Millionen sind bewilligt

Eisleben: Fördermittel zur Sanierung der St. Andreaskirche bewilligt

Eisleben - Eisleben: Fördermittel zur Sanierung der St. Andreaskirche bewilligt

Von Jörg Müller 05.04.2020, 07:15

Es ist so weit: Nach jahrelanger Vorbereitung kann die umfassende Innensanierung der Eisleber St. Andreaskirche beginnen. „Der Fördermittelbescheid ist eingegangen“, sagte Pfarrerin Iris Hellmich der MZ, „wir freuen uns sehr.“ Aus einem besonderen Programm der Europäischen Union und des Landes Sachsen-Anhalt zur „Verbesserung der Präsentation und nachhaltigen Nutzung des kulturellen Erbes“ werden rund 4,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Dazu kommen weitere rund 1,1 Millionen Euro: Eigenmittel von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, dem Evangelischen Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda und der Kirchengemeinde St. Andreas-Nicolai-Petri sowie Zuwendungen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung. Damit können insgesamt rund 5,4 Millionen Euro investiert werden.

Sanierung der St. Andreaskirche in Eisleben

Wie Hellmich sagte, würden die ersten Ausschreibungen jetzt auf den Weg gebracht. Bevor die eigentlichen Bauarbeiten starten, wird das wertvolle Kunst- und Kulturgut in der Kirche, wie der gotische Schnitzaltar, die jüngst restaurierte Luther-Kanzel, Skulpturen und Epitaphien, durch Auslagerung oder Einhausung vor Baustaub und Beschädigungen geschützt. Zum Erhalt und zur Sicherung des historischen Ausstattungsbestands sind konservierende restauratorische Arbeiten geplant.

Ein Schwerpunkt der Baumaßnahme wird die Südwand der Kirche sein. Im Zuge der umfangreichen bauvorbereitenden Untersuchungen hatten Fachleute festgestellt, dass vor allem diese Wand - wo die Platanen stehen - schwerer geschädigt ist, als bislang bekannt. „Die Wand ist bis zu 60 Zentimeter aus dem Lot nach außen geneigt“, so der Architekt Jan Schwesinger vom halleschen Büro cuboidoo, das die Sanierung plant und leitet.

Eisleben: Sanierung des Nordturms nicht im Projekt enthalten

Die Standsicherheit der Wand sei erheblich gefährdet. Laut Pfarrerin Hellmich sei auf Grund der vorgefundenen Schäden die ursprüngliche Fördersumme noch einmal erhöht worden. „Alles werden wir aber trotzdem nicht schaffen.“ So sei die Sanierung des Nordturms nicht in dem Projekt enthalten.

Weiterer Schwerpunkt neben der Instandsetzung der Mauern, Gewölbe und Decken ist die Umsetzung eines neuen Nutzungskonzepts. „Es soll eine offene und lebendige Kirche als Kulturstätte und bürgerliches Zentrum der Stadt und der Region entstehen“, so die Pfarrerin. Natürlich werde sie ihren Charakter als Gotteshaus und Hauptkirche in Eisleben behalten.

Für die Besucher sollen Kunst, Musik und Spiritualität erlebbar sein. Sehr wichtig sei die barrierefreie Zugänglichkeit. Wobei es nicht nur um Barrieren im wörtlichen Sinne geht. So soll zum Beispiel eine mittelalterliche Skulptur als Tastmodell für Sehbehinderte nachgebaut werden. Als Haupteingang wird künftig das Portal auf der Südseite genutzt, weil dort mit relativ wenig Aufwand Barrierefreiheit geschaffen werden kann. Als Übergang zwischen dem Kirchenschiff und dem jetzigen Foyerbereich auf der Westseite wird es eine Rampe geben. Auch auf der Empore werden künftig Besucher sitzen können, weil in einem Raum an der Westseite eine Treppe als zweiter Rettungsweg eingebaut wird.

Sanierung der Kirche: Flächenheizung mit Erdwärme

Eine wichtige Rolle spiele die Umweltfreundlichkeit, sagte Pfarrerin Hellmich. So wird in den Fußboden und in die Wände eine Flächenheizung eingebaut, die mit Erdwärme betrieben wird. Die Heizung werde laut den Architekten für eine konstante Temperatur um 18 Grad Celsius sorgen. Bisher wird die Kirche in der kalten Jahreszeit für Veranstaltungen geheizt und kühlt dann wieder aus - was insbesondere dem Holzinventar schadet. Auch die Elektro-, Sanitär- und Lüftungsanlagen werden modernisiert sowie ein neues Beleuchtungskonzept umgesetzt.

Auch die Orgel wird saniert. Dafür stehen 200.000 Euro aus einem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes zur Verfügung. Weitere Fördermittel und Zuwendungen sind in Aussicht. Das gesamte Bauprojekt soll bis Ende 2021 geschlossen sein. (mz)