündigt, derartiges bürgerschaftliches Engagement zu unterstützen. Die MZ hat mit Vertretern der aktivsten Bürgerinitiativen gesprochen.

Aufgeschreckt vom Plan, neben das seit Jahren leerstehende ehemalige Regierungspräsidium bei dessen Sanierung auch mehrere Neubauten zu setzen, hat sich die Pro-Pauluspark-Initiative gegründet. Vor allem stören sich die Initiatoren an dem hohen und aus ihrer Sicht hässlichen Neubau-Gebäuderiegel an der Robert-Blum-Straße. "Niemand ist deswegen gefragt worden. Wir fordern einen ordentlichen Bebauungsplan mit einer Bürgerbeteiligung", sagt Sprecherin Yvonne Winkler.

Man erwäge auch eine Klage. Bei der ersten Info-Versammlung der Initiative kamen rund 300 Hallenser. Bisher leisteten mehr als 3 000 Unterschriften. "Der Stadtverwaltung und dem Stadtrat fehlen eine Vision für das Paulusviertel", sagt Winkler. Am Freitag letzter Woche waren die Sprecher der Initiative bei Oberbürgermeister Wiegand zum Gespräch.

Demnächst werde man im Amtsblatt der Stadt die eigenen Argumente darstellen können. Die Investoren, die kommunale Hallesche Wohnungsgesellschaft und das Bauunternehmen Papenburg, argumentieren dagegen, dass sie das Regierungspräsidium wirtschaftlich nur sanieren könnten, wenn auch die Neubauten kämen.

Es war kein gutes Jahr für die Fluglärm-Gegner . Im Sommer wurde am Verwaltungsgericht Bautzen die Klage gegen zwei Flugrouten in Schkeuditz abgewiesen, die rund 18 000 Einwohnern in Halles Osten immer wieder den Nachtschlaf rauben. Eine Revision wurde nicht zugelassen.

Seit 2007 gibt es nun die Initiative. Die Vorsitzende Claudia Pärsch weiß, dass man gegen Windmühlen kämpft. "Aber wenn man gar nicht kämpft, ändert sich nie etwas." Und: "Die Lärmschutzkommission hat zugestimmt, die Flugrouten überprüfen zu lassen. Das hat die Stadt Halle schon mehrfach vorgeschlagen, aber es wurde stets abgelehnt."

Die Hochstraße verbindet Halle und Neustadt. Und die Trasse spaltet in Gegner und Befürworter. Seit 2006 bereits gibt es die Bürgerinitiative Hochstraße . Erklärtes Ziel der 70 teilweise prominenten Mitglieder und gut 40 namentlichen Unterstützer ist es, die Hochstraße an den Franckeschen Stiftungen zu beseitigen.

"Die Verwaltung soll sofort mit den Planungen für Alternativen zu diesem städtebaulichen Ärgernis beginnen", sagt Hans-Georg Ungefug, Sprecher der BI Hochstraße. Die BI veranstaltete vor Wochen ein Forum im Stadthaus, in dem die weitere Stadtentwicklung Halles Thema war. Auch einen Wettbewerb hat man ausgelobt.

Der Verein für Stadtgestaltung um Reiner Halle ist so etwas wie der Gegenspieler zur Hochstraßen-BI. Der Bauingenieur in Rente hatte sich mit seinen Mitstreitern vergeblich gegen den Abriss der Hochhäuser am Riebeckplatz engagiert. Nun verteidigt man die Hochstraße. "Sie ist die Lebensader der Stadt", sagt Halle.

Aktuell hat die kleine Gruppe aber auch Beiträge zur Zukunft der Hochhausscheiben in Neustadt erarbeitet. "Die Stadt muss endlich zeigen, dass sie an der Zukunft der Scheiben interessiert ist." Oft fühlten sich die Bürger von der Stadt nicht ernst genommen, weiß Halle.

Nicht akzeptieren will die Initiative "Bürger für Kröllwitz" , dass das Verwaltungsgericht vor fünf Wochen ihre Klage gegen ein Altreifen-Recycling-Werk im Trothaer Hafen abgeschmettert hat.

"Wir bereiten die Revision vor", sagt Ruben Hacker. Seit Jahren kämpfen 300 Hallenser, die meisten aus Kröllwitz, gegen eine Anlage, die von der Stadt als Müllanlage eingestuft wird. "So etwas gehört nicht in die Nähe von Wohnhäusern."