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Ermittlungen laufen auf HochtourenAnschlag Halle Saale auf Synagoge: Hatte Rechtsextremist Stephan B. Mittäter?

Halle (Saale) - Nach dem Angriff eines Rechtsextremisten auf die Synagoge und der Tötung von zwei Menschen in Halle/Saale arbeiten die Ermittler an einem möglichst kompletten Bild der Tathintergründe. Die Wohnung des mutmaßlichen Täters, eines 27-Jährigen Deutschen, sei durchsucht und Beweismittel sichergestellt worden, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Donnerstagmorgen. Es werde geprüft, ob es Mittäter gegeben habe. Das im Internet aufgetauchte Bekennervideo und ein „Manifest“ des mutmaßlichen Täters sind nach dpa-Informationen ...

10.10.2019, 11:03
Stück für Stück setzen die Ermittler das Bild vom Angriff des Rechtsextremisten auf die Synagoge in Halle zusammen. Was trieb den 27-Jährigen an?
Stück für Stück setzen die Ermittler das Bild vom Angriff des Rechtsextremisten auf die Synagoge in Halle zusammen. Was trieb den 27-Jährigen an? ATV-Studio/AP

Nach dem Angriff eines Rechtsextremisten auf die Synagoge und der Tötung von zwei Menschen in Halle/Saale arbeiten die Ermittler an einem möglichst kompletten Bild der Tathintergründe. Die Wohnung des mutmaßlichen Täters, eines 27-Jährigen Deutschen, sei durchsucht und Beweismittel sichergestellt worden, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Donnerstagmorgen. Es werde geprüft, ob es Mittäter gegeben habe. Das im Internet aufgetauchte Bekennervideo und ein „Manifest“ des mutmaßlichen Täters sind nach dpa-Informationen authentisch.

Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft hat die Tat ein rechtsextremistisches und antisemitisches Motiv. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sprach von einer „neuen Qualität des Rechtsextremismus in Deutschland“. Er beobachte eine politische Entwicklung, die Rechtsextremismus fördere, sagte Schuster dem Deutschlandfunk.

Attacke auf Halles Synagoge: Jüdische Gemeinde kritisiert Polizei

Zuvor hatte Schuster schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben: „Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös.“

Die CSU gibt der AfD eine Mitverantwortung an der Tat. „Das eine sind diese schrecklichen Gewalttäter, vor denen wir uns schützen müssen, das andere sind auch die geistigen Brandstifter, da sind in letzter Zeit auch einige Vertreter der AfD in unverschämter Weise aufgefallen“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann im Interview mit dem Sender Bayern 2 des Bayerischen Rundfunks.

Nach Anschlag in Halle: CSU-Politiker attackiert AfD-Höcke scharf

Namentlich nannte Herrmann in diesem Zusammenhang den Thüringer AfD-Spitzenpolitiker, Björn Höcke: „Höcke ist einer der geistigen Brandstifter, wenn es darum geht, wieder mehr Antisemitismus in unserem Land zu verbreiten. Darüber müssen wir jetzt die politische Auseinandersetzung konsequent führen.“

Nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft ist das Bekennervideo sei eindeutig antisemitisch und rechtsextremistisch. „Er hat geplant, Menschen zu töten“, so ein Ermittler. Der mutmaßliche Täter war den Behörden zuvor offensichtlich nicht aufgefallen. Die Bundesanwaltschaft sieht eine staatsgefährdende Tat. Ermittelt wird unter anderem wegen Mordes und Mordversuchs.

Einzelheiten über den vermutlich verletzten Stephan B. aus Sachsen-Anhalt wurden zunächst nicht offiziell bekannt. Derzeit wird das Umfeld des Mannes ermittelt. (dpa)