GiebichenStein Designpreise 2015

GiebichenStein Designpreise 2015: In Halle wird das Regal revolutioniert

Halle (Saale) - Schläfst du schon oder klebst du noch dein Regal zusammen? Oder schraubst oder nagelst es oder tust dafür was auch immer? Der Versuch, hier etwas zu erfinden, zu entwickeln oder so zu gestalten, dass der künftige Regalnutzer längst den Schlaf der Gerechten schlafen kann, wenn Regalbauer herkömmlicher Formate noch immer verzweifelt mit den Schrauben kämpfen - dieser Versuch hält wohl international zahlreiche Designer in Atem. Doch in Halle hat jetzt mit dem Innenarchitektur-Studenten Robert Hahn (drittes Studienjahr) einer aus den Reihen der halleschen Kunsthochschule wohl eine Art Ei des Kolumbus ...

15.10.2015, 13:42

Schläfst du schon oder klebst du noch dein Regal zusammen? Oder schraubst oder nagelst es oder tust dafür was auch immer? Der Versuch, hier etwas zu erfinden, zu entwickeln oder so zu gestalten, dass der künftige Regalnutzer längst den Schlaf der Gerechten schlafen kann, wenn Regalbauer herkömmlicher Formate noch immer verzweifelt mit den Schrauben kämpfen - dieser Versuch hält wohl international zahlreiche Designer in Atem. Doch in Halle hat jetzt mit dem Innenarchitektur-Studenten Robert Hahn (drittes Studienjahr) einer aus den Reihen der halleschen Kunsthochschule wohl eine Art Ei des Kolumbus gefunden.

Revolution mit Steckverbindungen

Und ein System entwickelt, das das Regal revolutionieren könnte: mit pfiffig geformten Kunststoff-Steckverbindern, die mit ihren Profilen in die ins Holz eingefrästen Profile greifen. Sieht aus und hört sich an, als sei das mal wieder ein Kandidat für einen Angriff auf die Platzhirsch-Modelle im Möbelbau - Abteilung „Junges Wohnen“. Vorausgesetzt natürlich, dass - was Ziel fast eines jeden Designs ist - die Gestaltung zur Produktionsreife gedeiht und dass sich ein Produzent dafür findet. Denn dann könnte diese in Halle ersonnene Regal-Revolution natürlich auch weit über ihre Ursprungsstadt hinaus siegen.

Gesichtsmasken auf Tüten

Die Projekte sind vom 15.–21.10.2015 in der Kunststiftung Sachsen-Anhalt Neuwerk 11, 06108 Halle (Saale) ausgestellt.

Öffnungszeiten: Di – Fr 14 – 18 Uhr, Sa & So 11 – 18 Uhr. Eintritt frei

Zu ähnlich großen Hoffnungen geben übrigens etliche Arbeiten Anlass, die gerade von der Jury des Design-Preises - der für Studenten der Kunsthochschule Burg Giebichenstein ausgelobt ist - juriert und ausgezeichnet worden sind. Wobei Robert Hahns „Connect“-Regal zwar soeben den Leipziger Grassi-Nachwuchspreis zugesprochen bekommen hat, dafür in Halle aber leer ausgegangen ist.
Nicht so dagegen das ebenso witzige wie charmante Projekt „Maskenautomat“ von Felix Behr. Es handelt sich um ein Gerät, das Porträts von gerade fotografierten Leuten auf Tüten druckt, die man sich über den Kopf ziehen und als Masken tragen kann: Der Austausch der Masken ist dabei ausdrücklich erwünscht - denn, so die verblüffende Preis-Begründung: „Ein Maskenautomat könnte zum wechselseitig besseren Verstehen der verschiedensten zwischenmenschlichen Beziehungen und gesellschaftlichen Positionen beitragen.“ Ein Gerät also, das wie geschaffen wäre für die Uno & Co.

Gleich fünffach wurde Halles steinerner Designpreis auch dieses Jahr wieder vergeben. Der „Giebichen-Stein“ für die Kategorie Beste Kommunikation ging an das Projekt „Zettelwerk – Archiv für Alltagsdrucksachen“ von Sarah Fricke, Lea Sievertsen und Lisa Petersen. Die Arbeit wurde betreut von Anna Berkenbusch und Ferdinand Ulrich.

In der Kategorie Beste Idee/ Bestes Konzept ist die Arbeit „malu“ von Felix Brokbals ausgezeichnet worden - eine Bachelorarbeit im Fach Multimedia, betreut von Tom Hanke und Anette Scholz.  

In der Kategorie Engagiertestes Anliegen ging der Preis an zwei Projekte: „Mio – new ideas for cultural exchange“ von Delphine Bishop und Lina Zacher sowie „Jeden Tag Sonntag“ zum Thema Demenz“ von Bianca Elgas.

In der Kategorie Interessantestes Experiment erhielt den Preis die Arbeit „Patterns“ von Adrian Madaj - betreut von Mareike Gast im Fach Industrial Design. Und schließlich ging der Giebichen-Stein des Freundes- und Förderkreises der „Burg“ an das Projekt „Maskenautomat“ von Felix Behr - betreut von Vincenz Warnke und Johanna Richter im Fach Industriedesign.

Projekt schafft es ins hallesche Stadtmuseum

Gleich zwei Projekte nehmen sich der wohl zunehmend auf griffige Hilfsangebote angewiesenen Demenz-Problematik an. Wie weit der Designbegriff samt der Arbeit künftiger Gestalter inzwischen in scheinbar fremde Bereiche expandiert, zeigen Projekte wie „Zettelwerk - Archiv für Alltagssachen“, das wegen der thematischen Nähe zum Musealen vom halleschen Stadtmuseum demnächst für ein Jahr in dessen Dauerausstellung gezeigt werden soll.
Insgesamt sind es 20 Arbeiten, die für den Giebichen-Stein juriert und nun in der Landeskunststiftung (Neuwerk 11) gezeigt werden. (mz)