Christliche Akademie

Christliche Akademie: Martha Maria macht auf Kunst

Halle (Saale) - Wohin mit den Händen? Das ist eine Frage der „Körpersprache“, die sicherlich auch bei Fußballreportern wieder in aller Munde sein wird. Und bei jenem   Denker und Lenker namens Jogi Löw, der seine kurzbehosten Untertanen im deutschen Europameisterschaftsteam gern mal mit den Rufen „Körpersprache!“ oder gar „Körperspannung!“ zu deutlicherer Haltung und entsprechendem Handeln anzustacheln versucht. Auch wenn sicher keiner aus seiner Elf auf die Idee käme, die Hände etwa in die Hosentaschen zu stecken: Wohl auch in Ermangelung geeigneter Hosentaschen in den  ...

Von Detlef Färber

Wohin mit den Händen? Das ist eine Frage der „Körpersprache“, die sicherlich auch bei Fußballreportern wieder in aller Munde sein wird. Und bei jenem   Denker und Lenker namens Jogi Löw, der seine kurzbehosten Untertanen im deutschen Europameisterschaftsteam gern mal mit den Rufen „Körpersprache!“ oder gar „Körperspannung!“ zu deutlicherer Haltung und entsprechendem Handeln anzustacheln versucht. Auch wenn sicher keiner aus seiner Elf auf die Idee käme, die Hände etwa in die Hosentaschen zu stecken: Wohl auch in Ermangelung geeigneter Hosentaschen in den  Fußballer-Turnhosen.

Die Frage, „wohin mit den Händen“ oder - besser gefragt - was tun und wie, wird aber  gleichzeitig am Abend mit dem deutschen EM-Spiel auch in der Christlichen Akademie für Gesundheits- und Pflegeberufe in der Fährstraße eine wichtige Rolle spielen. Denn dort wird um 19 Uhr im Neubau ein Kunstwerk seiner Bestimmung übergeben, das sich diese Akademie, die zum Martha-Maria-Diakoniewerk gehört, gerade gegönnt hat: Just in einer Zeit, in der in Halle - der alten Hochburg der Bildenden Kunst! - immer mehr Künstler mit leeren Händen dastehen, weil öffentliche oder institutionelle Aufträge fast gänzlich weggebrochen sind.

Starkes Signal

Es war und ist also ein starkes Signal von Seiten der Christlichen Akademie an den Rest der Gesellschaft, mit ihrem Auftrag an das Künstlerpaar Christin Müller und Sven Großkreutz mal wieder öffentlichkeitswirksam vorzuführen, wie Sinnstiftung mit Hilfe von Kunst funktioniert. Oder wie sie plausibel illustriert werden kann.

Bei der Akademie aus dem Hause Martha-Maria lag es natürlich nahe, die identitätsstiftenden Namensgeberfiguren und ihren biblischen Kontext zum Gegenstand des geplanten Kunstwerks zu machen: Die Schwestern Martha und Maria, die sich - lange vor jeder Frauenquote - als willkommene weibliche Verstärkung im Umfeld von Jesus aufhalten durften.

Höchstmögliche Instanz

Und nicht nur aufhalten durften - sondern? Schon sind wir beim Thema: „Martha machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen“, heißt es im Lukas-Evangelium. Im Unterschied zu Maria, ihrer Schwester, die sich ganz der Kunst des Zuhörens hingibt. Und sich dadurch den Ärger ihrer Schwester zuzieht. Und zugleich ein gern zitiertes Lob von höchstmöglicher Instanz.
Hören und Helfen als quasi zweigestaltige Zuwendung gelten seither als Säulen der diakonischen Arbeit - verkörpert hier in zwei lebensgroßen Figuren: Beide scheinen durchaus zu wissen, wohin mit ihren Händen.

Oder doch nicht? Wer ist wer - bei Christin Müllers so stark und zugleich so verletzlich wirkenden Frauengestalten? Sind die geöffneten Hände hier ein Zeichen fürs Handeln? Oder „nur“ für Bereitschaft und Offenheit? Oder wären das eher die fast gefalteten Hände der Figur gegenüber? Aber wer weiß: Vielleicht müssen derlei Rollen ja gar nicht starr verteilt werden. Vielleicht kann man sie gerecht unter Schwestern aufteilen - mit strengem Wechsel an geraden oder ungeraden Tagen. Oder sie als notwendige Facetten jeweils nur einer Person begreifen?

Die Bilder von Großkreutz illustrieren zunächst das biblische Umfeld von Martha und Maria, zu dem mit der Auferweckung ihres Bruders, des toten Lazarus, eins der spektakulärsten biblischen Wunder gehört. Und sie illustrieren zugleich die gerade für Pflegeberufe nach christlichem Verständnis auch wünschenswerte „Berufung“ - die Sven Großkreutz eindrucksvoll in heutigem und Halle-ähnlichem Ambiente inszeniert hat. (mz)