Fußball-Oberliga

Fußball-Oberliga: Der neue Star aus Bosnien

markranstädt/halle (saale) - Eine gewisse Netzaffinität darf man Fijad Mehanovic durchaus unterstellen. Der Fußballer des VfL Halle 96 hat ein Twitter-Konto - auch wenn er dort nicht besonders aktiv zu sein scheint und sein letzter Eintrag vom September vergangenen Jahres stammt. Immerhin: Mehanovic hat dafür gesorgt, dass nun auch alle anderen Spieler des Oberligisten in diesem sozialen Netzwerk zu sehen sind. Denn als sein Hintergrundbild fungiert das Mannschaftsfoto des ...

Von max zeising 07.06.2015, 20:14

Eine gewisse Netzaffinität darf man Fijad Mehanovic durchaus unterstellen. Der Fußballer des VfL Halle 96 hat ein Twitter-Konto - auch wenn er dort nicht besonders aktiv zu sein scheint und sein letzter Eintrag vom September vergangenen Jahres stammt. Immerhin: Mehanovic hat dafür gesorgt, dass nun auch alle anderen Spieler des Oberligisten in diesem sozialen Netzwerk zu sehen sind. Denn als sein Hintergrundbild fungiert das Mannschaftsfoto des VfL.

Eine Tatsache, die sich symbolisch deuten lässt. Ein Jahr nach seiner Verpflichtung vom FK Ilijas ist der Bosnier angekommen am Zoo. Und wie: Aus der VfL-Mannschaft, die in dieser Saison vor allem durch Mittelmäßigkeit aufgefallen ist, ragt er klar heraus. Man kann ihn sogar als einen Gewinner dieser Spielzeit bezeichnen.

Auch gestern war der 23-Jährige bei der zweiten Mannschaft von RB Leipzig der wichtigste Akteur und erzielte das entscheidende Tor zum 2:1-Überraschungssieg beim bereits feststehenden Aufsteiger.

Es war ein Treffer, der seine große Stärke widerspiegelte: Eins-gegen-eins-Situationen. Nach einem Konter über seinen bosnischen Kollegen Nikola Odovic - auch ein Leistungsträger dieser Saison - verlud er Leipzigs Schlussmann Dominic-Rene Heine (79.). Zuvor hatte VfL-Kapitän Matthias von der Weth (67.) die Leipziger Führung durch Tom Nattermann (34.) ausgeglichen. „Wir haben sicher gestanden und vielleicht davon profitiert, dass Leipzigs Aufstieg schon feststand“, sagte Trainer Lars Holtmann zum überraschenden Coup.

Schwerer Anfang in Halle

Auch Mehanovic holte sich ein Lob ab. „Fijad kann einem Gegenspieler Knoten in die Beine spielen“, sagte Holtmann - auch wenn er sich „noch an ein, zwei Dinge gewöhnen muss. Zum Beispiel muss er im Dribbling den Moment des Abspiels finden.“ Auch Mehanovic selbst ist nicht ganz zufrieden mit sich: „Ich hätte mehr Tore schießen können.“ Dennoch - der Bosnier, der nun bei sechs Saisontreffern steht und mit Mustapha Amari die vereinsinterne Torschützenliste anführt, ist aus dem Team nicht mehr wegzudenken.

Dabei begann die Saison für ihn gar nicht so gut. Mehanovic konnte kaum spielen, denn er musste in der ersten Halbserie für mehrere Monate zurück in die Heimat, um ein Visum zu beantragen. Erst am 13. Spieltag hatte er seinen ersten Oberliga-Einsatz im Spiel bei Lok Leipzig. „Es war eine schwere Zeit. Als junger Fußballer will man natürlich auf dem Platz stehen. Nur wegen ein paar Papieren konnte ich das nicht“, ärgerte sich Mehanovic. Umso mehr zeigte er jedoch nach seiner Rückkehr, was er draufhat.

Nun wurden seine Leistungen vom Verein honoriert: Jüngst wurde sein Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Auch bezahlt der VfL weiterhin eine Sprachschule für den Bosnier - der es dem Klub auf seine Weise danken will: „Ich möchte, dass die Mannschaft in Zukunft Erfolg hat, und ich will meinen Teil dazu beitragen.“

Auch wenn er noch höhere Ziele hat und „irgendwann mal bei einem größeren Verein in Deutschland spielen“ möchte, wird er also vorerst bleiben. Schließlich seien diese Ziele „schwer zu erreichen“. Und schon beim Umzug nach Halle merkte er, wie schwierig es ist, sich in Deutschland einzugewöhnen. „Es ist nicht so schlecht hier“, sagte Mehanovic. Aber: „Man braucht Zeit, bis man sich an die neue Kultur und Sprache gewöhnt hat.“ Bis heute nutzt er Mitspieler als Dolmetscher.

Verpflichtung als Vorbild

Für den VfL ist der Verbleib des Bosniers ein Glücksfall. Und seine Verpflichtung vor einem Jahr dient nun als Blaupause. Denn damit die kommende Saison erfolgreicher wird als diese, muss der Verein Einiges tun und hat sich deshalb eine neue Transfer-Strategie ausgedacht: junge, willige Spieler aus dem Ausland holen und sie fit machen für höhere Aufgaben in Deutschland. Erst am Freitag wurde den Wechsel des Brasilianers Paulo Eduardo Bernardes de Almeida - Künstlername Eduardo - zum Zoo vermeldet.

„Spieler, die aus dem Ausland kommen, sind oft ehrgeiziger und nicht so anspruchsvoll“, hat Lars Holtmann herausgefunden. Und der chronisch klamme VfL könne sich keine teuren deutschen Spieler leisten. „Bei uns darf man viel arbeiten und wenig verdienen.“ (mz)