Bleibt Neustadt gefährdet?

Bleibt Neustadt gefährdet?: Dämpfer für die Deichpläne am Gimritzer Damm

Halle (Saale) - Anwohner östlich der Saale sind gegen den Neubau einer Mauer am Gimritzer Damm. Klagen drohen. Die Neustadt bleibt damit akut in Gefahr.

Von Dirk Skrzypczak 22.09.2018, 05:00

Gegen den geplanten Deichneubau am Gimritzer Damm regt sich erheblicher Widerstand vor allem aus der Hafenstraße und dem Sophienhafen. So konnte nach MZ-Informationen beim nicht öffentlichen Erörterungstermin im Landesverwaltungsamt keine Einigung mit Anwohnern erzielt werden, die gegen das Hochwasserschutzprojekt Sturm laufen.

„Neun private Personen waren anwesend. Ihre Einwände bezogen sich unter anderem auf die mögliche Gefährdung ihres Eigentums“, sagte Behördensprecherin Denise Vopel der MZ. Eine zeitliche Prognose, wann Baurecht für die Hochwasserschutzanlage besteht, könne man nicht geben.

Gimritzer Damm in Halle: Landesbetrieb für Hochwasserschutz reagiert ernüchtert

Mehr als fünf Jahre nach der verheerenden Saaleflut im Juni 2013 haben die Hoffnungen damit einen Dämpfer erhalten, 2019 mit dem Bau der vorgesehenen, rund 1,3 Kilometer langen Schutzmauer am Gimritzer Damm beginnen zu können. Frank Friedrich vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) reagierte ernüchtert. „Aus unserer Sicht konnten wir im Vorfeld eigentlich alle Bedenken ausräumen. Nun müssen wir abwarten, ob Leute klagen werden, wenn der Baubeschluss vorliegt.“

Und dass Privatpersonen juristisch gegen den Bau vorgehen, hält Klaus-Dieter Weißenborn für wahrscheinlich. Er sitzt im Hochwasserbeirat der Stadt, vertritt in dem Gremium die Neustadt und durfte als Zuhörer die Erörterung verfolgen. „Nach fünf Stunden hat mir der Kopf gequalmt. Ich bin dafür, dass sofort gebaut wird. Und über 40.000 Menschen in der Neustadt sind es auch.“ Dass Anwohner aus der Hafenstraße und dem nahen Sophienhafen auf die Barrikaden gehen, kann er nicht verstehen.

„Sie fürchten, dass die Schutzmauer am Gimritzer Damm für sie gefährlich wird“

„Da werden die alten Kamellen aufgewärmt, die längst ausgeräumt sind. Sie fürchten, dass die Schutzmauer am Gimritzer Damm für sie gefährlich wird“, sagte Weißenborn der MZ. Argumentation der Gegner: Der Wall könnte bei einem Hochwasser die Saale aufstauen, so dass es das Wasser nach Osten in die Altstadt drückt. Weißenborn hat noch eine andere Theorie. „Das Land und die Neustadt sollen als Geisel genommen werden, um Geld für den privaten Hochwasserschutz zu bekommen. Dabei sollte man die Projekte nicht gegeneinander ausspielen.“

Was ihn wundert: Proteste gegen dem neuen Deich am Gimritzer Damm kamen auch aus dem Ratswerder-Viertel. „Von dort hätte ich eher Widerstand gegen die Sanierung und Erhöhung des Passendorfer Deichs erwartet, die jetzt ja beendet worden ist. Aber dagegen hatte niemand etwas.“

Hochwasserschutz in Halle: Alter Damm ist am Ende

Das Landesverwaltungsamt will nun die einzelnen Stellungnahmen auswerten und die Erkenntnisse in das Verfahren einfließen lassen. Ohne einen funktionierenden Hochwasserschutz ist die Neustadt in akuter Gefahr. Der noch vorhandene Deich ist seit der Flut 2013 löchrig wie ein Schweizer Käse. Vor fünf Jahren war es Hunderten Einsatzkräften und Helfern mit einer schier übermenschlichen Leistung gelungen, einen Deichbruch zu verhindern.

„Von seiner Funktion als auch der Standsicherheit ist der Deich nicht mehr nutzbar“, sagte Frank Friedrich vom LHW. Der Landesbetrieb favorisiert jetzt den Bau einer Stahlbetonwand am vorhandenen Deich, die auf Pfählen im Boden verankert werden soll - um die Grundwasserleiter nicht zu kappen. 3,3 Millionen Euro will das Land investieren - wenn es denn bauen darf. (mz)