Bei Impfung gelogen

Bei Impfung gelogen: Hallescher Stadtrat und Landtagsabgeordneter sorgt für Entsetzen

Halle (Saale) - Dem CDU-Landtagsabgeordneten und Stadtrat Andreas Schachtschneider droht nach MZ-Informationen der Rauswurf aus seiner Partei und aus der CDU-Fraktion im Stadtrat. Grund ist das Verhalten des 60-Jährigen in der Impfaffäre. Durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft war bekannt geworden, dass sich auch der Politiker bereits hat impfen lassen - innerhalb seiner Partei soll er aber bislang geleugnet haben, gegen das Coronavirus immunisiert worden zu ...

Von Dirk Skrzypczak
Andreas Schachtschneider in Neustadt

Dem CDU-Landtagsabgeordneten und Stadtrat Andreas Schachtschneider droht nach MZ-Informationen der Rauswurf aus seiner Partei und aus der CDU-Fraktion im Stadtrat. Grund ist das Verhalten des 60-Jährigen in der Impfaffäre. Durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft war bekannt geworden, dass sich auch der Politiker bereits hat impfen lassen - innerhalb seiner Partei soll er aber bislang geleugnet haben, gegen das Coronavirus immunisiert worden zu sein.

„Ich bin fassungslos. Anfang Februar hatte ich ihn noch gefragt, ob er das Impfangebot angenommen hat. Damals hat er es verneint, auch schriftlich. Ich muss das jetzt erst einmal verdauen“, sagte Bildungsminister und CDU-Kreisvorsitzender Marco Tullner.

Politiker bedauert Spritze

Die MZ hatte Schachtschneider am Dienstag mit seiner Impfung konfrontiert. Daraufhin verschickte Schachtschneider per Mail am Nachmittag eine persönliche Erklärung. Danach habe er am 25. Januar einen Anruf vom Leiter des Impfzentrums bekommen. Er habe sich spontan dazu entschieden, das Angebot anzunehmen.

„Ich bin 60 Jahre alt und habe mich damals mit den Voraussetzungen des Impfanspruchs nicht beschäftigt“, so Schachtschneider. Im Nachhinein bedauere er seine Entscheidung. Dass er innerhalb der CDU nicht die Wahrheit gesagt haben soll,  darauf geht er nicht ein.

Vorstände beraten

„Ich bin sehr überrascht und schwer enttäuscht. In der Fraktion hat er sich seit Bekanntwerden der Impfaffäre nie erklärt. Gelegenheiten dazu gab es reichlich“, sagte Fraktions-Chef Andreas Scholtyssek der MZ. Man werde den Fall nun in der Fraktion beraten und über Konsequenzen nachdenken.

Auch Tullner spricht von einem massiven Vertrauensverlust. Am Mittwochabend werde sich der Kreisvorstand treffen und das weitere Vorgehen beraten. „An unserer Haltung hat sich nichts geändert. Es kann nicht sein, dass sich Politiker beim Impfen vordrängeln.“ Unklar ist, was die neuen Informationen nun für die Kandidatur Schachtschneiders für den Landtag bedeuten. Am 6. Juni will er als Spitzenkandidat im halleschen Wahlkreis I,  Bereich  Neustadt/Dölau, erneut für die CDU ins Rennen gehen. (mz)