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Dorfkirche in SchkönaDorfkirche in Schköna: Pfarrer statt Baumeister

Schköna - Albrecht Henning hat in der Heide einige Kirchen in neuem Glanz erstrahlen sehen. Seine Berufung bleibt dennoch die Seelsorge.

Von Ulf Rostalsky 24.09.2018, 09:39

Eine Kirche ist ein Ort des Glaubens. „Sie soll aber auch optisch wirken, strahlen.“ Aus dieser Meinung macht Pfarrer Albrecht Henning kein Geheimnis. Ihm liegt viel am Erhalt der Gotteshäuser im Pfarrbereich Krina. „Um es aber ganz deutlich zu sagen. Ich bin Pfarrer, Seelsorger, Ansprechpartner. Ich bin kein Baumeister.“

Auf den ersten Blick überrascht die Aussage des 50-Jährigen. Schließlich hat er seit seiner Einführung als Pfarrer im September 1997 immer wieder teils sehr komplexe Bauvorhaben begleitet. Acht Kirchen im eigenen Pfarrbereich und das stattliche Gotteshaus in Pouch erlebten einen zweiten Frühling in der Amtszeit Albrecht Hennings.

„Zufall“, sagt der und spielt wieder einmal den flachen Ball. Er sei dabei gewesen. Nicht mehr und auch nicht weniger. „Aber mir ist wichtig, dass die Orte des Glaubens erhalten bleiben. Dass wir das, was uns unsere Vorfahren übergeben haben, erhalten.“ Für Hennig zählt nur der Gleichklang. Bau und Glaube gehören zusammen. Mehr als einmal unternahm der Kirchenmann mit den Gemeindemitgliedern einen Kraftakt. In Summe wurden Millionen Euro investiert. Der Aufwand lohnt.

„Schön. Einfach schön ist sie geworden.“ Das hört der Pfarrer beim Gottesdienst am Sonntag in der Schkönaer Kirche immer wieder. Er selbst ist gefangen von Licht und Farbe. Begeistert von einer auffälligen Schlichtheit im Kirchenschiff. Weniger ist in Schköna seit der umfangreichen Innensanierung mehr. „Mehr braucht es auch nicht. Die Kirche wirkt“, freut sich Albrecht Henning und feiert den ersten Gottesdienst in Schköna nach 260 Tagen Pause.

Die Wartezeit hat gelohnt. Das ist die einhellige Meinung in der Kirche, die bereits vor zehn Jahren äußerlich auf Vordermann gebracht worden war. Jetzt hat die Gemeinde einen neuerlichen Kraftakt gemeistert. Noch ist die Endabrechnung nicht amtlich. „Aber ich gehe nicht zuletzt wegen des reibungslosen Bauablaufs von den kalkulierten 160 000 Euro aus.“ Den Großteil des Geldes stellen Landeskirche und Kirchenkreis zur Verfügung. Etwa zehn Prozent der Gesamtkosten muss die kleine Gemeinde stemmen.

Auch deshalb wehrt sich Pfarrer Albrecht Henning dagegen, dass ihm die Rolle des Alleinunterhalters zugeschrieben wird. „Die Gemeinde ist ein wesentlicher Teil. Gerade in der Heide gibt es aus diesem Kreis heraus immer wieder Ideen.“

Den Eigenanteil für die Innensanierung in Schköna zusammenzutragen, gelang auch durch den Verkauf der sogenannten Schlemmerfibel. Auf 50 Seiten sind Rezepte zusammengetragen, die in den Heidedörfern seit einer gefühlten Ewigkeit Anwendung finden. Es gibt Sommererbsensuppe und Kübelsauer, dazu Bigos und Oma Gretchens Soleier. Die Rezepte stehen hoch im Kurs.

Der Buchverkauf brachte bisher 5 000 Euro ein. „Wir lassen es aber nicht nur bei den Büchern. Wir kochen auch nach den Rezepten“, erklärt der Pfarrer. Am Reformationstag wird in Schköna gefeiert. Ab 14 Uhr steigt das Kirchenfest. Es gibt einen Gottesdienst mit Superintendent Christian Beuchel, anschließend Kaffee und Kuchen und Gerichte aus der Schlemmerfibel.

Gut möglich, dass der Erlös hilft, einen weiteren Traum zu realisieren. Die Schkönaer Kirche soll zur „Christuskirche“ werden. „Dazu brauchen wir aber noch eine Christusfigur“, betont Albrecht Henning.

(mz)