Deichneubau am Gimritzer Damm

Deichneubau am Gimritzer Damm in Halle: Warum sich Betroffene der Hafenstraße dagegen wehren

Halle (Saale) - Geht der geplante Deichneubau am Gimritzer Damm zulasten des Umfelds? Was Betroffene sagen und wie der Bauträger reagiert.

Von Dirk Skrzypczak

Peggy Rarrasch holt ein Foto. Die Aufnahme aus dem Juni 2013 zeigt die Hafenstraße, überspült von der brauen Hochwasserbrühe der Saale. „Das Wasser kam von drei Seiten. In unserem Büro stand es nur 20 Zentimeter hoch. Das klingt wenig. Doch die Nässe hat alles zerstört“, sagt die Inhaberin eines Pflegedienstes.

Die Firma hat sich in der Hafenstraße eingemietet. Und Peggy Rarrasch, die den Pflegedienst mit ihrem Mann Steffen Franz leitet (beide sind übrigens das aktuelle Prinzenpaar in Halle), verfolgt die Debatten zum geplanten Deichneubau am Gimritzer Damm natürlich mit großem Interesse.

Hochwasserschutz am Gimritzer Damm: Es geht wieder hitzig zu

Dass Anwohner der Hafenstraße und des Sophienhafens als Querulanten abgestempelt werden, weil sie sich um ihr Eigentum sorgen und deshalb Klagen gegen das Projekt am Gimritzer Damm drohen, findet sie nicht richtig. „Vielleicht haben die Leute gar keine andere Wahl, als sich zu wehren, weil sie sonst ihren Versicherungsschutz verlieren könnten.“

Es geht wieder hitzig zu, seit im September bei einem nicht öffentlichen Erörterungstermin im Landesverwaltungsamt die Stellungnahmen von Behörden und die Einwände von Privatpersonen zum Hochwasserschutz am Gimritzer Damm behandelt wurden. Nach Auskunft des Landesverwaltungsamtes waren neun Privatleute anwesend. Sie fürchten, dass durch den geplanten Bau der Mauer andere Wohngebiete in Gefahr geraten könnten - bis hin zur Altstadt.

Anwohner Hafenstraße: Fragen und Widersprüche wenden sich nicht gegen das Deichbauprojekt an sich

Von den Betroffenen aus der Hafenstraße will indes niemand öffentlich sprechen, auch aus Angst vor Reaktionen in sozialen Netzwerken, wenn Namen bekannt sind. „Alle anwesenden Bürger, die Einwände hatten, haben aber unmissverständlich betont, dass sich ihre Fragen und Widersprüche nicht gegen das Deichbauprojekt an sich oder die Kompetenz des Landesbetriebs für Hochwasserschutz richten“, sagte eine Anwohnerin der MZ.

In einer Demokratie müsse es möglich sein, auch an Bauprojekten zu zweifeln und für die eigenen Rechte zu kämpfen. Zudem sei gefordert worden, dass die Stadt ihrer Verantwortung gerecht werden müsse, damit auch die Innenstadt bestmöglich geschützt werde.

Hochwasserschutz in Halle als Frage der Zuständigkeit

Frank Friedrich vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) weist auf die unterschiedlichen Zuständigkeiten hin. Der Deich am Gimritzer Damm liege in der Verantwortung des Landes. „Wir kümmern uns um die bereits bestehenden Hochwasserschutzanlagen. Alles, was darüber hinausgeht, liegt im Aufgabengebiet der Stadt.“ Die neue Mauer werde auf der alten Deichlinie errichtet und im Durchschnitt 50 bis 80 Zentimeter über dem alten Dammniveau liegen.

„2013 hatten wir mit Sandsäcken den Deich erhöht, um eine Überflutung der Neustadt zu verhindern. Die Situation für andere Wohngebiete wie die Hafenstraße verändert sich also durch den Neubau nicht.“ Friedrich zufolge würde die geplante Mauer aber auch dem Umfeld nützen. Die Hunderten Helfer, die 2013 am Gimritzer Damm im Einsatz waren, könnten dann anderweitig eingesetzt werden - auch in der Hafenstraße und an anderen Stellen.

Sophienhafen in Halle: Über 100 Wohnungen wurden seit 2013 neu gebaut

Doch Pflegedienst-Chef Steffen Franz hat wie die anderen Bewohner und Geschäftsleute eben leidige Erfahrungen gemacht. „Vor fünf Jahren waren wir hier auf uns alleine gestellt. So eine Situation wünsche ich niemandem. Hier ist viel entstanden, im Umfeld wurde investiert. Diese Werte müssen geschützt werden“, sagt er. Zumal sich auch der Sophienhafen zu einem attraktiven Wohngebiet entwickelt hat.

Über 100 Wohnungen wurden seit 2013 neu gebaut. Auch ein Pflegeheim ist in Planung. Investor ist eine Firma mit Sitz in Lochau. Sie betont, dass die Gebäude so errichtet werden, dass die Saale ihnen nichts anhaben kann. (mz)