100 Naturschützer, aber kaum Befürworter

100 Naturschützer, aber kaum Befürworter: Podiumsdiskussion um A143 scheitert fast

Halle (Saale) - Eine Podiumsdiskussion über die Trasse scheitert fast: Es sind kaum Befürworter da. Manche Gegner kennen den Verlauf der Straße überhaupt nicht.

Von Oliver Müller-Lorey 01.08.2018, 09:30

Seit 2007 stockt der Weiterbau der Autobahn 143 westlich von Halle. Da war es bezeichnend, dass auch eine geplante Podiumsdiskussion über die Schnellstraße am Montagabend in der Trothaer Saaleschule keinen leichten Start hatte. Fast wäre sie sogar ganz ausgefallen, weil sich ausschließlich Gegner der A143 in der Aula versammelt hatten und somit zunächst niemand Argumente für die Autobahn vortragen wollte.

Podiumsdiskussion zur A143: Gegner der Trasse stehen allein auf der Bühne

So standen die schärfsten Gegner Conrad Kunze von der Bürgerinitiative Saaletal und Andreas Liste vom Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zum geplanten Start um 20.30 Uhr zunächst alleine auf der Bühne. „Den verkehrspolitischen Sprecher der CDU, den Landrat des Saalekreises, Frank Bannert, den Landesverwaltungsamts-Präsidenten und den Oberbürgermeister habe ich zwar eingeladen, aber sie haben abgesagt“, sagte Kunze. Auch die SPD, die Grünen und der ADAC seien nicht gekommen. „Man sieht, wenn es darauf ankommt, haben sie keine Courage, sich zu äußern“, stellte er fest.

Debatte zur A143: Befürworter sieht sich mehr als 100 Naturschützern gegenüber

Doch dann fand sich doch noch ein Befürworter der A143: Jan Riedel, der eine Petition für deren Weiterbau ins Leben gerufen und bislang knapp 3.900 Unterschriften gesammelt hat. Einen leichten Stand hatte er in der Aula freilich nicht. Sie war voll mit Teilnehmern der „Tour de Natur“-Demonstration, die seit Tagen mit dem Rad von Kassel nach Leipzig zieht und derzeit in Halle Station macht.

Riedel, akkurate Frisur, sauberes Hemd, stand alleine mehr als 100 Naturschützern gegenüber. Viele von ihnen kamen vom Zeltlager, das sie auf dem Schulhof aufgeschlagen hatten; manche barfuß, einige Männer um die 70 Jahre alt auch nur mit einer Unterhose bekleidet.

Befürworter der A143: Anwohner der Ausfallstraßen würden krank von Lärm und Schadstoffen

So saßen sie da, bereit, sich über die Autobahn zu informieren, deren Bau die Teilnehmer bereits bei einer Kundgebung zuvor auf dem Markt abgelehnt hatten. Ein Zuschauer der Diskussion bat vor Beginn darum, man möge ihm den Verlauf der Autobahnen rund um Halle auf einer Karte zeigen, er sei ja nicht von hier und kenne sich deshalb auch nicht aus. Auf einem Blatt Papier zeichnete ihm jemand den Verlauf von Halles unvollständigem Autobahnring auf.

Riedel machte den Anfang und erzählte, wie er von Dölau aus 30 Minuten für acht Kilometer bis zur Autobahn brauche. Er sorge sich um Zehntausende Menschen, die entlang der Ausfallstraßen wohnten und krank von Lärm und Schadstoffen würden. „Von der Autobahn versprechen wir uns Entlastung. Die Prognosen sprechen zwar nur von 3.000 Autos weniger, aber das ist zu tief gegriffen.“

Es nerve ihn, dass die Diskussion über die A143 sich zu einem politisch-ideologischen Grabenkampf entwickelt habe. Er selbst fahre jeden Tag 15 Kilometer mit dem Rad zur Arbeit und sei auch für eine Verkehrswende. „Aber als Befürworter wird man immer gleich stigmatisiert. Überhaupt keine einzige Straße mehr zu bauen, kann doch nicht unsere Antwort sein!“

Gegner der A143: „Die Stadt wird keine Entlastung durch die Autobahn erfahren.“

Conrad Kunze hingegen sagte, dass genau das aber die Antwort sein müsse. Deutschland wolle schließlich Vorreiter in Sachen Energie- und Verkehrswende sein. Man brauche die A143 nicht, weil es schon die Bundesstraße 86 gebe, die ebenfalls einen Weg vom Südwesten in den Norden ermögliche. Andreas Liste prognostizierte: „Die Stadt wird keine Entlastung durch die Autobahn erfahren.“

Schon beim Bau der A14 habe man den Hallensern weniger Verkehr versprochen, was nie eingelöst worden sei. Im Gegenteil: Neue Autobahnen hätten eine Sog-Wirkung und könnten den Verkehr eher noch verstärken. Man sei für den Schutz von Menschen und Natur. „Und wenn man für etwas ist, ist man auch gegen etwas.“ (mz)