Besinnlicher Müll

Besinnlicher Müll: Kunstwerk macht auf unnötigen Abfall in der Umwelt aufmerksam

Halle (Saale) - Seit Sonntag brennt die erste Kerze auf dem Adventskranz. Auch auf dem Universitätsplatz steht bis Heiligabend dieser weihnachtliche Schmuck. Er besteht allerdings nicht aus Tannengrün und Wachs. Eine Künstlergruppe der Umweltbewegung „Extinction Rebellion“ hat aus Müll einen Adventskranz gebastelt. Vier rote Fässer stellen die Kerzen dar, über ihnen lodern goldene Rettungsdecken. Schuhe, eine Computertastatur und alte Verpackungen zieren den ...

Von Tanja Goldbecher
Vier Künstler haben einen Adventskranz aus Müll kreiert. Bis Heiligabend steht er auf dem Uniplatz.

Seit Sonntag brennt die erste Kerze auf dem Adventskranz. Auch auf dem Universitätsplatz steht bis Heiligabend dieser weihnachtliche Schmuck. Er besteht allerdings nicht aus Tannengrün und Wachs. Eine Künstlergruppe der Umweltbewegung „Extinction Rebellion“ hat aus Müll einen Adventskranz gebastelt. Vier rote Fässer stellen die Kerzen dar, über ihnen lodern goldene Rettungsdecken. Schuhe, eine Computertastatur und alte Verpackungen zieren den Kranz.

Müll für Kunstwerk im Paulusviertel von der Straße eingesammelt

„Wir wollen die Leute dazu bringen, inne zu halten, um sich auch in dieser hektischen Zeit an unsere Umweltprobleme zu erinnern“, sagt Elisabeth Lehr, eine von insgesamt vier Künstlern, die an der Installation beteiligt waren. Die Fässer hat die Gruppe von einem Schrottplatz besorgt, die Rettungsdecken waren noch von einer Demonstration übrig. „Den restlichen Müll haben wir im Paulusviertel von der Straße eingesammelt“, sagt die 21-jährige Lehramtsstudentin.

Sie seien selbst überrascht gewesen, in welche kurzer Zeit so viel Abfall zusammengekommen ist. Auf den Fässern sind Texte angebracht, die die Aktion Passanten erklären. „Wir produzieren viel zu viel Müll, Lebensmittel sind Stück für Stück einzeln verpackt, ganze Geräte werden einfach weggeworfen, anstatt sie zu reparieren“, heißt auf einem der Fässer.

Kunstwerk gegen unnötigen Abfall: Online-Shopping zu vermeiden

Dieser Lebensstil gehe auf Kosten anderer Lebewesen und der Umwelt. Es reiche nicht aus, Plastiktüten zu verbieten. „Stärkere Recyclingvorschriften und die Besteuerung von Plastikverpackungen können für Hersteller ein Signal sein, wegzukommen von der Norm der kleinsten Verpackungseinheit“, fordert die Künstlergruppe.

Sie empfiehlt zudem, Online-Shopping zu vermeiden und Unverpacktläden zu besuchen. In Halle gibt es so ein Geschäft am August-Bebel-Platz. „Geschenke können auch selbstgebastelt, anstatt immer nur gekauft werden“, sagt Lehr. Sie ist nicht nur bei „Extinction Rebellion“, sondern auch bei der Schülerbewegung „Fridays for Future“ aktiv.

Fässer und das Holzgestell des Kunstwerks kommen ins Hausprojekt auf dem Galgenberg

Ihr sei es als angehende Lehrerin wichtig, die Forderungen der Jugendlichen ernstzunehmen. In Halle gefällt der gebürtigen Fränkin das viele städtische Grün. Dennoch müsse die Stadt mit Blick auf die Umwelt noch einiges tun. „Radfahren ist in Halle zum Beispiel eine ziemliche Katastrophe“, sagt die Umweltaktivistin. Der Adventskranz auf dem Uniplatz soll am 24. Dezember abgebaut und recycelt werden.

Die Fässer und das Holzgestell, das die Künstler aus einem alten Gartenzaun zusammengesetzt haben, werden zum Hausprojekt auf dem Galgenberg gebracht. „Aus einem alten Monitor habe ich bereits eine Lampe erstellt“, sagt Lehr. Nur für die vielen Plastikverpackungen gibt es keinen neuen Nutzen. (mz)