Golfplatz bekommt mehr Wasser

Golfplatz bekommt mehr Wasser: Stehen privatwirtschaftliche Interessen über Gemeinwohl?

Halle (Saale) - Der Betreiber des Golfplatzes am Hufeisensee darf weitere 61.000 Kubikmeter Wasser aus dem See entnehmen, um Grün- und Abschlagbereiche sowie Gehölze und Bäume zu wässern und Teiche zu befüllen. „Wir haben dazu bis zum 30. September 2019 eine befristete Erlaubnis erteilt“, sagte Steffen Johannemann, Leiter der Unteren Wasserbehörde in der Stadtverwaltung, auf Nachfrage der ...

17.07.2019, 06:00

Der Betreiber des Golfplatzes am Hufeisensee darf weitere 61.000 Kubikmeter Wasser aus dem See entnehmen, um Grün- und Abschlagbereiche sowie Gehölze und Bäume zu wässern und Teiche zu befüllen. „Wir haben dazu bis zum 30. September 2019 eine befristete Erlaubnis erteilt“, sagte Steffen Johannemann, Leiter der Unteren Wasserbehörde in der Stadtverwaltung, auf Nachfrage der MZ.

Die Wassermenge würde einer maximalen Absenkung des Hufeisensees um sieben Zentimeter entsprechen. „Hätten wir den Antrag des Golfplatzbetreibers abgelehnt, wäre ein wirtschaftlicher Schaden im hohen sechsstelligen Bereich zu erwarten gewesen“, so Johannemann. Normalerweise darf der Golfplatz pro Jahr maximal 42.000 Kubikmeter aus dem See pumpen, um seine Anlagen zu wässern. Angesichts der Trockenheit ist dieses Limit aber schon erreicht.

Kritik über zusätzliche Wasserentnahme kommt von den Grünen

Unterdessen fordert die Stadtratsfraktion der Grünen den Stopp der Wasserentnahme aus dem Hufeisensee. Mit 91,4 Metern über Normalnull liege der Pegel des Gewässers mittlerweile unter jenen 91,5 Metern, die in der wasserrechtlichen Genehmigung als Untergrenze festgelegt worden seien. „Hier beschweren sich nicht einfach nur ein paar Naturschützer. Vielmehr bestehen Bürger auf den Schutz des Hufeisensees im Sinne der Allgemeinheit“, sagte Wolfgang Aldag. Der Betreiber könne mit seinem privatwirtschaftlichen Interesse nicht einfach agieren, wie er möchte.

Der Verweis auf die angepflanzten Sträucher und Bäume sei absurd. Deren Pflege und Erhalt dürfe nicht auf Kosten der Ufervegetation und anderer Nutzer gehen. Die Fraktionsvorsitzende Inés Brock kritisierte die Informationspolitik der Stadtverwaltung. „Ich finde es sehr befremdlich, dass wir auf unsere bisherigen Anfragen im Stadtrat zu dieser Thematik keine Auskunft erhalten haben und stattdessen dazu etwas aus den Medien erfahren müssen.“ Andere Gemeinden würden wegen der Trockenheit die Wasserentnahme aus Gewässern untersagen. In Halle mache man das Gegenteil. Eine Online-Petition der Hallensern Ulrike Eichstädt, selbst Mitglied der Grünen, zum Stopp der Wasserentnahme hat mittlerweile über 1000 Unterstützer.

Pegelstand des Hufeisensees unter 91,5 Metern nicht ungewöhnlich

Erst vor wenigen Tagen hatte sich Golfplatz-Investor Norbert Labuschke zur Situation geäußert. „Ohne den Hufeisensee hätten wir den Golfplatz an dieser Stelle nie gebaut“, sagte er der MZ. Er habe das Gefühl, dass der Golfplatz besonders im Fokus von Kritikern stehe, „weil diese Leute der Meinung sind, dass wir hier Schickimicki für die Reichen veranstalten“. Das sei Quatsch. Der Golfverein als Nutzer der Anlage habe 600 Mitglieder, darunter seien über 100 Kinder.

Ohne eine Bewässerung durch den Hufeisensee seien Investitionen von sieben Millionen Euro in Gefahr. „Ich höre immer, dass wir durch unsere Wasserentnahme beispielsweise den Schilfgürtel zerstören. Das ist Unfug. Schilf zieht das Wasser aus drei Metern Tiefe“, wehrt sich Labuschke. Dass der Pegelstand des Hufeisensees unter 91,5 Metern liegt, ist nach Angaben der Unteren Wasserbehörde offenbar nicht ungewöhnlich. Zwischen 1970 und bis Ende der 1990er Jahre lag er bei rund 91 Metern - mit einer jährlichen Schwankung von 0,5 bis 0,6 Meter. Unterdessen macht sich die Trockenheit nicht nur bei den Seen bemerkbar. „Die Wasserführung der Fließgewässer liegt im mitteldeutschen Raum derzeit bei 20 bis 30 Prozent der üblichen Menge“, sagte Johannemann. Der Grundwasserstand sei 60 Zentimeter niedriger als der Durchschnittswert. (mz)