Ausstellung erinnert an Künstler

Auf den Spuren von Halles Heimatmaler Karl Werner

Von Claudia Crodel
Dieses Haus in der Dölauer Schulstraße hat Karl Werner 1961 gemalt.  Das Original beherbergt das Stadtarchiv.
Dieses Haus in der Dölauer Schulstraße hat Karl Werner 1961 gemalt. Das Original beherbergt das Stadtarchiv. (Repro: Jörg-Thomas Wissenbach)

Halle (Saale)/MZ - Karl Werner (1892 bis 1963) war Malermeister in Halle Dölau. Aber nicht nur das: Er hat sich auch künstlerisch betätigt. Unermüdlich hat er gezeichnet und gemalt. Er hat sich in besonderer Weise immer wieder Motiven aus seiner unmittelbaren Umgebung gewidmet wie etlichen Gebäuden und markanten Punkten in der Landschaft in Dölau, aber auch im nördlichen Saalekreis wie dem Petersberg. Er hat detailreiche Federzeichnungen davon angefertigt, Aquarelle und Gemälde.

Der promovierte Jurist Jörg-Thomas Wissenbach hat nicht nur seine Anwaltskanzlei in Dölau, sondern gibt auch mit einigen anderen enthusiastischen Bewohnern aus Halles Stadtteil zweimal im Jahr ein Dölauer Heft heraus, das sich jeweils einem für den Ort typischen Thema widmet und dessen Historie aufarbeitet. „In unseren Dölauer Heften haben wir mehrfach am Beginn von Kapiteln dazu passende Zeichnungen oder Bilder von Karl Werner abgebildet“, erzählt Wissenbach. Dafür benutzte das Dölauer-Hefte-Team unter anderem Kopien von Arbeiten Werners, die im Jahr 2005 anonym im Stadtarchiv abgegeben worden waren. Zudem fand es heraus, dass heute noch etliche Dölauer Werke von Werner besitzen und direkte Erinnerungen an den Künstler haben, der 1963 kinderlos in Dölau verstarb.

Außerdem hat Karl Werner eine Vielzahl von Wandbildern geschaffen, die jedoch meist nicht mehr erhalten sind. „Von 1946 bis 1954 ging ich in die Dölauer Schule und konnte in fast jedem Klassenraum die schönen Wandmalereien bestaunen, die Karl Werner meist in den Sommerferien fertigte und damit Schüler und Lehrer zu Beginn des neuen Schuljahres erfreute“, blickt beispielsweise Renate Stobe zurück, die einst als Flüchtlingskind nach Dölau kam und nach der Wende Schulleiterin der Grundschule Dölau war.

Sie erinnert sich auch an Motive aus den Klassenzimmern ihrer Kindheit, wie die Steinerne Jungfrau, das Saaletal bei Wettin oder die Burg Giebichenstein. Auch in den Dölauer Gaststätten bemalte Werner Wände. So berichtet Uta Keßler, Tochter des Inhabers des Cafés Hartmann, darüber, dass Werner zwei Seiten des Saals mit Wandbildern versehen hatte. „Diese künstlerisch wertvollen Arbeiten sind einer Renovierung der HO in den 1960er Jahren zum Opfer gefallen. Damit hatte der Saal erheblich an Atmosphäre verloren“, so ihre Meinung.

In der Nacht der Kirchen, am 21. August, 18 Uhr, soll eine Ausstellung mit Arbeiten des Dölauer Heimatmalers in der katholischen Kirche „Maria Königin“ in der Hans-Litten-Straße eröffnet werden. Gemeindereferent Johannes Knackstedt habe auch Bilderrahmen zur Verfügung gestellt. In der Ausstellung werden vorwiegend Kopien von Werken Karl Werners zu sehen sein, teilweise von den Blättern aus dem Stadtarchiv. Dazu kann der Ausstellungsbesucher auf einigen Schautafeln in die Erinnerungen der Ortsteilbewohner eintauchen. „Aber wir werden zur Ausstellungseröffnung auch Originale präsentieren“, sagt Jörg-Thomas Wissenbach. „An diesem Abend werden einige Dölauer ihre Bilder mitbringen.“

Wissenbach hofft darauf, bis dahin noch weitere Informationen über den Künstler herauszubekommen. „Wer kann noch Bilder beisteuern? Vielleicht, weiß ja jemand, wer der entfernte Verwandte war, der einst den Nachlass ins Stadtarchiv gebracht hat. Und vielleicht kann sich ja der Unbekannte bei uns melden“, so Wissenbach.

Über ra-wissenbach@t-online.de oder der Telefonnummer 0345/550 89 89 kann man mit Jörg-Thomas Wissenbach Kontakt aufnehmen.