Eisleben

Eisleben: Taufbecken bewegt Gemüter

eisleben/MZ. - So lauteten einige der Fragen an Gemeindepfarrerin Iris Hellmich, Projektleiterin Simone Carstens-Kant sowie Martin Fröhlich vom Berliner Büro AFF Architekten, das die Sanierung und den Umbau der Kirche geplant und umgesetzt hat. Das Becken habe einen Durchmesser von 2,20 Meter und sei 70 Zentimeter tief, sagte Hellmich; das Wasser könne bei Bedarf erwärmt werden; und nein, es gebe noch keine Anmeldungen für eine ...

Von Jörg Müller 24.04.2012, 18:23

So lauteten einige der Fragen an Gemeindepfarrerin Iris Hellmich, Projektleiterin Simone Carstens-Kant sowie Martin Fröhlich vom Berliner Büro AFF Architekten, das die Sanierung und den Umbau der Kirche geplant und umgesetzt hat. Das Becken habe einen Durchmesser von 2,20 Meter und sei 70 Zentimeter tief, sagte Hellmich; das Wasser könne bei Bedarf erwärmt werden; und nein, es gebe noch keine Anmeldungen für eine Ganzkörpertaufe.

"Es kommt auch gar nicht darauf an, etwa eine bestimmte Zahl von Taufen zu erreichen", sagte Pfarrerin Carstens-Kant. Anliegen des Zentrums, das am kommenden Sonntag feierlich eröffnet wird, sei, das Thema Taufe stärker ins Gespräch zu bringen. "Die Besucher sollen auch angeregt werden, sich selbst zu befragen: Was bedeutet Taufe für mich?" Das große Taufbecken, das es so in keiner anderen protestantischen Kirche in Deutschland gebe, werde diese persönliche Tauferinnerung unterstützen. Zudem verdeutliche das größere Gewässer den Bezug auf die Schöpfung sowie die Taufe Jesu im Jordan. Und nicht zuletzt habe sich auch Luther, für den die Taufe eines der wichtigsten Ereignisse seines Lebens darstellte, dafür ausgesprochen, "dass die Täuflinge ganz in das Wasser eingetaucht werden", so Carstens-Kant.

Pfarrerin Hellmich hob neben der hellen und freundlichen Atmosphäre besonders die Tatsache hervor, dass die neue Bodenplatte bis nach draußen reiche: "Die Kirche ist barrierefrei, das ist sehr wichtig. Auch im übertragenen Sinne: Wir wollen Menschen in die Kirche einladen." Sie erinnerte auch noch einmal an die kontroversen Diskussionen im Vorfeld der Umgestaltung. "Das war auch ein schmerzhafter Prozess. Aber wir können uns die Kirche als reine Gemeindekirche einfach nicht mehr leisten. " So sei die Idee einer "Themenkirche" entstanden. Das erste Konzept für ein Zentrum Taufe hatten die Pfarrer Claudia Bergmann und Scott Moore, die Amtsvorgänger Hellmichs, erarbeitet. Sanierung und Umbau der Kirche haben rund zwei Millionen Euro gekostet und sind über das Unesco-Welterbestätten-Programm und mit Konjunkturpaket-Mitteln gefördert worden.

Das Zentrum Taufe wird Führungen, Seminare und Workshops anbieten. Zielgruppen sind Touristen ebenso wie Schulklassen, Konfirmandengruppen und andere interessierte Besucher. "Die Kirche soll ein noch lebendigerer Raum werden", so Carstens-Kant. Diesem Zweck dient auch das bewegliche Mobiliar aus heimischen Obsthölzern, das je nach Veranstaltung anders angeordnet werden kann.