Halle-Böllberg

Halle-Böllberg: Alte Mühle wird zu Wasserkaftwerk

halle (Saale)/MZ - Als Filmkulisse taugt die alte Mühle in Halle-Böllberg noch. Zuletzt boten die Ruinen an der Saale den passenden Hintergrund für Kampfszenen aus dem Zweiten Weltkrieg. Jetzt deutet sich aber eine Zukunft für den Komplex an, der sich seit Jahrzehnten in einem Mitleid erregenden Zustand befindet. Der Landwirt Karl-Josef Thiemeyer aus Lippstadt-Rixbeck (Nordrhein-Westfalen) will in der alten Mühle ein Wasserkraftwerk bauen und Strom ...

Von michael tempel

Als Filmkulisse taugt die alte Mühle in Halle-Böllberg noch. Zuletzt boten die Ruinen an der Saale den passenden Hintergrund für Kampfszenen aus dem Zweiten Weltkrieg. Jetzt deutet sich aber eine Zukunft für den Komplex an, der sich seit Jahrzehnten in einem Mitleid erregenden Zustand befindet. Der Landwirt Karl-Josef Thiemeyer aus Lippstadt-Rixbeck (Nordrhein-Westfalen) will in der alten Mühle ein Wasserkraftwerk bauen und Strom erzeugen.

Die Planungen sind schon weit fortgeschritten. Wie Thiemeyer der MZ sagte, findet für sein Zwei-Millionen-Euro-Vorhaben Ende Januar eine sogenannte Erörterung beim Landesverwaltungsamt statt. Nachdem die Pläne öffentlich ausgelegen hatten, werden dabei mögliche Einwände und Hinweise gegen das Projekt besprochen. Wenn alles glatt geht, könnte noch in diesem Jahr Baustart sein.

"Das ist so was von faszinierend"

Genau genommen handelt es sich nicht um einen Neubau, sondern um eine - wenn auch aufwendige - Wiederinbetriebnahme. „Bis 1975 wurde in der Mühle bereits ein Wasserkraftwerk betrieben“, erzählte der 55-jährige Thiemeyer. Die sechs Turbinen, die aus den 1920er und 1930er Jahren stammten, seien noch vorhanden und in einem guten Zustand. Sein Antrieb bei dem Vorhaben, das er aus eigener Tasche finanziere, sei ein „persönliches Interesse“ an Technik und Wasserkraft. „Das ist so was von faszinierend“, sagte Thiemeyer. In seiner Heimatregion habe keine Möglichkeit bestanden, ein solches Projekt umzusetzen. Deshalb sei er vor Jahren die Flüsse Mulde und Saale systematisch abgefahren auf der Suche nach möglichen Standorten. 2008 habe er den unmittelbar an der Saale befindlichen Teil der Mühle gekauft.

Das Wasserkraftwerk in Böllberg wäre das zweite in der Stadt Halle. Am Wehr in Planena gewinnen der Hallenser Martin Kehl und dessen Sohn Andreas bereits seit 2006 mit einer Anlage Strom. Kehl senior steht übrigens Thiemeyer als Planer zur Seite. Ein weiteres Wasserkraftwerk in der Region befindet sich in der Pögritzmühle in Wettin.

Rund 1.000 Haushalte könnten versorgt werden

Diese als umweltfreundlich geltende Art der Energiegewinnung ist deshalb lukrativ, weil die Abnahme des erzeugten Stroms per Gesetz zu über Marktniveau liegenden Preisen garantiert ist. Hintergrund ist die von der Bundesregierung praktizierte Förderung regenerativer Energien. Thiemeyer treibt sein Projekt aber zu einer Zeit weiter voran, in der wegen unaufhaltsam steigender Preise für Verbraucher über die Zukunft dieser Energiewende spekuliert wird. Die neue Bundesregierung will die Gesetze überarbeiten. Vor diesem Hintergrund hat auch Halles Energieversorger EVH Wasserkraftprojekte am Pulverweiden-Wehr sowie in der alten Kröllwitzer Papierfabrik zunächst auf Eis gelegt. „Wenn der garantierte Preis gekürzt werden sollte, schlägt sich das natürlich auf den Gewinn nieder. Ich bin aber guter Dinge“, sagte Thiemeyer.

Das von Thiemeyer geplante Wasserkraftwerk könnte pro Jahr zwei Millionen Kilowattstunden Strom produzieren und somit rein rechnerisch rund 1 000 Haushalte versorgen. Es befindet sich in dem Mühlengebäude mit dem markanten Turm, das auch als Filmkulisse diente. Der verbleibende Teil des Mühlengeländes gehört anderen Eigentümern. Nach der Stilllegung 1975 zerstörten nach der Wende mehrere Großbrände das denkmalgeschützte Areal.

„Mit den Erlösen aus dem Kraftwerk will ich mein Mühlengebäude nach und nach wieder aufbauen“, so Thiemeyer. Er denke an touristische und gastronomische Nutzung. Konkrete Pläne gebe es noch nicht.