Handball

Frauenpower im Stadtwald von Gräfenhainichen räumt Unrat weg

Spielerinnen der BSG Aktivist Gräfenhainichen sammeln keine Punkte, sondern Müll. Zum Frühjahrsputz gehört am Sonnabend das Säubern der Schilder.

Fanny Weber (li.) und Kimberley Alexa Löffler säubern im Gräfenhainichener Stadtwald Schilder. Foto: Sven Wieder

Gräfenhainichen - Das hat selbst Axel Mitzka noch nicht erlebt. Für den Chef des Vereins Dübener Heide, dessen Gründungsmitglied er nach der Wende war, war das eine ungewöhnliche Premiere. Er erhielt am Samstag am Jösigk beim Frühjahrsputz tatkräftige und prominente Unterstützung. Das Frauenteam der BSG Aktivist Gräfenhainichen - mit Blick auf die Oberliga-Tabelle immerhin aktuell die zweitbeste Sieben in Mitteldeutschland - rückte gut gelaunt an.

Kult und Magie am Jösigk

Laut Spielplan steht am Wochenende die Partie gegen Jena auf dem Plan. Die Thüringer sind ohne Zähler Vorletzter. Doch die BSG-Frauen sammeln nicht Punkte, sondern Müll ein. „Den Dreck anderer Leute“, sagt Mitzka, der schon bei der Einweisung Entwarnung gibt. Es gebe genug zu tun für die 17 Mitstreiter auf Zeit. „Wir haben leichte und schwere Arbeit“, sagt Mitzka bei der kurzen Auftaktberatung am Morgen. Neben dem Freischneiden der Wanderwege gehört das Schleppen von illegal entsorgten Autoreifen aus der Natur zu den Aufgaben.

Auch das „touristische Leitsystem“ wird aufgepeppt. Die Schilder werden geputzt. Für Mitzka ist das besonders wichtig, und er verwendet Schlagworte wie „Wald-Kommunikation“ oder der „gläserne Wald“. Wer hier wandert, erhält viele Informationen. Dabei sei gerade der Jösigk etwas ganz Besonderes, „Der Ort hat was“, sagt Mitzka. Er spricht von Kult.

Das kann Hans-Joachim Kramer nur bestätigen. „Gerade unsere auswärtigen Spielerinnen staunten nicht schlecht, als sie nach kilometerlanger Fahrt durch den Wald vor einer Wiese und einem Haus angelangt waren. Das ist doch magisch, hat etwas Märchenhaftes“, sagt der BSG-Chef, der die Idee für diese ungewöhnliche Trainingseinheit hatte. „Eigentlich wollten wir Bäume pflanzen, aber da waren wir zu spät dran“, berichtet er.

Trotzdem fällt die Bilanz positiv aus. „Es hat sich gelohnt“, sagt der Vorsitzende im Gespräch mit der MZ. „Der Einsatz hat Spaß gemacht, wäre aber eigentlich vermeidbar. Genau dann, wenn jeder seinen Müll zu Hause entsorgt. Und vielleicht vor dem Waldspaziergang überlegt, was man mitnimmt. Spielzeugautos aus Plaste sollten da ganz unten oder niemals auf der Bedarfsliste stehen“, meint Kramer, der noch am Sonnabend in den sozialen Medien Bilder von den gesammelten Müll-Bergen gepostet hat. Der Verein erhält für die „tolle Aktion“ innerhalb von wenigen Minuten viele positive Kommentare. „Wenn nicht in der Halle, dann hier: Das war spitze!“, kommentiert zum Beispiel Gudrun Honig.

„Wir wollten uns auch mal wieder in der Öffentlichkeit präsentieren“, so Kramer. Das hat auch die Ballsportgruppe - das sind die Jüngsten - beim Training an der Freilichtbühne schon getan. Trotzdem lautet die Botschaft vom Samstag: „Wir sind noch da!“

Applaus außerhalb der Halle

Und Mitzka hofft sogar auf ein baldiges Wiedersehen. Für eine Baumpflanzaktion eigne sich der Herbst besonders, empfiehlt der Fachmann. Eine Zusage freilich kann es nicht geben. Kramer hofft, dass bis dahin der Alltag wieder in der Sporthalle Lindenallee zurückgekehrt ist und die neue Saison auf Hochtouren läuft und die Fans ihrer Sieben wieder zu jubeln. Applaus allerdings gab es in den sozialen Medien bereits am Samstag. (mz/Michael Hübner)

Die Handballerinnen sammeln Müll im Gräfenhainichener Stadtwald.
Foto:Wieder