Debatte um Geschäftsführerposten

Debatte um Geschäftsführerposten: Aufsichtsrat der halleschen Bühnen ist gespalten

Halle (Saale) - Hinter den Kulissen der halleschen Bühnen brodelt es weiter. Nun dreht sich der Konflikt um eine Personalentscheidung des Aufsichtsrats. Das Gremium hat in seiner Sitzung am vergangenen Freitag mehrheitlich beschlossen, Uta van den Broek als zweite Geschäftsführerin für die Theater Oper und Orchester GmbH Halle (TOOH) einzustellen. Die Stelle muss allerdings noch vom Finanzausschuss des Stadtrats genehmigt ...

Von Tanja Goldbecher
Die Spielzeit der halleschen Oper beginnt mit einem konzertanten Zyklus der legendären Da-Ponte-Trilogie von Wolfgang Amadeus Mozart, mit dem Auftakt von  „Così fan tutte“ an diesem Sonntag.
Die Spielzeit der halleschen Oper beginnt mit einem konzertanten Zyklus der legendären Da-Ponte-Trilogie von Wolfgang Amadeus Mozart, mit dem Auftakt von  „Così fan tutte“ an diesem Sonntag. dpa-Zentralbild

Hinter den Kulissen der halleschen Bühnen brodelt es weiter. Nun dreht sich der Konflikt um eine Personalentscheidung des Aufsichtsrats. Das Gremium hat in seiner Sitzung am vergangenen Freitag mehrheitlich beschlossen, Uta van den Broek als zweite Geschäftsführerin für die Theater Oper und Orchester GmbH Halle (TOOH) einzustellen. Die Stelle muss allerdings noch vom Finanzausschuss des Stadtrats genehmigt werden.

Doppelspitze: Uta van den Broek als zweite Geschäftsführerin

Nach MZ-Informationen teilte sich der Aufsichtsrat bei dieser Entscheidung jedoch in zwei Lager. Während ein Teil der Mitglieder van den Broek als Wunschkandidatin der TOOH-Intendanten ebenfalls favorisierte, übten andere Gremienmitglieder heftige Kritik an der Stellenbesetzung. Dafür gibt es mehrere Gründe. So soll die zweite Geschäftsführerin dem aktuellen Geschäftsführer Stefan Rosinski bereits ab Anfang August zur Seite stehen.

Rosinski bleibt allerdings noch bis zum Sommer 2021 im Amt. Damit würde sich die TOOH für ein Jahr zwei Geschäftsführer leisten. Nach MZ-Informationen würden sich die Personalkosten für die zweite Geschäftsführerin auf rund 120.000 Euro pro Jahr belaufen – und das bei fehlenden Einnahmen in der Corona-Krise.

Kein Grund für zweiten Geschäftsführerposten der halleschen Bühnen

„Es gibt aktuell überhaupt keine Notwendigkeit, eine zweite Geschäftsführerin einzustellen“, beklagt ein Aufsichtsratsmitglied, das namentlich nicht in der Zeitung genannt werden möchte. Geschäftsführer Rosinski sei schließlich noch ein weiteres Jahr im Amt, um den Theaterbetrieb zu leiten und wichtige Entscheidungen zu fällen. Die Stellenbesetzung erinnere vielmehr an „Vetternwirtschaft“.

Van den Broek ist die Vorsitzende des Fördervereins des Puppentheaters und steht damit dem Intendanten Christoph Werner nahe. Außerdem arbeitet sie bisher als Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin in Halle. „Sie hat noch keine Erfahrungen darin gesammelt, die Geschäfte eines Theaters zu leiten“, kritisiert ein weiteres Aufsichtsratsmitglied, das gegen die Einstellung gestimmt hatte.

Kritik am Verhalten des Aufsichtsrats: Vorwurf der Bevorzugung

Außerdem greife der Aufsichtsrat mit der Besetzung in das aktuelle Bewerbungsverfahren um den Geschäftsführerposten ein. Van den Broek zählt zu den 17 Kandidaten, die sich als Rosinskis Nachfolger beworben haben. Laut Kritikern werde sie bevorzugt behandelt, um sie ab 2021 weiterhin als alleinige Geschäftsführerin beschäftigen zu können.

Die Stadtverwaltung wollte sich am Montag nicht zu dem Bewerberverfahren äußern oder Details zur geplanten Einstellung van den Broeks nennen. Die Möglichkeit, einen zweiten Geschäftsführer ernennen zu können, wurde bereits vor fünf Jahren vom Stadtrat beschlossen. Damit sollte der Geschäftsführerwechsel überbrückt werden. (mz)