„Die sind Gold wert"

"„Die sind Gold wert"": Wie Sportvereine in Halle von Weiterbildungen am LSB profitieren"

Halle (Saale) - Während in dieser Woche Friseure und Baumärkte wieder öffnen dürfen, zwingt der verlängerte Lockdown den Breitensport, weiterhin auf der Ersatzbank Platz zu nehmen. Um während dieser Pause dennoch nicht untätig zu bleiben, nutzen viele Übungsleiter und Vorstandsmitglieder die Zeit, um sich ...

Von Lina Bartnik 04.03.2021, 15:00
Der Landessport Sachsen-Anhalt bietet Interessierten im Vorstand eines jeden Sportvereins vielseitige und digitale Bildungsangebote.
Der Landessport Sachsen-Anhalt bietet Interessierten im Vorstand eines jeden Sportvereins vielseitige und digitale Bildungsangebote. dpa-tmn

Während in dieser Woche Friseure und Baumärkte wieder öffnen dürfen, zwingt der verlängerte Lockdown den Breitensport, weiterhin auf der Ersatzbank Platz zu nehmen. Um während dieser Pause dennoch nicht untätig zu bleiben, nutzen viele Übungsleiter und Vorstandsmitglieder die Zeit, um sich weiterzubilden.

Landessportbund in Halle bietet Sportvereinen viele Weiterbildungsangebote an

Zahlreiche ehrenamtlich Tätige eignen sich neben dem sportpraktischen Wissen auch Zusatzkenntnisse beim Landessportbund Sachsen-Anhalt in Halle an. „Zu Beginn der Pandemie haben wir erst ein Zögern verspürt. Viele hatten Bedenken, der Teilnahme an Online-Seminaren technisch nicht gewachsen zu sein. Seit Herbst vergangenen Jahres merken wir aber, dass die Online-Angebote sehr nachgefragt sind“, sagt Tobias Knoch, Vorstandsvorsitzender des Landessportbundes in Sachsen-Anhalt (LSB).

Der Verband bietet verschiedene Weiterbildungsprogramme für Vereinsvorstände an. Zum einen können Übungsleiter und Vorstände auf Basis des Lizenzierungssystems des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) eine klassische Übungsleiterausbildung absolvieren. Es ermöglicht das Trainieren von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Zum anderen gibt es die Möglichkeit, sich zum Vereinsmanager ausbilden zu lassen.

Hallescher Verein stellte Athletik- und Techniktraining komplett auf online um

Dabei werden vor allem sportübergreifende Kenntnisse vermittelt, welche besonders für  das Management von Sportvereinen geeignet sind. Interessierte können sich in Sachen Personalentwicklung, Kommunikation, Organisation, Mitgliedermanagement, Recht, Finanzierung und Marketing weiterbilden.

Das half auch Mandy Reber vom Halleschen Eissportclub. Wie so viele musste der Verein, der komplett ehrenamtlich geführt wird, zu Beginn der Pandemie sein Programm überdenken. Mittlerweile „ist das Athletik- und Techniktraining für den Verein komplett auf online umgestellt. Das war ein enormer Kraftakt. Aber es hilft vor allem den Kindern, nicht den Bezug zum Sport und zu ihren Freunden zu verlieren“, erklärt die zweite Vorsitzende des Vereins.

Weiterbildungen durch den LSB zahlen sich für halleschen Sportverein aus

Das Wissen, wie analoges Training zu einem Videoformat umgedacht wird und wie man die Mitglieder am besten erreichen kann, hat sie unter anderem beim LSB gelernt. „Dafür ist die Aus- und Weiterbildung Gold wert. Was ich dort gelernt habe, hat sich jetzt extrem ausgezahlt für uns“, erklärt Reber. So sei die Mitgliederzahl während des vergangenen Jahres konstant geblieben.

Im Gegensatz zu anderen Vereinen habe es in der Corona-Krise kaum Abgänge gegeben. „Die meisten Mitglieder bedanken sich bei uns, dass wir trotz der Umstände uns engagieren.“ Der Verein veröffentlicht zahlreiche Trainingsvideos und kleine virtuelle Sportwettkämpfe auf seinen sozialen Netzwerken und nutzt die Plattformen für die Mitgliederbindung sowie zur Öffentlichkeitsarbeit. „Man muss ja gesehen werden“, erklärt Reber.

Weiterbildung kann als Abend-, Tages- oder Wochenendveranstaltung durchgeführt

Mandy Reber, die mit drei weiteren Ehrenamtlichen das Social-Media-Team bildet, profitiert dabei von ihren Weiterbildungen im Bereich des Datenschutzes sowie Neuer Medien: „Wir gleichen jedes Bild mit den Freigaben der Eltern ab, die wir uns im Voraus eingeholt haben und die es uns erlauben, die Kinder öffentlich zu zeigen. Wir fragen die Eltern jedes Mal „darf ich es veröffentlichen?“

Mandy Reber ist die zweite Vorsitzende des Halleschen Eissportclub e. V. (HEC), der im März 2013 gegründet wurde und den Eissport in Halle fördert. Der Verein konzentriert sich dabei besonders auf das Kinder- und Jugendtraining der Sportarten Eishockey, Eiskunstlauf sowie Ballett- und Athletiktraining für rund 102 Mitglieder. Zusätzlich fungiert der Klub als Inklusionsverein und steht für die Vielfalt im Breitensport.
Für den Verein hat sich Mandy Reber unter anderem in folgenden Kursen weitergebildet:

Ehrenamt neu denken:

Wie tickt ein Ehrenamtlicher heute was braucht er um mitzumachen was sind die Herausforderungen und wie kann ich es als Verein umsetzten.

Ehrenamt kompetent beraten. Begleiten, unterstützen:

Grundlagen der Kommunikation Instrumente der Gesprächsführung Soziale Rollen und diese verstehen.+

Marketing im Sportverein:

Praxisorienttiertes Marketing , Gestaltung eines Konzeptes.

Projekte entwickeln:

Vom Aufbau bis zur Durchführung

Finanzen und Steuern:

Wie darf ich wann versteuern und finanzieren.

Die Weiterbildung zum Vereinsmanager ist zweistufig und kann als Abend-, Tages- oder Wochenendveranstaltung durchgeführt werden. „In den Lerneinheiten werden zunächst Praxisbeispiele mit den notwendigen Grundlagen verbunden, die zur Gestaltung einer zukunftsorientierten Vereinsarbeit erforderlich sind“, schildert Knoch. Darauf aufbauend können weitere Kurse absolviert werden. Am Ende steht eine vereinsbezogene Projektarbeit.

Aufgrund der Anforderungen ist es für LSB herausfordernd Referenten zu finden

Nach Angaben des LSB kann die Weiterbildung rund zwei Jahre dauern. Der Verband arbeitet dabei mit einem festen Referentenstamm. „Oft sind es Personen, die auf irgendeine Art und Weise mit dem Sport verbunden sind und als Referierende etwas zurückgeben möchten. Über den festen Pool hinaus sind wir immer bemüht, neue Referenten zu finden, um die Bildungsangebote vielfältig aufzustellen und so alle aktuellen Bedarfe abdecken zu können“, ergänzt Knoch. 

Das ist jedoch nicht so einfach, denn neben fachlicher Qualifikation sollten die Referenten wissen, wie (Online-) Seminare gestaltet und Inhalte lehrhaft verarbeitet werden, um sie dann praxisnah zu vermitteln. Trotz dieser Herausforderungen werde das Weiterbildungsangebot gut angenommen. Jedes Jahr bilde der Verband rund 15 bis 20 neue Vereinsmanager in Halle aus.

Für Mandy Reber vom HEC sind die Vorteile der Ausbildung für die Vereinsarbeit klar: „Man hat die Möglichkeit für ein Schnäppchen Geld von Leuten, die davon richtig Ahnung haben, verdammt viel zu lernen und wir sehen, was wir für die Kinder erreichen können, was andere Vereine vielleicht verschlafen.“

Sport soll Vielfalt, Fairness und Toleranz vermitteln 

Deshalb will Reber weiter dazulernen. Als Demokratietrainerin plant sie noch in diesem Jahr einen Kurs als Diversity-Berater zu absolvieren. Dabei werden Übungsleitern im Rahmen des „Gemeinsam STARK-Projektes“ Kenntnisse vermittelt, wie man homosexuellen- und transfeindlichen sowie sexistischen Tendenzen im Sport entgegenwirken kann.

„Damit die Kinder einen Ansprechpartner haben und ein Grundverständnis für Vielseitigkeit entwickeln. Wenn Verständnis in den Verein getragen wird, wird es auch nach außen getragen“, erklärt Reber. Und darum soll es ja schließlich gehen: Nicht nur vielseitig, fair und tolerant im Sport, sondern ebenso im täglichen Handeln. (mz)