Gericht

Komplizierte Haft-Berechnung für Frau aus Gräfenhainichen

Mehrere Strafen summieren sich für Frau aus Gräfenhainichen.

Eine Gefängniszelle hatte die Frau schon vorher zu sehen bekommen. Foto: imago images/Lichtgut

Gräfenhainichen - Eine gelernte Verkäuferin aus Gräfenhainichen, inzwischen 45 Jahre alt, ist von der 4. Strafkammer des Landgerichts Dessau-Roßlau zu einer Gesamtstrafe von acht Monaten verurteilt worden. Die Vollstreckung der Haft konnte nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden. Zu oft schon war die Frau mit den Gesetzen in Konflikt geraten.

Nach Angaben von Gerichtssprecher Frank Straube sind in ihrem Bundeszentralregister, das mit dem Jahr 1999 beginnt, zwölf Einträge vorhanden. Die meisten Urteile sind seither wegen Betrugs verhängt worden. Und weil es auch zum Widerruf von Bewährungen kam, hatte die Gräfenhainichenerin in der Vergangenheit eine Gefängniszelle bereits von innen gesehen. Gleichwohl war das keine Erfahrung, die sie davon abhielt, im Zusammenhang mit Internetverkäufen erneut zur Betrugsmasche zu greifen.

Nicht geliefert

Zunächst brachte sie im Oktober 2019 in einem Internetauktionshaus einen Fliesenschneider, einen Zahnspachtel und weiteres Zubehör für den Heimwerkerbedarf zum Preis von 290 Euro an den Mann. Allerdings kassierte sie zwar das Geld, lieferte aber nie die Ware aus.

Nach dem gleichen Muster ging sie im Dezember 2019 vor. Da sollte sie für 19,99 Euro drei Damen-Jeans an den Kunden senden. Was freilich nicht geschah. Die Konsequenz: Von der ersten Instanz hatte die Frau wegen Betruges in zwei Fällen eine Gesamtstrafe von sieben Monaten erhalten.

Dass nunmehr die Berufungsinstanz die Strafe um einen Monat erhöhte, verstößt jedoch nicht gegen das Verschlechterungsverbot. Die Hintergründe dazu erläuterte der Pressesprecher. „Zwischen den zwei Betrugsstraftaten lag Mitte November 2019 eine Verurteilung der Frau wegen falscher Verdächtigung. Da hatte es 120 Tagessätze gegeben. Von dieser Entscheidung geht eine Zäsur-Wirkung aus“, so Frank Straube.

Auf diese rechtliche Konstellation musste die Berufungskammer unter dem Vorsitz von Thomas Knief reagieren. Sie bildete aus der Einzelstrafe von sechs Monaten für den ersten Betrug und den 120 Tagessätzen, die vier Monaten Gefängnis entsprechen, die achtmonatige Gesamtstrafe. Isoliert stehen bleibt zudem die Einzelstrafe für den zweiten Betrug. Das sind zwei Monate. Insgesamt schlagen also am Ende zehn Monate Haft zu Buche.

Ein Monat weniger

Trotzdem ist es zu keiner Schlechterstellung der Angeklagten gekommen. Frank Straube rechnete vor: „Sie hat sieben Monate vom Amtsgericht mitgebracht. Mit den vier Monaten, die es für die falsche Verdächtigung gab, wäre sie auf elf Monate gekommen. Jetzt sind es zehn. Und damit ein Monat weniger.“ (mz/Andreas Behling)