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Fahrradfallen am Pranger Fahrradfallen am Pranger: Hier sind Halles gefährlichste Stellen für Radler

Von Oliver Müller-Lorey 06.11.2017, 09:01
Im Juni verunglückte eine 34-jährige Radlerin an der Ecke Nordstraße/ Dölauer Straße tödlich. Ein weißes Rad erinnert an den Unfall.
Im Juni verunglückte eine 34-jährige Radlerin an der Ecke Nordstraße/ Dölauer Straße tödlich. Ein weißes Rad erinnert an den Unfall. Lutz Winkler

Halle (Saale) - Auf der Trothaer Straße stadteinwärts wird es für Radler plötzlich ganz schön eng - und ganz schön gefährlich. Kurz hinter der Haltestelle „Pfarrstraße“ machen der schmale Radweg und die enge, oft von Lastwagen genutzte Straße einen Schlenker nach links. Die Stelle ist so eng, dass Lastwagen die Radweg-Markierung hier oft überfahren und die Radler auf dem ohnehin schmalen Schutzstreifen in Lebensgefahr bringen.

Ein paar Kilometer weiter westlich: andere Situation, ähnlich gefährlich. Am Gimritzer Damm, erst vor wenigen Wochen nach der Sanierung freigegeben, ist nur das erste Stück für Radfahrer geeignet. Hinter der Einmündung „Zur Saaleaue“ endet der Radweg plötzlich auf der Straße und Radler finden sich neben 40-Tonnern wieder. Ein paar Meter weiter verbietet ein Verkehrsschild Radfahrern gar die Weiterfahrt.

Gefahren für Radfahrer in Halle: ADFC schaltet interaktive Karte frei

Weil solche gefährlichen Situationen zuzunehmen scheinen, hat der hallesche Ableger des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) nun eine interaktive Karte mit allen Gefahrenstellen für Radler im Internet freigeschaltet. Die Trothaer Straße und der Gimritzer Damm erscheinen als kleine blaue Stecknadeln neben Dutzenden anderen Gefahrenstellen. Wer auf die Stecknadeln klickt, sieht auch gleich ein Foto von der bemängelten Stelle und eine ausführliche Beschreibung.

„Wir wollten die Hallenser sensibilisieren und hoffen, dass sich das aus Dauer bemerkbar macht“, sagt Volker Preibisch, Vize-Vorsitzender des ADFC Halle und Landesvorstand Sachsen-Anhalt. In Halle gebe es noch zu viele Gefahrenstellen für Radler. Doch um das zu beweisen und einen besseren, objektiven Überblick zu haben, bräuchte der Verein Unfalldaten.

Interaktive Karte des ADFC für Halle: Nicht nur potenzielle Gefahrenstellen, sondern auch „echte“ Unfallstellen für Radfahrer

„Das Problem ist, dass wir nur unzureichend Zugang zu diesen Daten bekommen“, sagt Preibisch. Die Polizei verweigere die Herausgabe. Auch eine Teilnahme an der sogenannten Unfallkommission, die Unfallstellen begutachtet und Vorschläge macht, wie der Verkehr dort sicherer werden könne, bleibe dem ADFC verwehrt.

Der behilft sich nun selbst mit der interaktiven Karte. Nicht nur potenzielle Gefahrenstellen sollen hier eingetragen werden, sondern auch „echte“ Unfallstellen. So wie an der Ecke Dölauer Straße/Nordstraße, wo im Sommer dieses Jahres eine Radfahrerin ums Leben kam. Jedermann kann die gefährlichen Punkte eintragen. Ein Informatiker des ADFC, der die Website auch baute, überprüft dann die Angaben und schaltet eine neue blaue Stecknadel frei.

Rund 30 Gefahrenpunkte für Radfahrer in Halle

Rund 30 davon sind schon quer über Halle verteilt, wobei die meisten Gefahrenpunkte in der Innenstadt zu liegen scheinen. Übrigens nicht nur an alten Straßen, die aus einer Zeit stammen, in der bei der Planung nicht an Radfahrer gedacht wurde. Preibisch zufolge werde der Radverkehr bei der Planung neuer Strecken noch immer nicht genug beachtet. „Wir müssen immer nehmen, was übrigbleibt“, meint er.

Beispiel Joliot-Curie-Platz: Mit der Planung für den neuen Platz ist Preibisch alles andere als zufrieden. Wenn man mit dem Rad vom Steintor zur Oper wolle, müsse man künftig einen Umweg über den westlichen Platz nehmen. Die bisher bestehende Möglichkeit, von der Großen Steinstraße direkt rechts hoch zur Oper zu fahren, falle ja weg. „Wir wissen, dass die Radfahrer diesen Umweg nicht mitmachen und auf dem Fußweg fahren werden.“ Diesen Ärger habe die Stadt mit der Planung dann selbst provoziert, so Preibisch. „Insgesamt ist das keine Planung, die uns weiterbringt, sondern die Situation sogar verschlechtert.“

››Die interaktive Karte gibt’s auf www.halle-verkehrt.de (mz)