Er missbrauchte Kinder

Er missbrauchte Kinder : Warum Ex-Heimleiter in Halle weiter mit Kindern arbeitet

Halle (Saale)/Stendal - Ein ehemaliger Heimleiter, der wegen Kindesmissbrauchs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden ist, darf weiter als Pädagoge arbeiten - auch mit Minderjährigen. So hat es am Mittwoch das Landgericht in Stendal entschieden. Der 55-Jährige wohnt und arbeitet jetzt in Halle. Er hatte gestanden, zwei Jungen zwischen 2001 und 2005 insgesamt achtmal zu sexuellen Handlungen genötigt zu ...

Von Dirk Skrzypczak

Ein ehemaliger Heimleiter, der wegen Kindesmissbrauchs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden ist, darf weiter als Pädagoge arbeiten - auch mit Minderjährigen. So hat es am Mittwoch das Landgericht in Stendal entschieden. Der 55-Jährige wohnt und arbeitet jetzt in Halle. Er hatte gestanden, zwei Jungen zwischen 2001 und 2005 insgesamt achtmal zu sexuellen Handlungen genötigt zu haben.

„Der Angeklagte war zwischen 1995 und 2006 zunächst als Mitarbeiter in einer Einrichtung in der Altmark beschäftigt. Später hatte er die Leitung des Hauses übernommen“, sagte Michael Steenbuck, Sprecher des Landgerichts, der MZ.

Heimkinder missbraucht: Ermittlungen erst zehn Jahre später

Dass die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle erst über zehn Jahre nach den Taten begann, lag laut Steenbuck daran, dass erst im Mai 2015 eine Anzeige aus einem Kinderheim gegen den Mann bei Polizei und Staatsanwaltschaft einging. Eines der Opfer soll sein Schweigen gebrochen haben. „Die Anzeige setzte dann umfangreiche Ermittlungen in Gang“, sagte der Gerichtssprecher.

Der Hallenser hatte eine Dienstwohnung in dem Objekt und zumeist von Freitag bis Sonntag in der Nachtschicht auch die Aufsicht im Heim. Im Prozess bezeichnete er diese Situation als Parallelwelt, die ihn offenbar aus den Fugen warf.

Siben Missbrauchsfälle gegen den Hallenser bekannt

Im Herbst 2001 war es dann zum ersten Übergriff gekommen. Der Beschuldigte hatte in seiner Wohnung einen Zwölfjährigen missbraucht - er musste den Heimleiter mit der Hand befriedigen. Das Kind war zu diesem Zeitpunkt erst wenige Monate in dem Heim. Und es blieb keine Ausnahme.

Ab Juli 2003 kam es zu weiteren sexuellen Handlungen mit einem anderen zwölfjährigen Jungen. „Sieben Fälle sind bekannt. Vier davon passierten, als das Opfer das 14. Lebensjahr vollendet hatte“, sagte Steenbuck.

Hallenser kam umfassendes Geständnis zugute

Der Missbrauch ereignete sich auf einer Ostseereise des Heims, in einem Kleinbus, im Zimmer des Schülers sowie in der Wohnung des Heimleiters. Bei der Festsetzung des Strafmaßes - der 55-Jährige muss außerdem 2.000 Euro an eine wohltätige Organisation zahlen - kam dem Hallenser sein umfassendes Geständnis zugute.

Die beiden Missbrauchsopfer, heute erwachsene Männer, waren zwar als Zeugen geladen, mussten aufgrund der Offenheit des Angeklagten aber nicht befragt werden, der sich zudem unter Tränen entschuldigte.

Das Gericht geht zudem davon aus, dass von dem Mann keine Gefahr ausgeht. Deshalb darf er in Halle auch weiter als Lehrer für Erwachsene sowie als Heilpädagoge arbeiten. Einmal pro Woche betreut er in diesem Rahmen auch Kinder und Jugendliche. (mz)