Deutschlands ältester SchulgartenDeutschlands ältester Schulgarten: Säen, gießen und naschen in Halle

Halle (Saale) - Deutschlands ältester Schulgarten bekommt Sammlung eines ehemaligen Schülers geschenkt.

Von Julia Rau 25.06.2017, 10:00

„Ich bin manchmal sehr erschrocken, wenn Kinder keine Mohrrübe erkennen oder denken, Äpfel wachsen an Sträuchern“, sagt Cornelia Jäger. Die Biologin leitet den Schulgarten der Franckeschen Stiftungen und ist heilfroh, das noch etwa die Hälfte der Schulen im Land einen Schulgarten haben. „Gerade, für Kinder, die in der Innenstadt wohnen, ist es wichtig, dass sie damit in Berührung kommen.“

Der Schulgarten der Stiftungen ist zudem der älteste Schulgarten Deutschlands. Bereits 1698, also direkt mit Gründung des ersten Hauses auf der Anlage, wurden Beete mit Heilpflanzen und Kräutern angelegt. Während anderswo in Deutschland noch Frauen auf den Scheiterhaufen landeten und ein Vorläufer für die Dampfmaschine in Amerika für Neugierde sorgte, widmete man sich in Halle Kamille und Salbei. Bald schon zieht der Garten um, die Anlage wächst. „Der Schulgarten war mal da, wo das Waisenhaus steht“, sagt Cornelia Jäger.

Teil des Biologieunterrichts im Schulgarten

Kurz vor 1900 fand ein Teil des Biologieunterrichts im Schulgarten statt. Vor zehn Jahren musste der Garten erneut weichen. Nun steht er mittendrin: mit 300 Quadratmetern Beetfläche, einem Teich, einem Insektenhotel und dem großen Gewächshaus. Noch immer lernen Schüler der Francke-Schulen hier, was Tomaten zum Wachsen brauchen und wie man Getreide unterscheidet. „Wir haben aber auch Angebote, die für alle Schulen offen sind“, so Jäger.

Sharmila Vinayaga kennt sich im Garten aus. Sie besucht eine Franckeschule und feiert ihren siebten Geburtstag zwischen Johannisbeeren und Schnittlauch. Cornelia Jäger zeigt ihr den Salbei und zerreibt die Blätter in den Händen, damit die neugierige Schülerin daran riechen kann. Zweimal schnüffeln, aber dann ist gut, befindet die Siebenjährige, die jetzt mit dem langen Pflücker Kirschen von den Ästen angeln möchte.

Holzsammlung an Stiftung übergeben

Am anderen Ende des Schulgartens verteilt Waldemar Oehlke Geschenke. Nicht für Sharmila Vinayaga, sondern die Stiftungen. Er übergibt der Stiftung einen großen Teil seiner Holzsammlung. Oehlke ist Mitglied des Freundeskreises der Stiftungen und „ich bin selbst früher hier zur Schule gegangen“. Heute lebt der pensionierte Mediziner in Zwickau. Seinen größten Schatz aber will er in Halle wissen. Oehlke sammelt seit 42 Jahren Holz.

Wenn im Wörlitzer Park ein Baum gefällt wird, vor einem Schwimmbad ein Stamm umkippt oder beim Spaziergang im Urlaub eine Kreissäge zu hören ist, nimmt der Rentner die Beine in die Hand und sammelt scheibchenweise alle Arten, die er bekommen kann. „Ich lasse sie zuschneiden, gerade so groß, wie die Klassiker der deutschen Literatur“, sagt er und lacht. Wie viele Holzarten er hat, weiß er nicht. Auf jeden Fall „zwei Autos voll beladen“.

Touristenführung von Mönchen im Katharinenkloster

Zu jedem einzelnen hat er eine Geschichte parat. Ein Stück habe er zum Beispiel am Rande einer Touristenführung von Mönchen im Katharinenkloster im Sinai bekommen. Ein anderes hat er auf dem Markt in Marokko in der Ecke liegen sehen. „Als ich es haben wollte, war es natürlich plötzlich wertvoll und teuer, also musste ich lange handeln“, erzählt er. Seine Holzschätze in Schmökergröße hat er jahrelang getrocknet, zusägen lassen, sortiert und verpackt. „Aber ich bin nicht mehr der Allerjüngste und bevor es vielleicht irgendwann mal zum Brennholz verkommt, gebe ich es lieber hierher“, erklärte er. Das Sammeln lässt er vorerst aber nicht bleiben. Die wirklich seltenen Stücke bekommt die Stiftung dann später.

Cornelia Jäger weiß auch schon genau, was sie mit dem Geschenk macht. „Wir zeigen den Kindern, wie das Holz eines Baumes innen aussieht. Man merkt schon, wie unterschiedlich die Hölzer sind. Weide ist zum Beispiel viel leichter als Apfelholz. Neulich haben wir erst mit dem Farbstoff aus dem Blutholz Tücher gefärbt“. Genauso wollte es Oehlke. „Ich habe zuerst überlegt, es nach Liechtenstein zu geben, aber da wäre es im Museum hinter Glas. Hier kann jeder das Holz spüren“, sagt er. (mz)