Totschlagprozess am Landgericht

Totschlagprozess am Landgericht: 15-Jähriger soll Adoptivmutter erschlagen haben

Dessau/Zörbig - Vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Dessau hat am Donnerstag zum zweiten Mal ein Verfahren gegen einen 15-jährigen Jugendlichen aus Bitterfeld-Wolfen begonnen, dem Totschlag vorgeworfen wird.

04.01.2018, 08:11

Vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Dessau hat am Donnerstag zum zweiten Mal ein Verfahren gegen einen 15-jährigen Jugendlichen aus Bitterfeld-Wolfen begonnen, dem Totschlag vorgeworfen wird.

Nach dem Ergebnis der Ermittlungen soll der ursprünglich aus Pakistan stammende und zwischenzeitlich eingebürgerte Angeklagte am 12. November 2016 nach einem Streit seiner Adoptivmutter mit einem so genannten Kuhfuß mehrere Schläge gegen den Kopf versetzt haben, an deren Folgen die Frau am 13. November 2016 im Krankenhaus verstarb.

Das Verfahren hatte bereits im November 2017 begonnen, musste allerdings aus prozessualen Gründen ausgesetzt werden. Der Grund: Der Adoptivvater tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf. Der 15-Jährige musste deshalb einen  so genannten Ergänzungspfleger zur Seite gestellt bekommen, der die elterlichen Pflichten des Minderjährigen  übernimmt.

Bislang sind bis Mitte März neun Verhandlungstage angesetzt.

Anders als bei Verfahren gegen Erwachsene bleibt bei solchen Verfahren gegen Minderjährige die Öffentlichkeit grundsätzlich außen vor – es sei denn, es ist zugleich ein Volljähriger angeklagt. Festgeschrieben ist die Abkehr vom Öffentlichkeitsprinzip im Paragraphen 48 der Jugendgerichtsgesetzes. Auch die Urteilsverkündung erfolgt ausdrücklich hinter verschlossenen Türen. Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes oder der Oberlandesgerichte hat bisher keine Ausnahmen zugelassen und immer eine restriktive Linie vertreten.

Begründet wird der Ausschluss der Öffentlichkeit mit den besonderen Zielen eines Jugendverfahrens: Dessen Ziel ist nicht in erster Linie die Bestrafung der 14- bis 17-jährigen Täter, sondern deren Erziehung. Deshalb gibt es auch wesentlich mehr Sanktionsmöglichkeiten angefangen von der Verwarnung, zugleich ist die Höchststrafe auf zehn Jahre beschränkt.

(mz)