Demonstration

Von Bayern über Dessau nach Berlin: Umweltschützer fahren 600 Kilometer fürs Klima

Mit einer Sternfahrt nach Berlin wollen Umweltschützer auf ihre Forderungen aufmerksam machen. Manche sind von Bayern bis nach Dessau geradelt.

Von Danny Gitter
Zum Teil fuhren die Teilnehmer hunderte Kilometer auf dem Weg aus dem Süden nach Berlin. Dessau ist eine der letzten Stationen.
Zum Teil fuhren die Teilnehmer hunderte Kilometer auf dem Weg aus dem Süden nach Berlin. Dessau ist eine der letzten Stationen. (Foto: Thomas Ruttke)

Dessau/MZ - Bauhaus, Junkers, Gartenreich - das ist der Dreiklang für viele Gäste in der Doppelstadt. Die rund 50 Demonstranten, die am Donnerstagnachmittag radelnd Dessau-Roßlau erreichten, interessierten sich nur sekundär für die Sehenswürdigkeiten am Streckenrand. Ihr Dreiklang heißt Klima, Klima, Klima. Students for Future nennen sich die U-30-Jährigen, die den globalen Klimastreik unterstützen und mit der Aktion „Ohne Kerosin nach Berlin“ von Donnerstagnachmittag bis Freitagvormittag Station in der Doppelstadt machten.

Von sechs verschiedenen Startpunkten in Deutschland setzten sich aus allen Himmelsrichtungen seit dem 21. August insgesamt rund 400 Teilnehmer der Aktion in Bewegung, um zusammen bis zum 10. September 4.000 Kilometer auf den Pedalen absolviert zu haben. In der Hauptstadt finden am 10. September Protestveranstaltungen verschiedener Klimabewegungen auf der Wiese vor dem Reichstag statt, um das Thema öffentlichkeitswirksam vor der Bundestagswahl ins Bewusstsein zu rücken.

„Meist waren es überaus positive Begegnungen“

Die 50 radelnden Aktivisten, die von Dessau-Süd aus, in Begleitung der Polizei, am Donnerstagnachmittag Richtung Innenstadt fuhren und nach einem kurzen Stopp am Dessau-Center, eine längere Pause auf dem Marktplatz einlegten, sind ursprünglich am 24. August in Nürnberg gestartet. Auf ihrer rund 600 Kilometer langen Tour werden sie Dutzende Städte und weit über 100 Dörfer durchquert haben.

„Durch diese Radtour hat man die Chance extrem vielen Menschen zu begegnen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, sagt Sarina Haushofer. In Bad Tölz, im Voralpenland, ist die zukünftige Elftklässlerin beheimatet. „Ich radle unheimlich gerne, engagiere mich fürs Klima und passenderweise haben wir in Bayern so lange Sommerferien, dass ich hier problemlos dran teilnehmen kann“, erzählt Haushofer. In Franken, in Thüringen, im Saale-Unstrut-Tal und in Halle sind sie und ihre Mitstreiter in gut einer Woche mit vielen Menschen in Kontakt gekommen.

Die Demonstranten hatten auch Anhänger dabei.
Die Demonstranten hatten auch Anhänger dabei.
(Foto: Thomas Ruttke)

„Meist waren es überaus positive Begegnungen“, bilanziert die Bayerin. Vom freundlichen Hupen über Winken bis zum Austausch netter Worte war fast alles dabei. Vor allem in Thüringen und im südlichen Sachsen-Anhalt spürten sie auch etwas Gegenwind. „Ja, dort sind auch skeptische Leute auf uns zugekommen. Doch Gespräche waren immer möglich. Manche konnten wir auch von unseren Positionen überzeugen“, bilanziert die Schülerin.

Auf der Radtour haben sie sich gegenseitig motiviert, für höhere Klimaziele einige Höhenmeter

Kohleausstieg bis spätestens 2030, statt 2038, wie von der Bundesregierung beschlossen, weniger Emissionen in der Landwirtschaft, im Verkehr und bei der Energie, sind einige der zentralen Forderungen, die die Teilnehmer der Aktion radelnd durchs Land tragen. „Wir wollen nicht das Klima gegen die Wirtschaft ausspielen. Man kann beides auch sehr klug verbinden“, findet Valentin Eckmann. Der Abiturient aus dem Großraum München möchte im Herbst ein Elektrotechnik-Studium, mit Schwerpunkt regenerativer Energie, beginnen.

Auf der Radtour haben sie sich gegenseitig motiviert, für höhere Klimaziele einige Höhenmeter, wie im Thüringer Wald, zu überwinden und einige Tage klatschnass vom ergiebigen Regen in den Schlaf zu fallen und am nächsten Tag weiter zu radeln. Auf dem Weg von Halle nach Magdeburg war Dessau-Roßlau eine ideale Zwischenstation. Nach einer Übernachtung in Zelten am Landhaus, geht es am Freitagvormittag über Roßlau, Richtung Landeshauptstadt, wieder ein Stück näher nach Berlin.