Boom dank Corona

Boom dank Corona: Krise verschafft Versandunternehmen bei Halle Rekordzahlen

Halle (Saale) - Martin Menz, Chef des halleschen Internethandels-Unternehmens „Relaxdays“, hat eine große Bitte: „Ich wäre glücklich, wenn die Menschen wieder mehr in die Geschäfte gehen und vor Ort einkaufen.“ Die Corona-Krise hat „Relaxdays“ einen immensen Aufschwung verschafft - bis zu 150 Prozent ...

Von Silvia Zöller 16.06.2020, 05:00

Martin Menz, Chef des halleschen Internethandels-Unternehmens „Relaxdays“, hat eine große Bitte: „Ich wäre glücklich, wenn die Menschen wieder mehr in die Geschäfte gehen und vor Ort einkaufen.“ Die Corona-Krise hat „Relaxdays“ einen immensen Aufschwung verschafft - bis zu 150 Prozent Wachstum.

Doch das sei für das Unternehmen mit 300 Mitarbeitern kaum noch zu stemmen: „Wir sind zu klein“, sagt Menz. Dringend benötige „Relaxdays“ in diesem Jahr bis zu 100 neue Mitarbeiter, viele davon für den Lager- und Versandbereich. Aber auch Softwareentwickler, Mitarbeiter im Support und im Content, Teamleiter. „Wir haben Bedarf in allen Bereichen“, so der Chef.

Martin Menz startete als Unternehmer mit 20 Jahren und verkaufte damals über Ebay Computerteile, Socken und alles, was er über Großhändler bekam. Der Durchbruch kam mit dem Verkauf von Kopfmassagegeräten, die er in hohen Stückzahlen absetzen konnte. Der Firmenhauptsitz ist heute in der Berliner Straße, wo früher Wartburgs produziert wurden. Die Produkte aus den Bereichen Garten und Freizeit stammen aus Asien.

Versandunternehmen bei Halle kann nicht auf Homeoffice umstellen

Über ein Wachstum von 50 Prozent in den letzten drei Jahren freut sich der Firmengründer natürlich. Das Unternehmen hat heute einen Jahresumsatz von 51 Millionen Euro. „Ein Wachstum von 50 Prozent ist nicht das Problem“, so der 34-Jährige, der „Relaxdays“ im Jahr 2006 aus der Taufe hob. Doch in der Coronakrise seien viele Dinge zusammengekommen: Angefangen von der Paketzustellung, die zum Teil problematisch gewesen sei über die Überstundenbelastung der Mitarbeiter bis hin zur Unmöglichkeit in einem Versandunternehmen auf Homeoffice umzustellen.

„Stay at home geht bei einem Umsatzzuwachs von 150 Prozent nicht“, sagt Martin Menz. Vor allem im Lager und Versand gab es alle Hände voll zu tun. Nicht nur in der Berliner Straße in Halle, sondern auch in Könnern und im Starpark hat das Unternehmen mittlerweile Lager mit einer Gesamtfläche von 45.000 Quadratmetern. Mehr als 10.000 verschiedene Produkte werden von hier europaweit versandt. „Wir stemmen das derzeit irgendwie“, sagt Klaus Malyska, der das hallesche Lager leitet.

Boom danke Corona-Krise: Relaxdays am Limit

Die Mitarbeiter sind in Teams von zwölf bis 15 Leuten organisiert, die zusammenarbeiten. Was man für den Job braucht, weiß Munther Alghanem, der seit zehn Monaten bei „Relaxdays“ im Lager arbeitet: „Man muss flexibel sein und beweglich.“ Denn für das Zusammenstellen der Pakete und das Packen sei schon eine gewisse Fitness notwendig.

Aber zu schwer sei die Arbeit auch nicht - vielmehr sei sie auch von der Körperkraft her für die Frauen im Team machbar. „Wir alle hier würden uns über neue Kollegen als Verstärkung freuen“, sagt der 34-Jährige.

Expansion nach Sachsen

Parallel dazu will Martin Menz nun auch nach Leipzig und Dresden expandieren. „In Leipzig werden im Juli ein Büro für Softwareentwickler eröffnen“, sagt er. 30 Kollegen werden dort arbeiten. In Dresden sind ebenfalls Büros für IT-Mitarbeiter geplant, die dann von dort aus die Webshops betreuen sollen.

Nicht von zuhause, sondern in Büros sollen die Computerexperten entwickeln. „Denn eine Firma entsteht aus Zusammenarbeit“, ist sich Martin Menz sicher. Wichtig ist dem Unternehmer jedoch, dass er nicht Nutznießer der Krise sein will. „Wir bieten Ware vor, während und nach Corona an und machen seit 15 Jahren unseren Job“, betont er. (mz)