Top, die Klima-Wette gilt

Top, die Klima-Wette gilt: Dessauer Uba-Mitarbeiter wollen Kohlendioxid einsparen

Dessau - „Top, die Wette gilt“, hätte ein blondgelockter Showmaster zu dem gesagt, was da am Mittwochmorgen vor dem Umweltbundesamt (UBA) verkündet wurde. „Wir wollen eine Million Menschen dazu bewegen, jeweils eine Tonne CO2 bis zum nächsten Klimagipfel in Glasgow einzusparen“, sagt Michael ...

Von Danny Gitter

„Top, die Wette gilt“, hätte ein blondgelockter Showmaster zu dem gesagt, was da am Mittwochmorgen vor dem Umweltbundesamt (UBA) verkündet wurde. „Wir wollen eine Million Menschen dazu bewegen, jeweils eine Tonne CO2 bis zum nächsten Klimagipfel in Glasgow einzusparen“, sagt Michael Bilharz.

Wette läuft bis zum Klimagipfel im November 2021 in Glasgow

Der UBA-Mitarbeiter nennt sein Vorhaben „Die Klimawette“. Am 1. November 2021 soll der nächste Klimagipfel im schottischen Glasgow stattfinden. Bis dahin die eine Million und möglicherweise mehr Mitstreiter zu finden, die tatsächlich ihre persönliche CO2 -Bilanz um eine Tonne senken, hält Bilharz für durchaus machbar.

Im Februar hat der UBA-Mitarbeiter, der bei der Behörde den CO2 -Rechner betreut, dafür den Verein „3 fürs Klima“ ins Leben gerufen. 50 Mitglieder hat der mittlerweile. Die 3 steht laut seiner Aussage für ebenso viele Strategien, um ganz konkret etwas für Klimaschutz zu tun. Erstens kann seiner Meinung nach jeder gezielt CO2 einsparen. Zweitens können Projekte unterstützt werden, die das auch tun. Und drittens können und sollen andere überzeugt werden, selbst zu CO2 -Sparern zu werden. Natürlich wirft das erst einmal viele Fragen auf. Da wäre zum Beispiel zu klären, wie man möglichst viel des als klimaschädlich bezeichneten Gases vermeidet, ohne den Lebensstil gleich zu radikal ändern zu müssen.

Die Wege zur Kohlendioxid-Einsparung können sehr verschieden sein

„Eine konkrete Empfehlung, die für jeden passt, gibt es nicht. Jeder hat da seine eigene persönliche Schmerzgrenze“, sagt Bilharz. Nicht mehr fliegen, kein Fleisch mehr essen und vom Auto auf Fahrrad und ÖPNV umsteigen, kann man machen, muss man aber nicht. „Jeder kann für sich überlegen, auf wie viel er davon zukünftig verzichten möchte“, so der UBA-Mitarbeiter.

Er sieht Potenziale in vielen anderen Bereichen, die kaum spürbar Einfluss auf den bisherigen Lebensstil haben. Der Kauf energieeffizienter Elektrogeräte, Ökostrom, ökologische Geldanlagen und gedämmte Häuser gehören für ihn dazu.

Kann man damit die Welt retten? „Man sollte sich mit diesem Anspruch nicht selbst überfordern, sondern erst einmal den ersten Schritt machen und dann läuft es meistens schon in die richtige Richtung“, stellt Bilharz fest. Er befürwortet auch Kompensationszahlungen für persönlich verbrauchtes CO2 an Organisationen zu überweisen, die das gezahlte Geld dann in Umweltprojekte investieren. Ist das moderner Ablasshandel?

Bilharz verneint. „Mit diesem Geld wird aktiv Klimaschutz und CO2 -Einsparung betrieben. Damit ist es gut angelegt und fördert eventuell auch das Bewusstsein für einen eigenen schonenderen Umgang mit der Umwelt“, erklärt Bilharz. Auch persönlich eine Tonne CO2 einzusparen, hält er nicht für Hexenwerk. „Im Schnitt verbrauchen die Deutschen über elf Tonnen pro Jahr“, erklärt Bilharz.

Er verbraucht nach eigenen Angaben fünf Tonnen. Wie er das schafft, damit will er nicht ins Detail gehen. Dass eine Million Menschen jeweils eine Tonne bis zum 1. November 2021 einsparen können, davon geht er fest aus. „Jeder fängt für sich an, motiviert zwei weitere Menschen innerhalb einer Woche, die wiederum motivieren auch zwei weitere. Dann kann daraus eine Bewegung werden und schon in 20 Wochen die erste Million Menschen erreicht werden“, skizziert der Initiator der Klimawette.

Um das Projekt bundesweit bekannt zu machen, ging es gleich gestern auf Reisen, mit dem Zug. Innerhalb von drei Tagen soll in zwölf deutschen Städten die Klimawette vorgestellt werden. Am ersten Tag wurde nach Dessau in Berlin, Hamburg und Hannover das Projekt präsentiert. Am 18. September geht es dann weiter nach Paris. Die französische Hauptstadt steht für das Klimaabkommen, das die Temperaturerhöhung auf zwei Grad Celsius begrenzen will. „Mit unserer Wette können wir viel dazu beitragen“, ist Bilharz überzeugt.

Radtour nach Paris ist der Wetteinsatz

Und sollte sie verloren gehen, dann ist der nächste Wetteinsatz mit richtigen körperlichen Anstrengungen verbunden. „Sollten wir es nicht schaffen bis zum 1. November 2021 eine Million Mitstreiter zu finden, die jeweils eine Tonne CO2 einsparen, dann fahren wir mit dem Rad von Paris nach Berlin und verleihen auf diesem Wege unseren Forderungen an die Politik Nachdruck“, kündigt Bilharz an.

››Weitere Informationen zum Projekt und zur Teilnahme gibt es unter www.dieklimawette.de (mz)