Geständnis vor Gericht

Vergewaltigung in Dessau:Angeklagter legt Geständnis ab

Dessau - 49-jähriger schrieb in einem Brief an das Opfer, es sei „wunderschön“ gewesen.

Von Thomas Steinberg
Eine junge Frau sitzt vor einer Wand, auf der der Schatten einer Hand groß zu sehen ist.
Eine junge Frau sitzt vor einer Wand, auf der der Schatten einer Hand groß zu sehen ist. dpa

Nachdem sie seine Wohnung verlassen hatte, kritzelte er auf einen Brief an die 17-jährige Janine P. (alle Namen geändert). Es sei „wunderschön“ gewesen. Gefunden wurde der Brief nicht von P., sondern von der Polizei. Die Beamten hatten die Tür zur Wohnung des Dessauers aufgebrochen, in der er kurz zuvor P. vergewaltigt hatte.

Angeklagter räumt Vergewaltigung ein

Seit Mittwoch steht Steffen C. wegen schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht. Der 49 Jahre alte Dessauer legte ein recht weitgehendes Geständnis ab und sagte, was er P. angetan habe, „sei nicht gerade hilfreich“ für sie gewesen.

Seine Aussagen decken sich in wesentlichen Punkten mit der Anklage. Danach war Janine P. am Vormittag des 18. März in seiner Wohnung erschienen, um eine Fahrkarte abzuholen. Beide hatten sich über ihren Freund kennengelernt, P. war wohl häufiger zu Besuch bei dem wesentlich älteren Mann. An jenem Märztag zieht Steffen C. plötzlich ein Springmesser und bedroht damit die Frau, die sich Verletzungen an den Händen und im Gesicht zuzieht. Er zwingt sie zum Geschlechtsverkehr.

Vergewaltigungsopfer musste Handy und Unterwäsche in der Wohnung lassen

Als P. gehen darf, ist es 12 Uhr; Handy und Unterwäsche muss sie bei C. lassen. Auf der Straße trifft sie zufällig eine Bekannte. Als Minuten später die Polizei bei C. anklopft, droht er, sich umzubringen, lässt sich aber doch abführen.

P.’s Freund, der Steffen C. schon lange kennt, hielt ihn für einen „netten Mann“. Was er ebenso wenig wusste wie das Opfer: Es gab einen anderen C., nämlich den, der schon einmal wegen „leichten“ sexuellen Missbrauchs eines Kindes verurteilt worden war und weil er eine junge Frau gewürgt hatte. C. sagte, er wisse nicht, was am Tattag über ihn gekommen sei, sprach von einem Tunnelblick.

Am nächsten Verhandlungstag soll unter anderem das Opfer vernommen werden. Nach dem grundsätzlichen Geständnis des Angeklagten dürfte es vor allem um für die juristische Bewertung wichtige Details gehen, zum Beispiel um die Frage, wie lange und in welchen Situationen Steffen C. sein Opfer mit dem Messer bedroht hat. (mz)