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Dauerausstellung

Dauerausstellung: Leopoldina zeigt Schriften von Hippokrates, Galilei und Darwin

Halle (Saale) - Ortsnamen eingeben, auf das Such-Symbol klicken und anschließend in historischen Karten blättern - nicht nur für Historiker ist interessant, was das Onlineportal „Kartenarchiv plus“ anbietet. Kartenwerke aus vergangenen Jahrhunderten zu digitalisieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist ein Projekt, an dem auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina beteiligt ist. Vorgestellt wird es in der neuen Dauerausstellung im alten Lesesaal der ...

Von Anja Herold 31.05.2016, 16:00

Ortsnamen eingeben, auf das Such-Symbol klicken und anschließend in historischen Karten blättern - nicht nur für Historiker ist interessant, was das Onlineportal „Kartenarchiv plus“ anbietet. Kartenwerke aus vergangenen Jahrhunderten zu digitalisieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist ein Projekt, an dem auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina beteiligt ist. Vorgestellt wird es in der neuen Dauerausstellung im alten Lesesaal der Akademiebibliothek.

„Ein Schatz zum öffentlichen Nutzen"

„Ein Schatz zum öffentlichen Nutzen - Einblicke in die Sammlungen der Leopoldina“ heißt die kleine Exposition. „Hier sollen den Besuchern die Schätze aus Bibliothek und Archiv präsentiert werden“, sagt Archivleiter Danny Weber.

Vier Themenschwerpunkten widmet sich die Leopoldina-Ausstellung. Den Beginn macht - natürlich - die Geschichte. Die Geschichte der Bibliothek und die Bestände der 1652 gegründeten Akademie: Der erste Bibliothekskatalog aus dem Gründungsjahr der Bibliothek, 1731, in handschriftlicher und gedruckter Version ist ausgestellt, und einige der darin aufgeführten Bücher. Der ersten Bücher, soweit sie noch vorhanden sind - das erste von der Bibliothek erworbene Buch des Botanikers Matthias Lobel stammte aus dem Jahr 1576 und ist heute verschollen.

Digitalisierte Versionen der Bücher zum Durchblättern

Die älteste erhaltene und nun in Halle ausgestellte Schrift stammt von dem Mediziner Georg Bartisch aus dem Jahr 1583. In dem eigens für die Ausstellung angefertigten Möbel mit dem Charakter einer Kulissenbibliothek stehen die noch existierenden Bände; in ihnen kann auch geblättert werden. Nicht wirklich natürlich, dazu sind sie zu wertvoll. Aber auf einem Tablet sind die digitalisierten Versionen zu finden - zusammengetragen aus aller Welt. Die vor allem nach dem 2. Weltkrieg in Richtung Russland verschwundenen Bücher werden durch „Dummies“ - schwarze Einbände - angedeutet.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung ist den Klassikern gewidmet, „den Heroen der Wissenschaftsgeschichte“, wie Danny Weber sie nennt. Schriften von Galileo Galilei, Hippokrates oder Konrad Zuse werden gezeigt oder, in einer Vitrine, Zeichnungen aus einem Band von Mendel, dem „Vater der Genetik“.

Und natürlich geht es um das Archiv der Akademie. Überlieferungen von vier der 7.600 Leopoldina-Mitglieder wurden ausgewählt, sie werden präsentiert in je einer Vitrine. Eine ist Sachs von Löwenheim gewidmet, der die erste naturwissenschaftlich-medizinische Zeitschrift der Welt gründete und deren Erstausgabe in Halle zu sehen ist. Der Eintrag von Charles Darwin im Matrikelbuch kann gelesen werden. Carl Friedrich von Weizsäcker, zu DDR-Zeiten häufig für Vorträge nach Halle gekommen und 1959 in die Akademie zugewählt, wird ebenfalls ein Kapitel gewidmet. Von ihm ist sogar eine launige Rede per Kopfhörer zu hören.

Bedeutung der Vergangenheit für die Gegenwart

„Die vierte Station zeigt Ausschnitte von vier aktuellen Projekten, an denen die Leopoldina beteiligt ist.“ Sie zeigen, sagt Danny Weber, wie wichtig die Sammlungen aus der Vergangenheit für die Gegenwart sind. Eines der Projekte ist die Datenbank für historische Karten, ein weiteres ist die Edition sämtlicher Briefe Ernst Haeckels - ganze 44.000 Stück. Der von Haeckel festgestellte Zusammenhang zwischen Kunst und Natur wird auf einer Bildtafel deutlich.

Die kleine, sehenswerte Präsentation macht die Akademie greifbarer für die Öffentlichkeit. Finanziert wurde sie zu einem großen Teil vom Freundeskreis der Leopoldina. Zu sehen ist sie in der August-Bebel-Straße 50 a ab Donnerstag. Immer dienstags bis donnerstags von 14 bis 18 Uhr und freitags von 14 bis 16 Uhr kann „Ein Schatz zum öffentlichen Nutzen“ besichtigt werden. Auch Führungen sind auf Nachfrage möglich. (mz)