Altes Neustädter Rathaus in Eisleben

Altes Neustädter Rathaus in Eisleben: Wer bezahlt die Notsicherung?

Eisleben - Eine Notsicherung des alten Neustädter Rathauses in Eisleben würde rund 110.000 Euro kosten. Das sagte der hallesche Architekt Jörg Kowalski bei einer Beratung, zu der Stadtrat Horst Tetzel (Linke) eingeladen hatte. Tetzel hat vor mehr als einem Jahr eine neue Initiative zur Rettung des seit mehr als 40 Jahren leerstehenden Gebäudes an der Ecke Breiter Weg/Annengasse gestartet. Erster Erfolg: Das Bauordnungsamt des Landkreises Mansfeld-Südharz hat den Denkmalpflege-Fachmann Kowalski mit einem Gutachten zum aktuellen Zustand des alten Rathauses beauftragt. Für Kowalski ist das auf jeden Fall ein positives Zeichen: „Der Landkreis hat ein Interesse daran, dass das Gebäude nicht ...

Von Jörg Müller 28.05.2015, 18:06

Eine Notsicherung des alten Neustädter Rathauses in Eisleben würde rund 110.000 Euro kosten. Das sagte der hallesche Architekt Jörg Kowalski bei einer Beratung, zu der Stadtrat Horst Tetzel (Linke) eingeladen hatte. Tetzel hat vor mehr als einem Jahr eine neue Initiative zur Rettung des seit mehr als 40 Jahren leerstehenden Gebäudes an der Ecke Breiter Weg/Annengasse gestartet. Erster Erfolg: Das Bauordnungsamt des Landkreises Mansfeld-Südharz hat den Denkmalpflege-Fachmann Kowalski mit einem Gutachten zum aktuellen Zustand des alten Rathauses beauftragt. Für Kowalski ist das auf jeden Fall ein positives Zeichen: „Der Landkreis hat ein Interesse daran, dass das Gebäude nicht verfällt.“

Woher das Geld für die Notsicherung kommen könnte, darüber will Stadtrat Tetzel nun mit der Stadt- und der Kreisverwaltung sprechen. Das Hauptproblem, so Architekt Kowalski, sei die Statik der Fassaden. Das Gebäude befinde sich in einem „labilen Gleichgewicht“. „Es kann noch 20 Jahre stehen oder schon morgen einstürzen.“ Ohne Frage sei das Haus aber akut gefährdet.

Als Sofortmaßnahme schlägt Kowalski vor, außen an den Fassaden Holzbalken-Konstruktionen anzubringen und diese quer durch das Gebäude mit Ankern zu verspannen. Außerdem müssten der Uhrenturm stabilisiert sowie das Portal und die Fenstergewände gesichert werden. Die Stadt, so Fachbereichsleiter Michael Richter, habe bereits versucht, Fördermittel für die Sicherung zu bekommen. „Wir haben dabei aber das Problem, dass das Gebäude keinen Eigentümer hat.“ Denn die Immobilie ist offiziell „herrenlos“: Der letzte Privateigentümer hat vor einigen Jahren gegenüber dem Grundbuchamt seinen Verzicht auf das Grundstück erklärt.

Neuer Eigentümer nicht in Sicht

Derzeit ist also niemand für das Gebäude zuständig. Ein neuer Eigentümer - sei es ein Verein oder eine Privatperson - ist nicht in Sicht. Auch für die Stadt kommt eine Übernahme der Immobilie wegen der angespannten Haushaltssituation nicht in Frage.

Auch die zweite große Frage ist noch ungeklärt: Wie könnte das Neustädter Rathaus überhaupt künftig genutzt werden? Das sei ein ganz wichtiger Punkt, so der Geschäftsführer der Eisleber Wohnungsbaugesellschaft (Wobau), Marc Reichardt. Schließlich würden die Sanierungskosten auf bis zu drei Millionen Euro geschätzt. „Da wollen die Fördermittelgeber ein nachhaltiges Konzept sehen: Wer nutzt das Gebäude? Wer zahlt dafür wie viel Miete?“, so Reichardt.

Die Probleme mit dem Eigentum und der Nutzung sind auch Stadtrat Tetzel bewusst. „Das ist ein sehr schwieriges Unterfangen“, so Tetzel. Er appelliert deshalb an die Stadt und den Landkreis, Vereine und Bürger, das Projekt zu unterstützen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass das alte Rathaus verloren geht - so wie damals das Vikariat.“ (mz)