Regionalgeschichte

Medienrummel in Eisleben: Besuch der chilenischen Politikerin Gladys del Carmen Marín Millie

Von Beate Thomashausen 09.01.2022, 13:15
Natürlich war auch ein Fernsehteam an jenem Julitag in Eisleben, um den Besuch der chilenischen Kommunistin in Bild und Ton festzuhalten. Dicht an dicht drängten sich die Menschen auf dem Eisleber Plan. Damals  waren Kollektive ebenso wie Pionier- und FDJ-Gruppen dazu angehalten,  vor der Tribüne und dem Lenindenkmal zu stehen und den Reden der Politprominenz zuzuhören.
Natürlich war auch ein Fernsehteam an jenem Julitag in Eisleben, um den Besuch der chilenischen Kommunistin in Bild und Ton festzuhalten. Dicht an dicht drängten sich die Menschen auf dem Eisleber Plan. Damals waren Kollektive ebenso wie Pionier- und FDJ-Gruppen dazu angehalten, vor der Tribüne und dem Lenindenkmal zu stehen und den Reden der Politprominenz zuzuhören. (Foto: Rolf Fricke)

Eisleben/MZ - Im Juli 1974 besuchte die chilenische Politikerin Gladys del Carmen Marín Millie die Lutherstadt Eisleben. Auf dem Plan rund ums Lenindenkmal fanden sich damals hunderte Menschen ein, um die Chilenin zu sehen. Sie war eine Kampfgefährtin und Freundin von Pablo Neruda, Salvador Allende, Luis Corvalan und Víctor Jara. Insbesondere Luis Corvalan war ein allgegenwärtiger Name in der DDR.

Den chilenischen Kommunisten, der während der Pinochet-Diktatur inhaftiert war, kannte in den 1970er Jahren jedes Schulkind der DDR. Gladys Marin, sie war Generalsekretärin des Kommunistischen Jugendverbandes in Chile, fand in der Zeit der Pinochet-Diktatur in Chile unter anderem in der DDR politisches Asyl.

Gladys Marin spricht auf der Bühne am Plan  ins Mikrofon.
Gladys Marin spricht auf der Bühne am Plan ins Mikrofon.
(Foto: Rolf Fricke)
Die Politprominenz von damals: SED-Bezirkschef Werner Felfe und  FDJ-Generalsekretär  Egon Krenz mit der Chilenin Gladys Marin.
Die Politprominenz von damals: SED-Bezirkschef Werner Felfe und FDJ-Generalsekretär Egon Krenz mit der Chilenin Gladys Marin.
(Foto: Rolf Fricke)
Eine typische Pose, die Gladys Marin hier einnimmt: Die rechte Faust hoch in die Luft gereckt.
Eine typische Pose, die Gladys Marin hier einnimmt: Die rechte Faust hoch in die Luft gereckt.
(Foto: Rolf Fricke)
Venceremos bedeutet überwinden und ist der Titel eines vor 50 Jahren weithin bekannten Kampfliedes.
Venceremos bedeutet überwinden und ist der Titel eines vor 50 Jahren weithin bekannten Kampfliedes.
(Foto: Rolf Fricke)
Blumen für Lenin.
Blumen für Lenin.
(Foto: Rolf Fricke)

Gladys Marin von vielen DDR-Funktionären begleitet

Eine Mitstreiterin des berühmtesten politischen Gefangenen persönlich zu erleben, dürfte viele Menschen aus Eisleben und weit darüber hinaus zum Eisleber Plan gezogen haben. Gewiss bestand die Mehrheit der hunderte Zuschauer aus Pionier- und FDJ-Gruppen der Stadt. Der Helbraer Hobbyfotograf Rolf Fricke hielt den Besuch der Politprominenz in Eisleben im Bild fest.

Jedes Foto ein unwiederbringliches Zeitzeugnis, das einen Blick in die Zeit in Eisleben vor fast 50 Jahren erlaubt. Er erinnert sich noch, wie er sich damals einen Weg zur Tribüne bahnen musste, um die Fotos schießen zu können.

Begleitet wurde Gladys Marin von einem Tross DDR-Funktionäre, unter ihnen Werner Felfe, Chef der SED-Bezirksleitung Halle und Egon Krenz, dem letzten DDR-Staatsführer nach Erich Honecker. Marin starb am 6. März 2005 in Santiago. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde sie beigesetzt.