Gastspiel

Kohle als Tradition in Ferropolis auf der Bühne

Das Theaterensemble „Das letzte Kleinod“ gastiert noch bis Mittwoch in Ferropolis. Was Zuschauer erwartet und an welche Geschichte erinnert wird.

Von Julius Jasper Topp
Szene aus der Inszenierung „Kohlezug“, die das Ensemble „Das letzte Kleinod“ derzeit jeden Abend  in Ferropolis zeigt.
Szene aus der Inszenierung „Kohlezug“, die das Ensemble „Das letzte Kleinod“ derzeit jeden Abend in Ferropolis zeigt. (Foto: Simon Haulleville)

Gräfenhainichen - Die Geschichten von Zeitzeugen aus der Ära des Kohleabbaus in der Region wird seit Montag in einem Theaterstück auf der Halbinsel im Gremminer See erzählt. Dort, wo heute noch die gigantischen Tagebaugroßgeräte vom einstigen Hauptwirtschaftszweig künden, wird das Eisenbahntheater „Das letzte Kleinod“ noch bis zum Mittwoch das Stück „Kohlezug“ aufführen.

Dafür haben die Macher des Stücks in den vergangenen Jahren mit Zeitzeugen aus den Zeiten des Tagebaus gesprochen. Die Szenen in den offenen Wagen erzählen vom Bergbau, der Transformation der Industriebrachen und dem Klimawandel durch die Kohleverbrennung. Bergbaubetriebe und Traditionsvereine stellten Relikte zur Verfügung, die in der Theatervorstellung genutzt werden.

Anhand der geführten Interviews wurden szenische Texte erstellt, die jetzt mit lokalen und professionellen Darstellern aufgeführt werden.

Kohlebau-Geschichte erhalten

Auch Ferropolis-Geschäftsführer Thies Schröder hatte bei einem Stammtisch der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) in der Stadt aus Eisen in der vergangenen Woche den Wert der Zeitzeugen-Arbeit hervorgehoben. Dabei müsse man sich auch die Frage stellen, wie man das Erbe dieser Ära denen vermittele, die nur noch Seen kennen, wo einst Tagebaulöcher waren. In zwanzig Jahren sei man dann auf die Berichte derer angewiesen, die diese Zeit noch selbst erlebt hatten. Und dass müsse jetzt geschehen. Auch dafür seien Projekte wie das des „Kohlezuges“ ein wichtiger Baustein.

Das Zugtheater selbst war bereits im vergangenen Jahr zu Gast in Ferropolis. Da hatte sich die Theatertruppe mit deutschen Kriegsheimkehrern aus sowjetischen Gefangenenlagern beschäftigt und das Stück „Komme bald“ aufgeführt. „Das letzte Kleinod“ hat seinen Heimatbahnhof im niedersächsischen Geestenseth an der Bahnlinie von Bremerhaven nach Buxtehude. Das Reisedomizil ist ein ozeanblauer Zug, in dem Werkstätten, Technik, Büro und Küche sowie Unterkünfte für die Schauspieler untergebracht sind. Das Ensemble tritt überall auf, wohin die Schienen reichen. In Deutschland, aber auch im europäischen Ausland.

Lange Tradition

Der Tagebau bei Gräfenhainichen war insbesondere ab 1957 ausgeweitet worden, um die Kraftwerke in Zschornewitz und Vockerode mit Braunkohle zu versorgen. Bereits Anfang der 1970er Jahre wurde der Abbau zunächst stark zurückgefahren, da das Zschornewitzer Kraftwerk - lange Zeit eines der größten seiner Art - auf Erdgas umgerüstet wurde.

Da diese Umrüstung allerdings zu technischen Schwierigkeiten führte, wurde Mitte der 70er Jahre wieder auf Braunkohle umgestellt und der Tagebau im Gebiet Golpa-Nord ging bis zur vollständigen Auskohlung 1991 weiter. Bis zu 820 Menschen arbeiteten damals in der Region im Tagebau und förderten etwa 70 Millionen Tonnen Kohle. Das Kraftwerk in Zschornewitz wurde schrittweise bis Ende der 90er Jahre stillgelegt.

Tickets gibt es im Netz unter www.das-letzte-kleinod.de. Karten kosten 24 Euro, 14 Euro ermäßigt. Das Stück „Kohlezug“ wird noch heute und morgen, jeweils um 19 Uhr aufgeführt. Info-Telefon werktags 10 bis 13 Uhr: 04749/1030060 (mz/red)

Ihr Lokalreporter:
 Julius Jasper Topp  (jjt), 
Telefon:  03491/45 88 36,
E-Mail: juliusjasper.topp@mz.de
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(Grafik: MZ)