Vision für Dessau

Vision für Dessau: Ideen rund um neuen Schloßplatz stoßen auf großes Interesse

Dessau - In der Marienkirche stellte Kerstin Franz ihre Vision für den Schloßplatz vor und wurde dabei vom Verein „Stadtbild Deutschland“ unterstützt.

Von Sylke Kaufhold

Es blieb kein Platz frei am Montagabend in der Marienkirche. Mehr als 300 Dessauer waren gekommen, Visionen für die Zukunft des Schloßplatzes zu hören. Eingeladen dazu hatten der Verein „Stadtbild Deutschland“ und die Dessauerin Kerstin Franz, die mit ihrem Projekt „Muldterrassen“ eine ganz konkrete Vision vorstellte.

Und damit offensichtlich den Nerv der Dessauer getroffen hat, wie die abschließende Diskussionsrunde deutlich machte. „Es hat Freude gemacht, Ihnen zuzuhören“, zollte beispielsweise Uwe Hoyer, einstiger Tiefbauamtsleiter der Stadt, Kerstin Franz Respekt. Die Dessauerin will den Lustgarten als „Tor zum Gartenreich“ wieder zum Leben erwecken und dabei die B185 in ihrer optischen und akustischen Dominanz zurücknehmen.

„Das geht mit einer begrünten Grenze sehr gut“, findet sie. Damit sei der Lustgarten als Garten wieder erlebbar. „Man könnte ihn gärtnerisch ohne große Mühe wieder herstellen.“ Es nicht zu tun, dafür gebe es eigentlich keinen Grund.

Mit dem Hotelbau erhalte Dessau einmalige Chance, etwas von seiner Identität zurückzubekommen

Zumal damit auch für das neu zu bauende Hotel ein attraktives Umfeld entstünde. Als „Gartenreich-Hotel“ mit historischer Fassade sieht Franz dies am besten angelegt. „Es gibt kein solches Hotel und es würde der Bedeutung Dessaus als Wiege des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs entsprechen.“ Auch das Schloss möchte Kerstin Franz komplettieren, ebenso eine Muldterrassen über die B185 ziehen. „Um die Mulde in die Stadt zu holen und das gesamte Areal zu beleben“, wie sie erklärt.

Ob denn überhaupt Einfluss auf die Hotel-Investoren genommen werden könne, wollten viele Besucher wissen. Am Donnerstag finde im Wirtschaftsausschuss nichtöffentlich ein Gespräch mit den potenziellen Investoren statt, informierte dessen Vorsitzender Hans-Joachim Mau. „Da wollen wir den heutigen Abend mit einbringen, festgezurrt ist ja noch nichts.“ Mit dem Hotelbau erhalte Dessau die einmalige Chance, etwas von seiner Identität zurückzubekommen, „die sollten wir nutzen“, meint auch Mau.

Bei aller Begeisterung angesichts der bildgewordenen Träume stellte sich aber schnell die Frage nach den Kosten und der Machbarkeit. Manuel Reiprich vom Verein „Stadtbild Deutschland“ machte den Dessauern Mut und belegte seine Zuversicht mit Beispielen geglückter Rekonstruktionen und wieder erweckten alten Wahrzeichen in deutschen Städten. Allerdings sei fast immer der Druck der Bürger notwendig gewesen, verwies er darauf, dass Verwaltungen diesbezüglich eher das Nicht-Machbare sehen.

Eine Historisierung um jeden Preis sei nicht das Ziel des Vereins „Stadtbild Deutschland“

Christiane Schlonski, Beigeordnete für Bau und Stadtentwicklung hadert mit dieser Pauschalverurteilung ein bisschen. „Auch wir wollen die Bürger in diesem Prozess mitnehmen“, betont sie. Die Initiative von Kerstin Franz lobt sie. Es seien viele spannende Anregungen dabei gewesen, über die man reden könne. „Es gibt noch viele andere Ideen für den Schloßplatz, die werden wir alle sichten, auch die von Kerstin Franz“.

Eine Historisierung um jeden Preis sei nicht das Ziel des Vereins „Stadtbild Deutschland“, betonte Manuel Reiprich. „Wir sind dafür, harmonisch einfügend zu bauen und historische Gestaltungsmittel wieder anzuwenden.“ Es komme auf Details an und die seien nur mit geringen Mehrkosten verbunden, spricht Reiprich die Kostenfrage an.

Vor einem „zu viel“ bei der Historisierung warnten auch einige Besucher in der Marienkirche. „Man braucht nicht nur Fassaden, auch Funktionen“, meinte zum Beispiel Regina Sonnabend. Auch Klaus Meier sieht da den Ansatz. Er schlug eine Planungswerkstatt mit Fachleuten und Bürgern vor, um das Wie gemeinsam zu beraten.

„Wir können das, das haben wir mit dem Schwabehaus und dem Katzenhaus schon bewiesen“, rief Christiane Quantz diese erfolgreichen Beispiele bürgerschaftlichen Engagements in Erinnerung. (mz)