Blackout nach Terror

Blackout nach Terror: Wie gut ist der Landessüden auf Angriff auf Stromnetz gerüstet?

Halle (Saale) - Ist der Landessüden gut gerüstet, wenn Angreifer das Stromnetz lahmlegen? Polizei, Behörden und Bundeswehr proben den Ernstfall.

Von Oliver Müller-Lorey 30.11.2017, 10:14

Die Großübung, bei der die Polizei, Bundeswehr, die Stadt, Landkreise und viele andere Beteiligte einen Terrorangriff am halleschen Hauptbahnhof simulieren, ist am Mittwoch in die zweite Runde gegangen. Bei dem fiktiven Szenario gingen die Behörden davon aus, dass auf den Terroranschlag mit mehr als 30 Toten und Hunderten Verletzten ein Cyber-Angriff auf die Stromversorgung im Süden Sachsen-Anhalts folgte.

Wie schon am Dienstag fand die Übung ausschließlich in Gebäuden statt, Einsatzkräfte waren nicht draußen vor Ort. Denn geübt werden sollten vor allem die Abläufe im Krisenstab und die Kommunikation zwischen den rund 300 Beteiligten.

Großübung: Auch die Information der Bevölkerung im Krisenfall wurde geprobt

Es ging dabei etwa darum, wie Rettungskräfte kommunizieren können, wenn wegen des Blackouts alle Telefone ausgefallen sind und wie sensible Infrastruktur, Krankenhäuser und wichtige Industrieanlagen mit Notstrom weiterbetrieben werden können. Auch die Information der Bevölkerung im Krisenfall wurde geprobt - ohne dass die am Mittwoch aber etwas davon mitbekommen hat.

Mit dem Ablauf der Übung zeigten sich alle Beteiligten im Großen und Ganzen zufrieden, jedoch gebe es auch noch Verbesserungsmöglichkeiten. „Unser neues Konzept bei lebensbedrohlichen Einsatzlagen hat sich bewährt“, sagte etwa Tamara Zieschang, Staatssekretärin im Innenministerium.

Erfahrungen aus Terror- und Amoklagen

Erfahrungen aus Terror- und Amoklagen wie in München und Ansbach seien ins Konzept miteingeflossen. Eine große Herausforderung sei es, die Informationsflut während einer Terrorlage zu verarbeiten. Viele Hinweise würden in dieser Zeit aus der Bevölkerung auf die Sicherheitsbehörden einprasseln - nicht alle davon seien wahr. „Da müssen wir schauen, ob es vielleicht Software-Lösungen gibt“, sagte Zieschang.

Bei der Terror- und der Stromausfall-Übung war jeweils auch die Bundeswehr beteiligt. Das Szenario ging davon aus, dass die gepanzerten Fahrzeuge der Polizei nicht reichen, weshalb Fahrzeuge der Truppe angefordert werden mussten. „Die kritische Größe war dabei aber die Zeit Zwischen dem Antrag auf Unterstützung bis zur deren Zusage. Dafür haben wir rund 60 Minuten gebraucht, da müssen wir noch schneller werden“, sagte Oberst Halvor Adrian vom Landeskommando Sachsen-Anhalt.

Noch Optimierungsbedarf bei der Zeit für Amtshilfeersuche

Das sieht auch das Innenministerium so. Zieschang sagte: „Im Vergleich zu anderen Bundesländern waren wir gut, aber es gibt trotzdem noch Optimierungsbedarf bei der Zeit für Amtshilfeersuche.“

Vor der Übung hatte sich SPD-Innenexperte Rüdiger Erben wiederholt zur seiner Meinung nach mangelnden Versorgung von Notstromaggregaten in Sachsen-Anhalt geäußert. Andere Länder wie Hessen, wo ein Landkreis so viele Kapazitäten habe, wie ganz Sachsen-Anhalt zusammen, seien deutlich besser aufgestellt. Lutz-Georg Berkling, Referatsleiter im Innenministerium entgegnete, die Netzbetreiber seien gut auf eine solche Lage vorbereitet.

Es gebe durchaus große mobile Notstromaggregate, zudem könne in viele alte Häuser und Plattenbauten gar kein Notstrom eingespeist werden. Die beiden Übungstage werden im März ausgewertet. (mz)