Größter Wald des Landes

Größter Wald des Landes: Kommen die Weihnachtsbäume bald von der Deponie Lochau?

Halle (Saale) - Weihnachten ist nicht nur das Fest der Liebe, sondern auch des Konsums. Nach den Festtagen fallen Tausende Tonnen Müll an. Was passt da besser, als an Bürotür der Deponie Lochau zu klopfen? Dort sitzt Daniel Friedrich, der kaufmännische Leiter der „Abfallwirtschaft GmbH Halle-Lochau“, wie die Deponie offiziell ...

Von Oliver Müller-Lorey 17.12.2019, 08:00

Weihnachten ist nicht nur das Fest der Liebe, sondern auch des Konsums. Nach den Festtagen fallen Tausende Tonnen Müll an. Was passt da besser, als an Bürotür der Deponie Lochau zu klopfen? Dort sitzt Daniel Friedrich, der kaufmännische Leiter der „Abfallwirtschaft GmbH Halle-Lochau“, wie die Deponie offiziell heißt.

Tannenbäume statt Müll: Deponie in Lochau lagert seit 2005 keine Abfälle mehr

Doch die hat mit dem Weihnachtsmüll überraschenderweise überhaupt nichts zu tun, genauso wenig wie mit anderem Haus- und Gewerbemüll. „Der wird nämlich schon seit 2005 nicht mehr bei uns gelagert“, sagt Friedrich. „Seit 2005 befinden wir uns in der Stilllegung, das heißt, die Deponie wird renaturiert.“ Müll gesammelt, sortiert, geschreddert und verbrannt wird woanders, aber nicht mehr hier. Tannenbäume sollen irgendwann einmal auf der Deponie wachsen aber nicht mehr darin verscharrt werden.

Friedrich befasst sich mit Dingen, die auf den ersten Blick so gar nichts mit einer Deponie zu tun haben: Mit dem Anpflanzen von Bäumen etwa und mit dem Grundwasserspiegel des Braunkohletagebau-Restlochs, aus dem die Deponie, die inzwischen eine Tochter der halleschen Stadtwerke ist, im Jahr 1976 hervorgegangen war. Das Loch soll irgendwann einmal geflutet und - Laien würden sagen - ein See werden. Friedrich spricht selbst nicht von einem See, weil dieser Begriff geschützt ist.

Alte Deponie wird größte zusammenhängende und neu angelegte Mischwaldfläche

Aus einer Grube, in die jahrzehntelang Müll geworfen wurde, eine naturnahe Fläche, vielleicht sogar irgendwann ein Ausflugsziel für die Hallenser zu machen, ist eine große Herausforderung. „Am Ende werden 100 Hektar mit Wald bepflanzt sein. Das ist eine beträchtliche Fläche. Es wird die größte zusammenhängende neu angelegte Mischwaldfläche in Sachsen-Anhalt“, sagt der 42-Jährige.

Doch bis dahin muss das Bisschen, was vom Tagebauloch noch übrig ist, noch verfüllt werden. Derzeit werden nur noch Abfälle wie Bauschutt, Bodenmaterialien, Aschen und Schlacken aus der Müllverbrennung in der Deponie eingelagert. Die Reste der Punkthochhäuser vom Riebeckplatz etwa schlummern in Lochau.

Kontrolle nach Stilllegung: 30-jährige Nachsorge mit regelmäßigen Proben

Die Endverfüllung soll Mitte 2021 abgeschlossen sein, der gesamte Prozess der Stilllegung 2026. Und nicht einmal dann ist die Arbeit für Friedrich getan. „Der Gesetzgeber schreibt eine mindestens 30-jährige Nachsorge mit regelmäßigen Proben vor“, sagt er. Dass er also der letzte ist, der die Geschäfte der dann ehemaligen Deponie führt, glaubt er nicht. Und ohnehin dauert es Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, bis der angepflanzte Wald von einem natürlichen nicht mehr zu unterscheiden sein wird. (mz)