„Bis hin zu Praktikanten“

„Bis hin zu Praktikanten“: Impfaffäre um Bernd Wiegand - Gesamtes OB-Büro geimpft?

Halle (Saale) - Die Impfaffäre um Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) und zehn Stadträte nimmt offenbar viel größere Dimensionen an. „Ich hatte mehrere Anrufe aus dem Rathaus. Dort wurde mir gesagt, dass das gesamte OB-Büro bis hin zu Praktikanten und drei von vier Beigeordneten ebenfalls gegen das Coronavirus geimpft worden sein sollen. Die Reichweite dieses Skandals muss umgehend aufgeklärt werden“, forderte der CDU-Kreisvorsitzende Marco ...

Von Dirk Skrzypczak 06.02.2021, 18:34
Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) hat sich vorzeitig gegen das Coronavirus impfen lassen.
Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) hat sich vorzeitig gegen das Coronavirus impfen lassen. ZB

Die Impfaffäre um Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) und zehn Stadträte nimmt offenbar viel größere Dimensionen an. „Ich hatte mehrere Anrufe aus dem Rathaus. Dort wurde mir gesagt, dass das gesamte OB-Büro bis hin zu Praktikanten und drei von vier Beigeordneten ebenfalls gegen das Coronavirus geimpft worden sein sollen. Die Reichweite dieses Skandals muss umgehend aufgeklärt werden“, forderte der CDU-Kreisvorsitzende Marco Tullner.

Wiegand hatte gegenüber der MZ bestätigt, dass er die erste Immunisierung erhalten hatte, ebenso zehn Stadträte. „Sich in Zeiten akuter Impfstoffknappheit, in der noch nicht einmal alle Personen aus der Risikogruppe 1 geimpft werden konnten, vorzudrängeln, zeugt von einem fehlenden moralischen Kompass“, erklärte der Fraktionsvorsitzende Andreas Scholtyssek. Alle Mitglieder der CDU-Fraktion hätten versichert, dass sie das Impfangebot des OB nicht angenommen hätten.

Stadtrat durch Impfungen diskreditiert

„Wer wie der OB seit Monaten täglich vor dem Virus warnt, mit teilweise überzogenen Maßnahmen agiert und Solidarität zwischen den Menschen einfordert, sich dann aber an erstbester Stelle entsolidarisiert, erweist sich der Bedeutung des Amtes als nicht würdig“, so Scholtyssek. In gleichem Maße verurteile man das Verhalten jener Stadträte, die ohne medizinische Begründung geimpft worden sind. Sie würden den gesamten Stadtrat diskreditieren.

Wie viele Personen aus dem Umfeld des OB und aus dem Katastrophenstab geimpft worden sind, könne er nicht sagen, hatte Wiegand am Nachmittag erklärt. Er werde nicht informiert, welche Personen eine Impfung bekommen, wenn sie durch den Zufallsgenerator ausgesucht werden. Dieser Generator kommt laut Wiegand zum Einsatz, wenn am Ende des Tages noch angebrochene Impfdosen übrig sind, die sonst vernichtet werden müssten. Es gebe keine gesetzliche Regelung, wie mit diesen Impfstoffen umgegangen werden müsse. Das Gesundheitsministerium hat dieser Darstellung bereits widersprochen. (mz)